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Übrigens: Mein Kind hat auch einen Papa

Kristina
Schmid
23.09.22 - 04:30 Uhr
Bild Pixabay

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Mein Mann ist mit den Kindern aufgestanden. Hat ihnen Milch gewärmt. Den Zmorgatisch gedeckt. Während sie gegessen haben, hat er die Znünibox für den Kindsgi gerüstet. Nach dem Zmorga hat er erst den einen angezogen, dann dem anderen mit den Socken geholfen. Als die beiden dann in ihrem Zimmer noch etwas spielten, bevor es Zeit war für den Kindsgi, hat er geduscht und für den Tag alles vorbereitet. Und die Mama? Die hat ihren Kaffee im Bett getrunken und sich in aller Ruhe fertiggemacht.

So wie an diesem Tag läuft es nicht jeden Tag bei uns. Aber klar ist eins: Ich und mein Mann, wir arbeiten beide und teilen uns alles auf. Die Hausarbeit. Die Care-Arbeit. Wir kümmern uns beide um die Kinder und wir beide bringen sie ins Bett. Jeder von uns hat auch mal Zeit für Freunde oder auch für sich selbst. Und wir nehmen uns die Zeit als Paar. Wir teilen. Und wir teilen auf. Nicht immer 50/50. Das ist schlicht unmöglich. Aber noch nie hat sich mein Mann vor etwas gedrückt. Auch wenn er 100 Prozent arbeitet, macht er trotzdem den Wocheneinkauf und nimmt dabei immer eines der Kinder mit. Wir stehen beide mit den Kindern auf, mal er, mal ich. Wir bringen die Kinder beide ins Bett, mal nur er, mal nur ich. Aber klar ist eins: Ich muss nicht alles alleine machen. Nie.

Es ist nicht nur mein Mann, der sich mindestens gleich stark wie ich für unser Leben engagiert. Ich muss ihn nie darum bitten oder ihn darauf hinweisen. Er denkt mit. Und er zieht mit. Für ihn ist das keine Sache der Frau und Mutter. Nicht einmal dann, wenn die Frau viel weniger arbeitet und mehr Zuhause ist. Und ich freue mich, dass ich Dutzende Männer kenne, die das genauso tun. Arbeit, Hausarbeit, Care-Arbeit. Und doch gibt es sie noch: Männer, die nichts tun. Oder nur das Mindeste und Nötigste.

Ich habe Freundinnen, mit denen ich mich nur verabreden kann, wenn die Kids dabei sein können, weil der Mann nicht alleine auf die Kinder aufpassen will. Weil er sie nicht beruhigen kann, wenn sie weinen. Sagt er. Weil er sie nicht ins Bett bringen kann, weil sie nur nach Mama schreien. Ich habe Freundinnen, die nie ausschlafen können, weil der Mann behauptet, die Kinder nicht zu hören, wenn sie aufwachen. Der behauptet, die Kinder nicht vom Elternzimmer fernhalten zu können, weil sie nach Mama suchen. Oder der Mann wieder auf der Couch einschläft, sodass die Kinder schliesslich doch bei Mama landen. Ihre Männer sagen, das sei nicht ihre Aufgabe, nicht ihre Verantwortung. Und das macht mich traurig.

Können wir uns bitte darauf verständigen, wenn zwei Menschen sich einigen, ein Kind zu bekommen (oder zu adoptieren), dass die Verantwortung für dieses Kind oder diese Kinder zu gleichen Teilen bei jedem und jeder von ihnen liegt. Wie wir diese Verantwortung, die Aufgaben und den Mental-Load verteilen, ist immer individuell. Es muss nicht zwingend 50/50 sein, ist es bei uns auch nicht. Denn jeder hat Stärken, Schwächen und Vorlieben. Aber: Beide Seiten müssen am Ende mit dem Ergebnis einverstanden sein. Wenn die Frau das Gefühl hat, alles alleine zu tun, macht der Mann mit Sicherheit zu wenig. Was nicht heissen soll, dass es nicht auch umgekehrt sein kann. Dass es Männer gibt, die deutlich mehr tun.

Und noch etwas: Care-Arbeit ist ein 24-Stunden-, Sieben-Tage-die-Woche-, 365-Tage-im-Jahr-Job. Und wie bei jedem anderen Job gehören Pausen dazu. Und zwar echte Pausen. Auszeiten. Wenn man einen Kaffee schnell noch im Stehen trinkt und mit einem Ohr zuhört, was die Kinder gerade machen, dann ist das keine Pause! Und wir sollten unserem Partner und unserer Partnerin, unserem Ehemann und unserer Ehefrau, diese Pausen zugestehen.

Mein Mann steht mit den Kindern nicht um sechs Uhr auf, weil er sehr gerne frühmorgens geweckt wird. Er macht das, weil einer von uns nun mal aufstehen muss, wenn der Kleinere wach ist. Und er macht das, weil er weiss, dass diese Aufgabe nicht logischerweise mir, der Frau, obliegt. Er will mir eine Pause verschaffen. Und er zieht sich nicht aus der Verantwortung, die das Kinderhaben halt auch mit sich bringt: Opfer zu bringen. Weil er Vater ist – und sein will.

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