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Brauereigasthof «Adler» in Schwanden: Hund im Glas und Netzbraten auf dem Teller

In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen der Region. Nun war er im Brauereigasthof «Adler» in Schwanden zu Gast.

Linth-Zeitung
02.06.25 - 16:20 Uhr
Stattlich: der Brauereigasthof «Adler» in Schwanden.
Stattlich: der Brauereigasthof «Adler» in Schwanden.
Bild: Martin Mühlegg

Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands.

Im späten 13. Jahrhundert wirkte oberhalb von Hätzingen ein grausamer Vogt. Er erhob von den Bauern hohe Abgaben und hatte kein Ohr für ihre Sorgen und Nöte. Wenn arme Leute bei ihm um Almosen baten, liess er seinen grossen schwarzen Hund von der Kette. Dieser jagte dann die Bittsteller unter dem Gelächter des Vogtes den Hang hinunter. Nachdem der Vogt gestorben war, erschien zwischen Hätzingen und Diesbach in den Geisterstunden ein grosser schwarzer Hund, der eine rasselnde Kette hinter sich herzog und beängstigend knurrte. Man erzählte sich, die böse Seele des Vogtes lebe in diesem Rufelihund weiter.

Circa 750 Jahre später steht ein Rufelihund vor mir. Er ist nicht schwarz, er leuchtet in Bernstein und schmeckt fruchtig-malzig. Das feine American Pale Ale (Stange für 7.30 Fr.) gehört zum Sortiment der Sagenbiere aus der Brauerei Adler in Schwanden. Im gleichnamigen Gasthaus, das zwischen Brauerei, Getränkemarkt und Hauptstrasse liegt, solle man gut essen, heisst es. Dass ich mich im «Adler» auf Anhieb wohlfühle, liegt nicht nur am guten Bier und seinem Alkoholgehalt von 5,4 Prozent, sondern auch an der familiären Atmosphäre. Gefühlt bin ich an diesem Mittag der einzige Gast, der vom Personal nicht mit Vornamen angesprochen wird. Man kennt sich, und es bilden sich spontan Tischgemeinschaften. Am runden Tisch sitzen ein halbes Dutzend Handwerker, die sich über Eishockey und im Schweizerdeutsch gängige französische Worte austauschen.

Mittagsmenü 1 für 19.50 Franken: Netzbraten mit Nudeln, Gemüse und Zwetschgen.
Mittagsmenü 1 für 19.50 Franken: Netzbraten mit Nudeln, Gemüse und Zwetschgen.
Bild: Martin Mühlegg

von Martin Mühlegg

Zuerst bekomme ich in einem schmucken Ton-Schälchen den Menüsalat. Der Blattsalat ist mit einer Scheibe Tomate und mit mehreren Zwiebelringen dekoriert und an einer erfrischenden Vinaigrette angemacht. Die schwarzen Oliven und die Aufschrift auf dem Schälchen verraten, dass die portugiesische Familie Azevedo auf dem «Adler» wirtet. Seit 20 Jahren gibt es hier neben Glarner und Schweizer Klassikern auch Fischspiesse und Reisgerichte aus dem Land der Gastgeber.

Obwohl ich die Küche Portugals wegen ihrer Schnörkellosigkeit sehr schätze, entscheide ich mich für einheimische Kost: Menü 1, Glarner Netzbraten mit Gemüse und Nudeln, garniert mit Zwetschgen (mit Salat 19.50 Fr.). Die luxuriöse Form des Fleischkäses ist butterzart und schmeckt mir. Die würzige Bratensosse mische ich mit den auf den Punkt gekochten Tagliatelle. Sehr gute Noten gebe ich der al dente gekochten Gemüsebeilage. Brokkoli, Karotten und Kohlrabi sind in der Butter geschwenkt und mit frischen Kräutern bestreut.

Die Portionen sind grosszügig – und dem Hunger von fleissigen Handwerkern angemessen. Ich bin nur ein Schreibtischtäter und bestelle diesmal kein Dessert. Auf dem Weg zum Bahnhof sehe ich die Furche, die der Erdrutsch unterhalb des Büelwaldes hinterlassen hat. Die Strasse zum Kies ist noch immer geschlossen. Damit ist der Zugang zum Berghotel «Mettmen» mit dem sehr guten Restaurant leider noch immer erschwert. Trotzdem werde ich bald dort einkehren, Sie erfahren dann in dieser Kolumne davon.

Gastrotipp

Restaurant: Brauereigasthof «Adler», Schwanden
Ambiente: Gehobene Dorfbeiz mit schönen Neorenaissance-Möbeln und modernen Elementen wie Täfer, Parkett und Lampen. An den Wänden alte Fotos aus der Brauerei. Der üppige Blumenschmuck wirkt in dieser stilvollen Umgebung etwas zu Barock.
Service: Ich werde herzlich empfangen und aufmerksam bedient, es herrscht angenehme familiäre Atmosphäre. Wie es sich in einem solchen Restaurant gehört, kommen Getränke und Essen schnell auf den Tisch, und ich muss die Arbeit nicht lange ruhen lassen.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Sehr gut. Es gibt drei Tagesmenüs, zwei (Netzbraten oder Zander) sind mit 19.50 Franken sehr günstig. Leider kein vegetarisches Gericht auf der Tageskarte.
Adresse und Öffnungszeiten: Hauptstrasse 34, 8762 Schwanden; www.brauereigasthof-adler.ch, [email protected], 055 644 11 71; Dienstag bis Samstag, 8–24 Uhr, Sonntag und Montag geschlossen.

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