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Weinlounge «Wein & Sein» in Rapperswil-Jona: Romantik und grossartige einheimische Weine

In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen der Region. Nun war er zu Gast bei «Wein & Sein» in Kempraten. 

Linth-Zeitung
22.02.25 - 04:30 Uhr
Tolles Lokal: Die stilvoll umgenutzte Scheune an der Zürcherstrasse, ist eigentlich ein Degustations- und Verkaufslokal, eignet sich aber auch zum Essen und Feiern. Das Gartenrestaurant mit Aussicht auf Gubel und Zürichsee ist eines der schönsten der Region.
Tolles Lokal: Die stilvoll umgenutzte Scheune an der Zürcherstrasse, ist eigentlich ein Degustations- und Verkaufslokal, eignet sich aber auch zum Essen und Feiern. Das Gartenrestaurant mit Aussicht auf Gubel und Zürichsee ist eines der schönsten der Region.

Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands.

von Martin Mühlegg

Ein knackiger Spinatsalat an einer wunderbaren Feigen-Senf-Sauce. Eine schön abgeschmeckte Weinsuppe mit grünen Farbtupfern aus Kräuteröl. Ein Tofu-Involtini mit Polenta und Gemüse. Zum Abschluss eine Tiramisu-Kugel mit vielen roten Herzchen, wie es sich für ein Date-Night-Menü am Valentinstag (165 Franken mit Weinbegleitung, Wasser und Kaffee) gehört. Das Essen im «Wein & Sein» kommt vom Catering «Sirana» in Bilten und ist gut – aber der Wein ist besser. Darum wünsche ich Ihnen heute nicht «En Guetä!», sondern «Zum Wohl!».

Tofu Involtini mit Polenta und Gemüse: Das Essen in der Weinlounge stammt vom Catering «Sirana» in Bilten und schmeckt gut – aber der Wein ist besser.
Tofu Involtini mit Polenta und Gemüse: Das Essen in der Weinlounge stammt vom Catering «Sirana» in Bilten und schmeckt gut – aber der Wein ist besser.

Unsere lokalen Weine hatten früher – völlig zurecht – einen schlechten Ruf. Die Weissweine waren in guten Jahren trinkbar, die Rotweine verdienten sich das Prädikat «Landwein mit viel Säure, serviert in Halbliter-Bierflaschen und in grossen Mengen starke Kopfschmerzen auslösend». Umso mehr wissen wir zu schätzen, was uns das Weingut Schmidheiny in Heerbrugg, das auch den Höcklistein bewirtschaftet, heute an grossartigen Weinen beschert. 

Ein Glas Ufergold eröffnet den romantischen Abend im «Wein & Sein». Der erfrischende Johanniter-Schaumwein mit exotischen Noten wächst direkt am Ufer der Kempratner Bucht. Diese Spezialität serviere ich zu Hause sehr gerne, wenn Gäste kommen (27 Franken pro Flasche im Verkauf). Zum Salat gibt es einen Chardonnay Schmidheiny 2022 (27 Franken). Er wächst an noch jungen Reben im Rheintal und zeichnet sich im Gaumen durch schöne mineralische Aromen aus. Die Böden in den Hanglagen des St. Galler Rheintals sind ähnlich beschaffen wie am Zürichsee: Die Hummus- und Erdschicht ist dünn. Die darunter liegende Nagelfluh versorgt die Weine mit einer ausgeprägten und mir sehr wohlschmeckenden mineralischen Frische. Im Unterschied zum Rheintal, wo oft der Föhn weht, ist das Klima hier ausgeglichener – weil der Zürichsee im Winter wärmt und im Sommer kühlt. Deshalb sind die Weine aus dem Rheintal eher fruchtig und jene vom Zürichsee eher würzig. 

Räuschling kannten wir bisher vor allem als spritzigen und einfach gestrickten Sommerwein. Schmidheinys Önologe Andreas Stössel holt auch aus dieser im Wind raschelnd-rauschenden Rebe (daher der Name) das Maximum heraus: Wir bekommen ihn aus der Einzellage am Äfenrain (84.- für eine Magnum-Flasche). Der preisgekrönte Tropfen duftet nach Orange und entfaltet im Gaumen schöne Mineralien.

Zum Hauptgang geniessen wir ebenfalls einen «Premier Grand Cru» vom Höcklistein: Der Pinot Noir Egg 2020 wächst am westlichen Ende des Weinbergs und des Kantons St. Gallen. Er hat 18 Monate Barrique- und 12 Monate Stahltank-Ausbau hinter sich. Auch dieser Wein (48 Franken) gehört zu den Besten seiner Sorte am Zürichsee. Wir sind einmal mehr begeistert und nehmen zur Kenntnis, dass der Önologe Andreas Stössel in den 14 Jahren seines Wirkens am Höcklistein und im Rheintal wahre Wunder vollbracht hat.

Gastrotipp

Location: Weinlounge «Wein & Sein», Rapperswil-Jona
Ambiente: Die stilvoll umgenutzte Scheune an der Zürcherstrasse ist eigentlich ein Degustations- und Verkaufslokal, eignet sich aber auch zum Essen und Feiern. Das Gartenrestaurant mit Aussicht auf Gubel und Zürichsee ist eines der schönsten der Region.
Service: Sehr freundlich und aufmerksam. Der Weinexperte Frank Sack kennt jeden Tropfen und jede Ecke des Weinberges – wir hören ihm gerne zu, wenn er über die Beschaffenheit der Böden und den Ausbau in Eichenfässern spricht.
Preis-Leistungs-Verhältnis: 165 Franken für ein viergängiges Menü mit hochkarätiger Weinbegleitung sind sehr in Ordnung. Die Weine vom Höcklistein gehören zu den teuersten und allerbesten der Region. Das liegt auch daran, dass bei den Spitzenweinen nur 300 bis 400 Gramm Trauben pro Rebstock verwendet und aufwendig gekeltert werden.
Adresse und Öffnungszeiten: Zürcherstrasse 275, 8645 Rapperswil-Jona, [email protected], www.hoecklistein.ch, 055 222 87 90; Oktober bis April, Do. und Fr., 11 bis 19 Uhr, Samstag 11 bis 17 Uhr.

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