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Restaurant «Leutschenhaus» in Freienbach: Ein gelungenes Comeback im Weinberg

In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen der Region. Nun war er im Kanton Schwyz zu Gast.

Linth-Zeitung
25.01.25 - 04:30 Uhr
Traditionell: Das «Leutschenhaus» wurde 1762 erbaut.
Traditionell: Das «Leutschenhaus» wurde 1762 erbaut.
Bild Martin Mühlegg

Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands.

von Martin Mühlegg

Etliche Völker – und damit auch ihre Essgewohnheiten – vermengten sich auf Sizilien zu einer höchst interessanten Fusionsküche. Ein leuchtendes Beispiel hierfür sind die Arancini: Im 9. Jahrhundert brachten Araber gewürzten Reis auf die grösste Insel des Mittelmeers. Wer zur Arbeit oder auf Reisen ging, vermengte den Reis mit Fleisch oder anderen Zutaten und formte damit einen Snack für unterwegs.

Im 11. Jahrhundert kamen die Normannen auf die Insel. Sie hüllten diese Reiskugeln in eine Panade und frittierten sie. Dadurch wurden sie haltbarer und tragfähiger. Weil sie aussahen wie Orangen (Arancia), nannte man sie Arancini. Auf dem Feld arbeitende Bauern und Reisende schätzten sie und sorgten für ihre Verbreitung.

Wir sitzen in der Gaststube des prächtigen «Leutschenhaus», als ich meiner Liebsten diese Geschichte erzähle. Vor mir liegen die am schönsten angerichteten Arancini, die mir je aufgetischt worden sind. Zwei dieser Kugeln – weil sie als Vorspeise dienen, sind sie kleiner als die Originale – liegen auf einem Spiegel Tomatensauce. Das Ganze ist mit Parmesan und etwas Schnittlauch bestreut. Ein Spritzer Balsamico und ein Zweig Kerbel runden das Bild ab. Das Gericht schmeckt so toll, wie es aussieht. Die Arancini sind knusprig, und von der Tomatensauce würde ich sehr gerne das Rezept haben. Sie bilden den Anfang des dreigängigen «Menu du jour», das wir bestellt haben (72 Franken).

Schmecken gut: Die Arancini im «Leutschenhaus» überzeugen.
Schmecken gut: Die Arancini im «Leutschenhaus» überzeugen.
Bild Martin Mühlegg

Wir erwarteten ein sehr gutes Abendessen, als wir den Weg in den Weinberg «Leutschen» unter die Räder nahmen. Einerseits würde mittelmässiges oder gar schlechtes Essen einem so prächtigen und geschichtsträchtigen Gebäude wie dem «Leutschenhaus» nicht gut anstehen. Andererseits gab hier der Rapperswiler Armando Schneller im Herbst 2023 sein Comeback. In den 90er-Jahren hatte er in verschiedenen Gourmetrestaurants der Region gekocht. Dann ging er für 20 Jahre als Küchenchef einer noblen Altersresidenz in den Stand-by-Modus. Nun will er es nochmals wissen als Küchenchef eines Lokals, in das alle Gäste freiwillig kommen.

Dass er seinen Job sehr gut macht, beweist das volle Lokal. Für weitere Einkehren im «Leutschenhaus» spricht auch der tolle Hauptgang: Wir bekommen Felchenfilets nach Grenobler Art – will heissen: in reichlich Butter gebraten, mit Kapern und Zitronenfilets. Dazu gibt es al dente gedämpftes Gemüse und Basmatireis. Meine Liebste sagt dazu einen Satz, den sie nur vier- bis fünfmal pro Jahr von sich gibt: «Das kann man nur loben!»

Den schönen Abend auf der anderen Seeseite runde ich ab mit einer (anonymen) Käseauswahl, die nicht ganz die Klasse der ersten beiden Gänge hat. Dazu trinke ich den eleganten und kraftvollen Bolgheri «Noi 4» (14 Franken pro Glas). Gefallen hat uns auch der Wein, den wir zum Hauptgang getrunken haben: Der Chardonnay «New Style» aus dem Burgenland (9 Franken) ist angenehm mineralisch und weniger süss als andere Weine dieser Sorte.

Gastrotipp

Restaurant: «Leutschenhaus», Freienbach
Ambiente: Wir fühlen uns wohl in diesem Lokal, obwohl wir nicht den besten (weiss gedeckten) Tisch bekommen haben (wir haben zu spät reserviert). Der zweite Blick offenbart, dass bei der Renovation gesündigt worden ist. Boden, Wände und Decke wirken beliebig und haben keinen Bezug zur Geschichte des Hauses. Etwas mehr Deko und Wärme würden dem Lokal gut anstehen.
Service: Das mehrheitlich junge Personal ist freundlich und sympathisch. Nachdem sich das Lokal gefüllt hat, sind sie sehr vielbeschäftigt. Teilweise warten wir etwas lange aufs Einschenken und Abräumen.
Preis-Leistungs-Verhältnis: 72 Franken für ein dreigängiges Menü dieser Klasse ist sehr günstig für diese Region und diese Liga. 10 Franken für ein Glas Leutschner Räuschling finden wir hingegen zu teuer.
Adresse und Öffnungszeiten: Leutschenrain 19, 8807 Freienbach; www.leutschenhaus.ch, T. 055 420 44 55; Di. bis Sa. 11.30–14 Uhr, 18–23 Uhr bis Sa. 11.30–14 Uhr, 18–23 Uhr.

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