Hobbygärtner Sersch: «Eine so grosse Ernte habe ich noch nie erlebt»
Manche Hobbygärtner haben ihre Rütenen bereits winterfest gemacht. Doch auf etlichen Pflanzplätzen trifft man noch immer eine reiche Ernte an, so wie auf der Rüti bei Gerhard Sersch in Ennenda.
Manche Hobbygärtner haben ihre Rütenen bereits winterfest gemacht. Doch auf etlichen Pflanzplätzen trifft man noch immer eine reiche Ernte an, so wie auf der Rüti bei Gerhard Sersch in Ennenda.
von Werner Beerli-Kaufmann
Kann man um diese Jahreszeit noch immer Gemüse ernten? Dies wollten die «Glarner Nachrichten» herausfinden. Sie fingen an zu recherchieren – und wurden fündig, und dies sogar in einem überraschenden Ausmass.
Denn normalerweise findet man in dieser herbstlichen Jahreszeit meist nur noch winterharte Pflanzen in den Gärten. Doch war der diesjährige Oktober sehr mild: Noch gab es keine frostigen Nächte.
Dieser Herbst fühlt sich an wie ein verlängerter Sommer
2022 sei ein ausserordentliches Gartenjahr, meint Gerhard Sersch, wohl stellvertretend für viele Hobbygärtner. Es werde aber spätestens beim ersten Frost ein Ende finden. Betreffend Wettervoraussage für die nächsten 14 Tage informiere er sich jeweils bei Meteoblue.
Noch aber sind keine kalten Nächte in Sicht, sodass der Hobbygärtner die Gunst der Stunde nutzt. «So kann ich entsprechend planen, welches Gemüse ich wie lange noch im Freien belassen kann und welches es zu schützen gilt», sagt der Ennendaner.
Gartenjahr mit Riesenertrag
«Eine so grosse Ernte habe ich in meinem Garten noch nie erlebt», sagt Sersch. Ebenso erstaunt zeigt sich der Berichterstatter der «Glarner Nachrichten» über die Vielfalt der Gemüse und Salate, welche sich Ende Oktober noch immer im Garten befinden. Manche davon wirken beinahe unwirklich, als wäre erst Spätsommer.
Die Aufzählung der noch vorhandenen Gemüse und Salate findet denn auch fast kein Ende: Rettiche, Lauch, Pastinaken, Rosenkohl, Stangenbohnen (welche geradezu in den Himmel wachsen), Randen, Auberginen, Tomaten, Sellerie, verschiedene Kohlarten wie Blaukabis, Wirsing oder Federkohl, Schwarzwurzeln, Süsskartoffeln (zweieinhalb Kilogramm pro Pflanze), Chili, Peperoni sowie Mangold und Spinat und nicht zuletzt die verschiedenen Salate, wie Zicchorien, Nüsslisalat, Zuckerhut.
Sich dem verändertem Klima anpassen
«Ich bin auf Ertrag ausgerichtet», erklärt Hobbygärtner Sersch. «Was ich im Herbst ernten will, muss ich schon im Frühling planen. Mein Motto ist die Vielfalt; wenn etwas nicht kommt, gedeiht etwas anderes.»
Den Pflanzplätz bei der Seilbahn in Ennenda hat Sersch vor ein paar Jahren von einem älteren Ehepaar übernommen und darin seither viel Zeit investiert. «Mein Garten ist ein riesiges Experimentierfeld. Hier kann ich meine Leidenschaft ausleben.»
Sein Gemüse sei nicht perfekt, sagt Sersch, dafür aber schmecke es wunderbar. Entscheidend sei die Bearbeitung des Bodens mit langjährigem Kompost und die Planung mit Fruchtfolge. Zudem passe er sich bei der Auswahl der Pflanzen der Klimaveränderung an.
Selbstversorgung über das ganze Jahr
Vor dem ersten Frost werden die Wintersalate ins unbeheizte Gewächshaus gezügelt. «Ich ziehe die Salate samt Wurzeln aus dem Boden und setze sie in die Erde des Gewächshauses. Bei Minusgraden werden sie noch mit einer Folie überdeckt», so der pensionierte Intensiv-Krankenpfleger.
Ähnlich ergeht es den nicht kälteresistenten Wurzelgemüsen Sellerie, Rotkohl, Kabis. Auch sie werden samt Wurzeln mit der Schaufel ausgegraben und in Blumenkisten im Keller am Fenster in Erde eingepflanzt. Sie werden alle zwei bis drei Wochen auf mögliche Fäulnis hin kontrolliert. «So sind meine Frau und ich über das ganze Jahr mit Gemüse und Salaten versorgt. Was ich zu viel produziere, verschenke ich», erklärt der leidenschaftliche Hobbygärtner lachend.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.