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«Marco's Pasta-Bar» in Rapperswil: Hier lebt eine 100-jährige Tradition

Bekannt ist «Marco's Pasta-Bar» – wie es der Name schon sagt – wegen seiner Pasta. Mit etwas anderem wurden an selber Stätte die Einheimischen schon vor 100 Jahren verköstigt.

Linth-Zeitung
19.12.25 - 15:30 Uhr
Felchen (und Pasta) sind einfach gut: «Marco’s Pasta-Bar» an der Fischmarktstrasse bietet im Winter etwas Ganz Besonderes an.
Felchen (und Pasta) sind einfach gut: «Marco's Pasta-Bar» an der Fischmarktstrasse bietet im Winter etwas ganz Besonderes an.
Bild: zVg

Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands.

Die Fischtranchen sind relativ klein. Deshalb nehmen wir an, dass es sich um Albeli (Albulen) handelt. Das ist eine kleine Unterart des Felchens, die einem Rapperswiler Einkaufszentrum den Namen gegeben hat. Die grossen nennt man Balchen. Die Tranchen sind nicht in Bierteig eingehüllt, sondern im Mehl gewendet und frittiert. Sie sind knusprig und schmackhaft. Dazu bekommen wir eine längs halbierte Kartoffel, die in Butter geschwenkt und mit Schnittlauch bestreut ist. Eine würzige Mayonnaise und ein Schnitz Zitrone liegen auch auf dem Teller.

Wir sind begeistert von diesem einfachen und ebenso köstlichen Gericht. Uns gefällt auch, dass wir so viel essen können, wie wir wollen. Zweimal lassen wir nachschöpfen. Zum Preis von 39.50 Franken gibt es neben Felchen à discrétion einen Blattsalat.

Essen wie die Rapperswiler vor 100 Jahren: Frittierte Felchentranchen mit Kartoffeln und Mayonnaise.
Bild: Martin Mühlegg

Ich fühle mich zurückversetzt in meine Kindheit: An Mittwochnachmittagen angelte ich im Stampf jeweils Dutzende von Läugeli (auch Laube oder Zwiebelfisch genannt). Meine Mutter frittierte die bis zu 15 Zentimeter langen Fische und servierte sie auch mit Kartoffeln und Mayonnaise. Durch die grosse Hitze in der Fritteuse lösten sich die Gräten auf. Dieser Vorteil macht sich auch bei den Felchen bemerkbar: Wir brauchen nur das Rückgrat und die eine oder andere dicke Gräte vom Fisch zu trennen. Das geht ganz einfach.

Lokale Tradition seit 1924

Apropos zurückversetzen: Wir frönen heute einer lokalen Tradition, dem Rapperswiler Felchenessen. Es begann 1924 im Restaurant «Hecht», wo damals die Familie Häuselmann wirtete. Im Winter servierte sie jeweils über mehrere Wochen hinweg Felchen – zubereitet wie oben beschrieben. Später wechselten die Häuselmanns ins Hotel/Restaurant «Post». Auch dort schlugen sich vor und nach den Festtagen Hunderte von Menschen die Bäuche mit Felchen voll. Nachdem die «Post» umgenutzt worden war (heute haust dort «Radio Zürisee»), fand der winterliche Brauch im «Rathaus» ein neues Zuhause.

Vor 28 Jahren kehrte das Felchenessen zurück zu seinen Wurzeln: ins Lokal des ehemaligen «Hechts», wo Marco Ragnacci seine Pasta-Bar betreibt. Peter Häuselmann, ein Vertreter der dritten Generation, bereitet die Fische, Kartoffeln und Mayonnaise so zu, wie er es von seinen Vorfahren gelernt hat. In diesem Winter findet es an folgenden Daten statt: 17. – 21. Dezember, 7. – 11. und 14. – 18. Januar von 18 – 22.30 Uhr (Mittwoch bis Samstag), sonntags jeweils von 11.30 – 22.30 Uhr.

Pasta darf nicht fehlen

In einer Kolumne über «Marco's Pasta-Bar» gehört natürlich auch eine Portion Pasta. In den letzten 33 Jahren habe ich bei Ragnacci immer wieder mal Spaghetti, Penne oder Tagliatelle gegessen. Mein Favorit erschien mir zuerst als waghalsige Kombination, die dann zu einem meiner Leibgerichte wurde: Spaghetti mit Crevetten, Chorizo, Curry und Mascarpone (28.- Franken). Ich mag auch die verschiedenen Medaglioni-Zubereitungen, zum Beispiel mit Salbei, Olivenöl und Knoblauch (25.50).

Zurück zum Fisch: Im Frühjahr werden Ragnacci und Häuselmann traditionell zubereiteten Hecht servieren. Die Daten werde ich Ihnen hier demnächst durchgeben.

«Marco's Pasta Bar» in Rapperswil-Jona

Ambiente: Wir sitzen für einmal an einem Tisch und nicht an der Bar. Für das Ambiente sorgen hier weniger das Lokal als die vielen gut gelaunten Gäste (es ist auch noch Christkindlimärt) und der beherzte Service. Wenn wir Pasta essen, sitzen wir jeweils an der Bar. Dort kocht Maestro Marco Ragnacci die Pasta direkt vor uns.
Service: Beherzt, freundlich und sympathisch. Die Mitarbeitenden und der Wirt zeigen zu Recht einen gesunden Stolz auf die Rapperswiler Spezialität und ihre Geschichte.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Felchen – frisch aus dem Zürichsee – mit Kartoffeln und Mayonnaise à discrétion mit Salat für weniger als 40 Franken ist sehr günstig. Zumal es sich hier um Slow Food in Reinkultur (lokale Zutaten nach alten Rezepten zubereitet) handelt. Die allermeisten Pasta-Gerichte kosten weniger als 30 Franken – was auch günstig ist. Adresse: Fischmarktstrasse 4, 8640 Rapperswil-Jona, 055 211 14 14, www.marcospastabar.com

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