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Im lüpfigen Dreivierteltakt auf die festlichen Weihnachten zu

Die Glarner Ländlerweihnacht avanciert zum Kulturgut von überregionaler Bedeutung. An die tausend Volksmusikfans pilgern am Samstag zum 42. Mal in die Lintharena in Näfels, um sich aufs Fest von Christi Geburt einzustimmen.

Martin
Meier
11.12.17 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit

Draussen rieselt der Schnee. Was klirrt, ist die Kälte. Das Thermometer zeigt 7 Grad minus. Gefühlte 30 Grad wärmer ist es drinnen in der Halle. Kerzen erwärmen dort die Herzen der Ländlerfreunde, welche aus dem halben Land angereist sind. Das schleckt keine Geiss weg, wenn man sich draussen einmal die Zeit nimmt, die Autonummern unter die Lupe zu nehmen. Auf ein GL an einem Autoheck kommen mindestens vier ZH, AG oder LU danach.

Gross aufmarschiert sind die kleinen Appenzeller. Am Abend kommt einer gross heraus. Frowin Neff, der Hansdampf der Volksmusik. Die Stimmungskanone führt durchs Programm – im «wölzgott» urchigen Dialekt, «weleweg» einem der urtümlichsten des Landes. «Chönd noodlig zonis», hat Frowin Neff im Vorfeld ins Land gerufen. Das bliebt nicht ungehört!

Volles Haus in der Lintharena, die in eine urtümliche Märchen-Alp verzaubert worden ist. Ein Wandbild, 38 Meter lang und sieben Meter hoch, zwingt einen, in die tief verschneite Landschaft, in die Hüttenromantik einzutauchen.

Davor gibts allerdings ganz echte Strohballen – und einen lichterfüllten Christbaum, dessen Nadeln nach Harz riechen. Und echt ist auch die Volksmusik. Wer sie anstimmt, sind die Berner mit ihrem «Örgeliplausch». Die Urner folgen: das Handorgelduo Schuler-Muheim. An dritter Stelle wird dann das heimische Schaffen eingeläutet, mit den Ennendaner Silvesterschellnern.

Apropos «einheimisches Schaffen»: Hübsch präsentieren sich die Glarnerinnen, welche die Volksmusikfans mit Speis und Trank versorgen. Verschmitzt schmunzelt da Köbi Kamm, OK-Mitglied der Ländlerweihnacht. Der Mann, der auch das Eidgenössisches Schwing- und Älplerfest (Esaf) nach Mollis holen möchte, erklärt scherzhaft den Grund: «Alles Anwärterinnen fürs Jahr 2025, für die Jobs als Ehrendamen.»

«Natur pur» aus dem Muotathal

Da juzt selbst Benno Betschart: Der Muotathaler hat sich als Sänger von «Heimweh» nicht nur «Rosmarie» verschrieben, sondern auch dem Natur-Jodel. «Natur pur», die vierstimmige Urkraft, lässt dem Publikum sprichwörtlich die Haare zu Berge stehen.

Das Tanzbein ins Schwingen bringen danach, bis weit in die Nacht hinein, das «Echo vom Kontrabass-Shop», dasjenige vom «Druesbärg», die «Kapelle Holdrioo» und die «Stockbergbuebe». Und noch etwas: Nicht wenige mussten die Ländlerweihnacht nicht mit leeren Händen verlassen, sondern mit einer Tombola-Gabe. Bezahlt wurde mit «Backnaslis» (Fünflibern) oder gar «Töbelis» (Zwanzigernoten). Und um mit dem «Appenzöller»-Dialekt zu schliessen: Manch eine oder einer beklagte sich im Nachhinein, nach dem Abtanzen im Dreivierteltakt, über «Wedegehnte», zu deutsch Muskelkater.

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