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Ein Autoschlüssel unter dem Christbaum

Heute kommen in Glarus neun Autos unter den Hammer. Versteigert werden Fahrzeuge aus Betreibungen oder Konkursen. Darunter befinden sich auch ein Maserati oder ein Fiat 124 Spider. Neben den Autos werden auch Gegenstände ohne Räder verhökert.

Paul
Hösli
08.12.17 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Boliden warten auf einen Käufer: Thomas Schiesser versteigert heute unter anderem diesen Fiat 124 Spider oder einen Maserati Quattroporte (unten links). Einige Autos brauchen ein wenig Unterstützung, um danach in Reih und Glied aufgestellt und für die pot
Boliden warten auf einen Käufer: Thomas Schiesser versteigert heute unter anderem diesen Fiat 124 Spider oder einen Maserati Quattroporte (unten links). Einige Autos brauchen ein wenig Unterstützung, um danach in Reih und Glied aufgestellt und für die pot

Zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Verkauft! Noch keine Idee für ein Weihnachtsgeschenk? Zugegeben, ein Auto zu Weihnachten ist vielleicht nicht das übliche Geschenk. Wer sich dies aber vorstellen kann, wird vielleicht heute Abend im Feuerwehrlokal im Buchholz in Glarus fündig. Um 17.30 Uhr findet dort eine «Fahrhabeversteigerung» statt. Neun Autos kommen unter den Hammer, darunter ein Maserati Quattroporte oder ein Fiat 124 Spider aus dem Jahr 1972.

Sämtliche Fahrzeuge stammen aus Betreibungen oder Konkursen von Privaten oder Firmen. «Die Autos werden genau so versteigert, wie wir sie abgeholt haben. Gegen Barzahlung und ohne Nachwährschaft und Garantie», erklärt Thomas Schiesser vom Betreibungsamt in Glarus. Der volle Aschenbecher in einem der Fahrzeuge unterstreicht diese Aussage eindrücklich. Man kaufe letztlich die Katze im Sack.

Von 17 bis 17.30 Uhr können die neun Autos laut Schiesser zwar begutachtet werden, «man darf den Motor zum Beispiel anschauen. Den Wagen anstellen oder sogar eine Proberunde machen, liegt aber nicht drin.» Dies wäre bei einigen Fahrzeugen auch schwierig, wie ein Augenschein vor Ort zeigt. Einige Autos springen erst durch Starthilfe an. Wieder andere schon gar nicht, und Thomas Schiesser, sein Kollege vom Betreibungsamt Peter Zimmermann und Fredy Braun, Betriebsleiter des Feuerwehrlokals, müssen die Ärmel hochkrempeln und die Autos in Position schieben.

Der Hammer fehlt

Die Auktion heute findet in gewohntem Rahmen statt. Das Podest, von dem Thomas Schiesser die Auktion leiten wird, erstellen die Männer kurzerhand aus Europaletten. «Nur der Hammer fehlt», sagt Schiesser mit einem Augenzwinkern. Es sei durchaus möglich, ein absolutes Schnäppchen zu machen, so der 28-Jährige. Er hofft aber auf angemessene Preise, denn der erzielte Gewinn fliesst nach dem Abzug der Kosten in die Taschen der Gläubiger der betriebenen Personen.

«Wenn wir ein Auto pfänden müssten, das gerade noch 400 Franken Wert hat, würde es sich nicht lohnen.»

Thomas Schiesser, Betreibungsamt Glarus

Die Erfahrungen zeigen, dass rund 100 Personen jeweils an den Auktionen teilnehmen, «je nachdem, was versteigert wird.» Die wohl begehrtesten Stücke der heutigen Auktion werden der Maserati, der Fiat Spider oder auch der getunte grüne VW Bora mit den goldenen Felgen sein. Auch wegen der an dieser Auktion unüblich hohen Anzahl an Autos hat Schiesser im Vorfeld Garagisten und Autohändler angeschrieben, um auf die Auktion aufmerksam zu machen. Mitbieten darf aber jeder. Das Startgebot bei den Autos liegt bei 100 Franken, der Meistbietende bekommt den Zuschlag. «Oft kommen aber Leute einfach nur vorbei, um das Geschehen zu verfolgen. So eine Auktion ist spannend, und es macht auch Spass. Es ist mal etwas anderes als der Büroalltag», freut er sich.

Es sei aber auch eine Herausforderung, wenn «dann alle Augen auf den Schiesser gerichtet» seien, fügt er mit einem Schmunzeln an. Vor allem jetzt, im Vorfeld der Weihnachten, sei eine solche Auktion eine gute Sache, «vielleicht hat ja jemand einen Autoschlüssel unter dem Weihnachtsbaum».

Ein Wohnmobil und ein Schiff

Thomas Schiesser hat auch schon ungewöhnliche Sachen versteigert: «Da waren auch schon ein Schiff oder ein grosses Wohnmobil mit einem Sportwagen unten drin dabei.» Welche Preise die Autos in der heutigen Auktion erzielen, sei sehr schwer einzuschätzen, so Schiesser.

Es kommen auch nur Autos unter den Hammer, bei denen das Sinn macht. «Wenn wir ein Auto pfänden müssten, das gerade noch 400 Franken Wert hat, würde es sich nicht lohnen. Der Aufwand wäre zu gross und würde die Kosten nicht decken», erläutert Schiesser. Neben den neun Autos werden auch weitere Gegenstände wie TV-Geräte oder Kaffeemaschinen an den Meistbietenden gebracht: zum Ersten, zum Zweiten, zum Dritten. Verkauft!

 

Paul Hösli ist Leiter Sport bei den «Glarner Nachrichten» in Ennenda. Er ist seit 1997 bei der «Südostschweiz», im Jahr 2013 wechselte er intern von der Druckvorstufe in die Redaktion. Zuerst in einem 40-Prozent-Pensum und seit 2016 zu 100 Prozent.

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