Im «Frauenhof» in Rapperswil trifft Eglifilet auf Urlaub
Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands. Heute besucht er den Rapperswiler «Frauenhof».
Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands. Heute besucht er den Rapperswiler «Frauenhof».
Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands.
Martin Mühlegg
Ich frage den Gastgeber Christian Hösli nach einem speziellen Softgetränk. Er empfiehlt mir einen Sanbitter mit Orangensaft (6.50 Franken).
Eine gute Wahl, denn neben dem beglückenden Geschmackserlebnis bereitet mich dieser Drink auf das Essen vor. Er fördert die Produktion
von Speichel und Magensaft und damit auch den Appetit. Überhaupt bin ich gut vorbereitet in den «Frauenhof» gekommen: Weil ich kein
Frühstück hatte, bin ich sehr hungrig. Ich leiste mir eine Extravaganz und bestelle nicht wie auf der Mittagskarte vorgesehen Suppe oder Salat, sondern Suppe und Salat.
Ich beginne mit der Tomatencremesuppe. Mit frischer Petersilie, bunten Blütenblättchen und ihrer orangegoldenen Farbe ist sie so schön
anzusehen wie das sommerliche Treiben auf dem Hauptplatz. Die Suppe ist dezent gewürzt – unterstützt vom Rahm entfaltet sie schöne Tomatenaromen. Auch der Blattsalat (6 Fr.) mit ein paar Scheiben Gurken und Karotten macht auf Understatement: Er ist nicht an einer schweren Balsamico-Tunke angemacht, sondern an einer leichten und erfrischenden Vinaigrette.
Seit David Penner im «Frauenhof» kocht, gehört dieser Ort zu meinen Lieblingslokalen der Stadt. Das Lokal hat aber mehr zu bieten als einen talentierten und erblich vorbelasteten Küchenchef (seine Eltern haben rund um den Zürichsee Bäuche gefüllt und gastronomische Fussabdrücke hinterlassen). Der «Frauenhof» gehört zu den am stilvollsten renovierten Gebäuden der Rapperswiler Altstadt.
Hier lohnt sich der Gang auf die Toilette auch ohne Drang, weil man auf dem Weg in den Keller tolles Handwerk aus Sandstein, Eiche und Kalk bewundern kann. Verantwortlich dafür sind die Architekten von Ruch & Partner in St. Moritz. Seinen Namen hat das Lokal nicht von einer früheren Besitzerin. Er stammt von der goldenen Madonna, die von einem kleinen Sandsteinsockel aus auf die Kluggasse hinunterschaut. Lohnenswert ist eine Einkehr auch, weil man nicht nur draussen oder drinnen, sondern auch dazwischen sitzen kann – zum Beispiel auf den leicht erhöhten Tischen hinter dem riesigen Fenster, das an warmen Tagen vollständig geöffnet wird.
Zum Hauptgang bekomme ich ein Gericht, das so klassisch ist wie die Möblierung: Eglifilet mit Salzkartoffeln, Spinat, Tomaten und Mandelsplittern (Mittagsmenü mit Suppe für 27.50 Fr.). Der Fisch kommt aus dem EU-Raum, weil diese Delikatesse im Zürichsee kaum mehr gefangen und mittlerweile mit Gold aufgewogen wird. Eine Alternative wären Eglifilets aus der Valperca-Zucht im Wallis. Doch die kosten rund 100 Franken pro Kilogramm. So oder so: Mir schmeckt der Hauptgang, neben dem Fisch gefallen mir besonders die al dente gedämpften Kartoffeln. Und die leicht süssliche Chip-Deko schmeckt so gut, wie sie aussieht.
Weil es sich noch immer sehr gut anfühlt an diesem schönen Ort, gönne ich mir noch eine Hausspezialität: Eine gebrannte Rosmarincrème (12 Fr.), die mit Beeren und einem Schnitz Orange dekoriert ist. Inspiriert von vielen schönen Anblicken und gut genährt mache ich mich auf den Weg ins Büro, wo ich das alles in Worte zu fassen versuche.
*Martin Mühlegg ist Journalist und Lebensmittelingenieur. Für die Kolumne «En Guetä» besucht er Restaurants der Region.
Gastrotipp
Restaurant: «Restaurant Frauenhof» Ambiente: Ein schöner Sommertag auf dem Hauptplatz fühlt sich an wie Urlaub. Für gute Laune sorgen auch die Retro-Gartenmöbel von Schaffner. Innen fühlt es sich an wie in einem modern-urbanen Bistrot. Auch hier sind die Möbel klassisch-edel: Stühle von Horgen-Glarus, Lampen aus Murano. Service: Ich bin gerne im Frauenhof – auch, weil mich sein Gastgeber in eine nostalgische Stimmung versetzt. Der angenehm bescheidene Christian Hösli hat mich früher im «Bären» mit reichlich Bier und Carrjillo versorgt. Preis-Leistungs-Verhältnis: Für vier Gänge mit einem speziellen Softdrink am Hauptplatz bezahle ich 52 Franken. Das ist sehr in Ordnung. Abends à la Carte mit Wein wird es teurer – ist aber immer noch dem Ort und der Qualität angemessen.
Adresse: Kluggasse 2, 8640 Rapperswil-Jona.
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