Landgasthof «Paradiesli» in Betlis: Pures Glück im Garten Eden
In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen der Region. Nun war er im Restaurant «Paradiesli» in Weesen zu Gast.
In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen der Region. Nun war er im Restaurant «Paradiesli» in Weesen zu Gast.
Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands.
von Martin Mühlegg
Manchmal sitze ich an einem Tisch und bin ich einfach nur glücklich. Dies geschieht zum Beispiel, wenn die Realität mit meinem (subjektiven) kulinarischen, gestalterischen, ökonomischen und sozialen Wertesystem übereinstimmt: Eine heimelige Gaststube, die mindestens 80 Jahre auf dem Buckel hat und mit ein paar zeitgemässen Features ausgestattet ist. Ein sympathischer und aufmerksamer Gastgeber, der Haltung zeigt und weiss, was er serviert. Unkonventionelle und mit viel Herz zubereitete Vorspeisen wie hausgemachtes Knäckebrot mit Hummus, Gemüsepickles aus dem eigenen Garten, ein Vitello «Trotalla» (nicht mit Thun, sondern mit Forelle).
Das Herzstück dieses Potpourris ist eine kräftig geröstete Frühlingszwiebel, die wunderbare Aromen entfaltet. Im Weinglas befindet sich ein «Zwicky Weiss» – eine Cuvée aus Johanniter und Sauvignon Blanc (10 Franken). Sie ist biologisch angebaut und kommt vom Walenstädter Produzenten Bosshart + Grimm. Zu all diesem Glück kommt hinzu, dass meine Liebste gegenübersitzt und mich anlächelt. So muss es sich im Garten Eden anfühlen – oder zumindest die Verniedlichung davon, wir befinden wir uns ja im «Paradiesli» in Betlis.
In solchen Momenten vergesse ich, dass es auch «Haare in der Suppe» gibt: Draussen ist es kalt und es regnet in Strömen, was die Aussicht auf den Walensee trübt. Ausser uns sind keine Gäste da – ich habe Mitleid mit den beherzten Wirtsleuten, denn bei diesem Wetter wird kaum mehr jemand den abenteuerlichen Weg nach Betlis unter die Räder nehmen. Immerhin weiss ich, dass hier bei Sonnenschein sehr viel los sein wird. Der schöne Garten bietet genug Plätze, um die Regenlöcher in der Buchhaltung auszugleichen.
Apropos Garten: Das «Paradiesli»-Team führt nicht nur ein Restaurant und einen kleinen Hotelbetrieb, sondern auch eine Gärtnerei. Von dort kommt unsere zweite Vorspeise: Eine reichlich mit verschiedenen Salaten gefüllte Schüssel. Sie sind an einer feinen Sauce angemacht und mit Kernen und Schnittlauch angereichert. Dazu enthält sie ein paar Schnipsel Liebstöckel – was der einfachen Vorspeise etwas Exotik verleiht.
Wir sind noch lange nicht am Ende des abendlichen Genusses, denn das Pfauenmenü für sagenhaft günstige 73 Franken wird uns zwei weitere Gänge bescheren. Die geschmorte Lammhaxe mit Bärlauchremoulade, Polenta und Gemüse lässt keine Wünsche offen – auch hier gefällt mir das Gemüse, diesmal sind es angeröstete Karottenstäbchen.
Derweil geniesst meine Liebste weisse Spargeln mit Eiweisswürfelchen, Schnittlauch, Sauce Hollandaise und Kartoffeln, denen sie fünf von fünf Punkten gibt (Vegi-Menü mit vier Gängen 65 Franken). Den wunderbaren Abend runden wir ab mit einem baskischen Quarkkuchen, der ohne Biskuit-Boden auskommt und einem Mousse au Chocolat.
Landgasthof «Paradiesli»
Ambiente: Heimelige Gaststube mit viel Holz, einem Kachelofen und zeitgemässen Akzenten. Liebevoll gestalteter Garten mit vielen Bäumen und mehreren Bereichen, wo man essen und trinken kann.
Service: Der Gastgeber ist aufmerksam und herzlich. Er berät uns gut und weiss genau, was er serviert. Das «Paradiesli» gehört zur «Wirtschaft im Franz» in Zürich Wiedikon. Uns gefallen dieser alternative Groove und der Umstand, dass man sich duzt.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Sehr gut. Regionalität, hauseigene Produkte und kreative Küche zu fairen Preisen. Das Pfauenmenü überzeugt in jeder Beziehung und ist konkurrenzlos günstig.
Adresse und Öffnungszeiten: Betlis 35, 8872 Weesen, www.paradiesli-betlis.ch/, [email protected], 055 616 14 28; bis Ende Juni und 18. August bis 19. Oktober: Donnerstag bis Montag 10 bis 22 Uhr; 1. Juli bis 17. August täglich 10 bis 22 Uhr; 20. Oktober bis 2. November Freitag 15 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag 10 bis 22 Uhr. Das enge Strässchen ist jeweils zur vollen und zur halben Stunde jeweils fünf Minuten lang Richtung Betlis befahrbar. Die Anreise mit dem Schiff ist angenehmer.
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