In der Hammerschmiede Mühlehorn wirds wärmer
Die Hammerschmiede Mühlehorn hat ein neues Dach erhalten. Sponsoren, Handwerker und Stiftungsrat haben das gemeinsam gefeiert.
Die Hammerschmiede Mühlehorn hat ein neues Dach erhalten. Sponsoren, Handwerker und Stiftungsrat haben das gemeinsam gefeiert.
von Gabi Heussi
Vorbei sind die Zeiten, in denen Kunstschmied Christian Zimmermann während der Arbeit in der Hammerschmiede Mühlehorn frieren musste. Hielt er das Eisen in die Glut, wärmte ihn zwar das Feuer von vorne, der Rücken blieb aber eiskalt. Hämmerte er am Amboss, wurde der Rücken heiss, Arme und Beine wurden aber kalt. Stand er am Lufthammer, da war dann endgültig aus mit der Wärme.
Auch das Atelier im oberen Stockwerk war während des Winters kaum nutzbar. «Wer will sich in Ruhe unsere Skulpturen anschauen, wenn die Raumtemperatur einem Gefrierschrank gleicht?», sagt die Frau des Schmieds, Roswitha Zimmermann.
In der Zwischenzeit ist auch offensichtlich, dass die sanfte Renovation mit Isolation ein guter Entscheid war. «Das Dach hatte eine Sanierung dringend nötig», erklärte Christian Zimmermann an der Feier zur Sanierung und betonte, dass damit auch ein entscheidender Schritt für die Zukunft gemacht ist: «Denn die Hammerschmiede ist kein Museum und soll auch in Zukunft keins werden.»
Eine lange Geschichte
Die Hammerschmiede Mühlehorn wurde 1777 erbaut und ist heute die einzige Hammerschmiede in der Schweiz, die täglich betrieben wird.
Zimmermanns sind seit 25 Jahren in Mühlehorn. Christian Zimmermann stammt aus einer deutschen Schmiededynastie und setzt das Handwerk, das er einst auch bei seinem Vater erlernte, täglich in kunstvollen Arbeiten um. Kaum ein Tag, an dem nicht ein zartes Räuchlein aus dem Kamin der Schmiede aufsteigt und regelmässige Hammerschläge zu hören sind.
Seit zwei Wochen steigt ein weiteres Räuchlein auf – eines aus den beiden neuen Holzöfen, die im Atelier und in der Schmiede stehen und für etwas mehr Wärme sorgen. «Die neuen Öfen werden mit Holz befeuert. Das Feuer in der Esse wird mit Koks gefüttert», erklärt der Schmied den anwesenden Gästen. Seit dem ersten Tag feuert Zimmermann mit Koks, weil es umweltverträglicher ist als Schmiedekohle, und der Lunge des Schmiedes nicht schadet. «Und die umliegenden Häuser sind froh, wenn kein schwarzer Rauch aus unserem Kamin aufsteigt.»
Kompromiss gefunden
Die Planung für die Sanierung war eine kleine Meisterleistung. Peter Rufibach, Präsident der Stiftung Hammerschmiede, schilderte den Spagat, der erforderlich war, weil das Gebäude unter Denkmalschutz steht. «Die Bedingung war, dass äusserlich nichts verändert wird», so Rufibach in seiner Begrüssungsrede. Bald einmal sei ihm klar geworden, dass er den Kompromiss nicht finden werde. Unendlich froh sei er gewesen, als Stiftungsratsmitglied Franz Frefel, ganz nach dem Motto «Franz der kanns», eine für alle Seiten passende Lösung gefunden habe.
So wurde Ende Sommer das Baugerüst gestellt und jeder Ziegel einzeln heruntergeholt, kontrolliert und gelagert, bis die bald 250-jährige Dachkonstruktion gereinigt, isoliert und wieder hergestellt war.
«Rund die Hälfte der Ziegel konnten wir wieder einsetzen», erklärte einer der Dachdecker. Der Rest des Daches wurde mit zugekauften Ziegeln gedeckt.
Während der gesamten Arbeiten halfen Zimmermanns kräftig mit. So entdeckte man beim Abbau des Daches einen Feierabendziegel. «Wenn die Ziegelbrenner Feierabend machten, ritzten sie ihren Namen und das Jahr des Brennens in den letzten Ziegel», erzählt er freudig und präsentiert besagten Ziegel, den er im Atelier aufbewahren wird. Leider ist der Name unleserlich. Die Jahreszahl besagt aber, dass dieser Ziegel 1866 gebrannt wurde.
Nägel mit Köpfen
Von der gelungenen Sanierung überzeugten sich neben Regierungs- und Gemeindevertretern, Handwerkern, Sponsoren und Tourismusmitgliedern auch Hansruedi Zopfi und Judith Gessler vom Glarner Heimatschutz. «Es ist immer wieder eine grosse Herausforderung, bei Renovierungen das gebaute Kulturerbe mit Respekt zu bewahren und dabei trotzdem zeitgemässe Entwicklung zu ermöglichen», sagte Judith Gessler. Für sie ist die Geschichte der Hammerschmiede Zeuge einer bestimmten Epoche der Glarner Industriekultur und damit auch spannend in Bezug auf die Entwicklung im Dorf Mühlehorn.
Um die Arbeit des Schmieds hautnah zu erleben, durften verschiedene Gäste auch zum Hammer greifen. Regierungsrätin Marianne Lienhard schmiedete an einem der mächtigen, wasserbetriebenen Schwanzhämmer. Mitglieder des Stiftungsrats waren danach gebeten, dem Nagel, der später ins Gebälk getrieben wurde, den richtigen Kopf zu verpassen. «Wir machen Nägel mit Köpfen», sagte Peter Rufibach und meinte damit nicht nur den soeben entstandenen, noch heissen, geschmiedeten Nagel.
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