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Flurnamenwissen: Am Walensee

Südostschweiz
06.09.20 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Die Bewohner am Walensee erhielten früher die Namen von den Germaniern.
Die Bewohner am Walensee erhielten früher die Namen von den Germaniern.
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Bei Walensee denken wir sofort an Wasser, Strand und eventuell noch an ein Glacé in Weesen im Lago Mio oder im Gäsi.

Gäsi-Namen gibt es nur um den westlichen Teil des Walensees. Nebst dem bekannten Strand gibt es den Namen noch oberhalb Mühlehorn auf 1700 Meter über Meer, auf der gegenüberliegenden Seite oberhalb Betlis auf zirka 1500 m ü. M., und ein Gäsi ist auch noch zwischen Weesen und Amden zu finden. Frühere Deutungen besagen, dass Gäsi von Gans kommt; «Ort, an dem sich Gänse aufhalten» oder von Casa, «Hütte», Häuschen». Heute geht man davon aus, dass es auch von Geiss kommen könnte. Gesichert sind alle drei Deutungen nicht.

Weesen wird heute als «Rasen(stück)», «Scholle», (feuchte) Erde, «Sumpf», von mittelhochdeutsch «wase», «grasbewachsene Erdfläche» gedeutet. Ältere Deutungen gehen von lateinisch «wesa»; «Speicher», «Sust», «Umschlag(platz)» aus, was für den früheren Schiffsgüter-Umschlagplatz ebenso zutreffen könnte.

Auch das Fli ist bekannt. Der Name Fli/Fly soll keltisch-römischen Ursprungs sein und «Ebene» bedeuten. Auf dem Weg nach Betlis kommt man bei der Sitte vorbei. Nein, damit ist nicht die Polizei gemeint. Sitte heisst schlicht und einfach «Seite», und der Platz beim Lago Mio ist so benannt. Betlis soll vom Kosenamen Beethli, Elisabeth herrühren. Dort hat eine Elisabeth gewohnt oder gearbeitet. Das Gleiche gilt für Betlis beim Spaneggsee. Auch für Betlis gibt es eine weitere Deutung, die für mich persönlich logischer ist, nämlich Birke, abgeleitet von gallisch «betw» oder lateinisch «betullas». Und noch etwas weiter als Betlis stürzt sich der grösste Wasserfall der Schweiz über drei Stufen hinunter, der Seerenbach. Seeren stammt aus dem lateinischen «serra» und bedeutet «schliessen, Engpass, Abschluss».

Zwischen Weesen und Gäsi heisst es Flechsen. Die gleichnamige Strasse führt von Oberurnen nach Weesen. Flechs kommt von Flachs, «Anbaugebiet von Flachs». Wenn man mit dem Velo Richtung Mühlehorn fährt, kommt das Standenhornen. «Stande» steht für «Bottich» oder «eine bottichähnliche Stelle (Hohlform oder Gegenteil)». Danach kommt das Chuchiloch «küchenähnliche Vertiefung», «die windgeschützte Feuerstelle». Und in Mühlehorn gibt es noch den originellen Geländenamen Blinddarm, was auf eine «blinddarmartige Geländeausstülpung» hinweist.

Der Walensee ist übrigens der See der Walchen, der «Welschen, Romanen, Römer, Fremden». Diesen Namen gaben die Neuankömmlinge aus Germanien den Bewohnern am See.

Auszug aus dem Flurnamenbuch der Gemeinde Glarus, das es ab 26. September im Buchhandel oder online gibt: www.flurnamen-glarus.ch.

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