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Am Hauptplatz in Rapperswil gibt es ein gutes Restaurant mehr

Ein bestens bekannter Wirt, der die Lieblingsspeise unseres Gastrokritikers serviert. Entsprechend positiv fällt das Fazit für das neue «Rathaus»-Team aus. Luft nach oben gibt es aber trotzdem.

Linth-Zeitung
21.03.26 - 16:00 Uhr
Neues Interieur für das Gebäude aus dem Mittelalter: Mannshohe goldfarbene Vasen zieren das «Rathaus» in Rapperswil nach der Wiedereröffnung.
Neues Interieur für das Gebäude aus dem Mittelalter: Mannshohe, goldfarbene Vasen zieren das «Rathaus» in Rapperswil nach der Wiedereröffnung.
Bild: Martin Mühlegg

Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands.

Schon bevor ich den ersten Bissen im Mund habe, stimmt mich das Mittagessen fröhlich. Vor mir steht nämlich ein Teller mit goldbraun angebratenen, hausgemachten Gnocchi (dies ist eine meiner Lieblingsspeisen). Die Gnocchi liegen auf einer Basilikum-Rahmsauce. Darauf sind Mizuna, Pflücksalate in verschiedenen Farben, Cherrytomaten und Parmesanflocken drapiert (26.50 Franken mit Suppe oder Salat).

Wahrlich ein schöner Anblick, passend zur Jahreszeit (auch wenn noch lange nicht Tomatensaison ist). Das Gericht schmeckt so toll, wie es aussieht: Die Sauce hat eine belebend fruchtige Note. Die Salate sind frisch, und die Gnocchi haben die perfekte Konsistenz.

Für 26.50 Franken (inkl. Suppe und Salat): Gnocchi mit einer Basilikum-Rahmsauce.
Bild: Martin Mühlegg

Ich habe nicht daran gezweifelt, dass wir im «Rathaus» ein gutes Mittagessen bekommen werden. Wie so viele Menschen aus der Region bin ich nämlich schon oft im «Seefeld» in Hurden eingekehrt. Mir gefiel die solide, wenn auch etwas gewöhnliche Küche, der prompte Service und das sehr gute Preis-Leistungs-Verhältnis.

Nun hat der Wirt und Küchenchef Thomas Aufdermauer das «Rathaus» übernommen. Das Mittagessen und ein Blick in die Karte zeigen, dass er das Angebot dem neuen Standort angepasst hat. Er hat sich vom «Landbeizer» mit grossem Parkplatz zum gehobenen, aber nicht abgehobenen Gastronomen entwickelt.

Gehoben aber nicht abgehoben: Das altehrwürdige «Rathaus» in Rapperswil hat einen würdigen Pächter.
Bild: Archiv

Die Preise sind im Vergleich zum «Seefeld» gestiegen, aber noch immer angemessen. Die Karte ist etwas kleiner geworden. Das können wir nachvollziehen: Am Rapperswiler Hauptplatz muss man es nicht mehr allen recht machen und kann sich spezifischer positionieren. Dass Aufdermauer seine Wurzeln nicht gekappt hat, zeigt aber das zweite Gericht auf dem Mittagsmenü dieser Woche: Es ist ein Hackbraten mit Kartoffelstock (28.50 Fr., mit Salat oder Suppe).

Mein Begleiter ist damit ebenso zufrieden wie ich mit meinen Gnocchi. Weiter im Mittagsangebot, das wöchentlich wechselt, sind Rindsfiletstreifen an Trüffelrahmsauce und Tagliolini (54.50 Fr.), Wolfsbarsch mit Frühlingskartoffeln (36.50 Fr.) und Buttermilk Fried Chicken (28.50 Fr.; alle mit Suppe oder Salat).

Ach ja, da war noch etwas: Zur Vorspeise bekam ich eine Fenchel-Orangen-Suppe mit Rahm. Auch dieser erfrischende Einstieg schmeckte mir ausgezeichnet – doch wünsche ich mir etwas mehr Saisonbewusstsein (Fenchel sollte bei uns erst ab Ende Mai auf den Tisch kommen).

Obwohl mein Bauch nach den zwei Gängen gut gefüllt ist, bestelle ich noch das Wochendessert. Es ist eine Pistazien-Minze-Creme, die das feine Mittagessen würdig abschliesst.

Fazit: Mit dem Einzug der ehemaligen «Seefeld»-Crew ist das ohnehin schon gute kulinarische Angebot am Hauptplatz nochmals aufgewertet worden. Nun gibt es hier schon sieben Restaurants, die ich guten Gewissens empfehlen kann – also für jeden Wochentag eines.

Gastrotipp: Restaurant «Rathaus», Rapperswil

Ambiente: Mannshohe, goldfarbene Vasen mit «Pflanzen» aus Stoff und Plastik, dunkle Tapeten mit Pflanzenornamenten, ovale Spiegel und dicke Kränze aus geflochtenen Zweigen: Das «Rathaus» macht jetzt auf Zeitgeist und sieht aus wie die Filiale einer globalen Boutique-Hotel-Kette. Dies passt nicht zu diesem Haus. Schade um den schönen Raum.
Service: Professionell und speditiv. Der Rhythmus stimmt, und wir bekommen unser Mittagessen zügig. Eine Prise mehr Persönlichkeit und Herz würde mir gefallen.
Preis-Leistungs-Verhältnis: 26.50 Franken sind ein stolzer Preis für ein zweigängiges Vegi-Mittagsmenü. Er ist aber Qualität und Standort angemessen. Wir haben damit gerechnet, dass es etwas teurer wird als im «Seefeld».
Adresse: Restaurant «Rathaus», Hauptplatz 1, Rapperswil-Jona

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