Im Glarnerland blühen die Eisblumen
Winter im Sommer: Da zücken selbst bestandene Hüttenwarte ihre Kameras. In den Glarner Alpen fällt über 80 Zentimeter Neuschnee.
Winter im Sommer: Da zücken selbst bestandene Hüttenwarte ihre Kameras. In den Glarner Alpen fällt über 80 Zentimeter Neuschnee.
Schnee von gestern: 27 Grad heiss ist es in Moskau, 21 Grad zeigt das Thermometer im isländischen Reykjavik. Mit 19 Grad noch angenehm warm ist es im grönländischen Nuuk. Schneefrei zeigt sich zudem die nördlichste Ortschaft der Welt, Longyearbyen auf Spitzbergen.
Arktisch kalt präsentiert sich hingegen das höher gelegene Glarnerland. Die Muttseehütte (2499 m ü. M.) ist eingeschneit. Berggänger würden allerdings trotzdem kommen, meint Hüttenwartin Anita Gubler, die auf wärmere Temperaturen hofft. «Damit ich auch einmal die kurzen Hosen anziehen kann.» Das sei in diesem Sommer noch nie der Fall gewesen.
«Brutale Schneeverwehungen»
In etwa gleich viel Schnee wie auf der Muttenalp liegt um die Kistenpasshütte (2714 m ü. M.). «Brutal sind die Verwehungen», sagt Hüttenwart Maurice Caviezel. «Gut 2,5 Meter hoch.» Schneeschaufeln ist angesagt. Trotzdem seien die 14 Schlafplätze gut gebucht, verrät Caviezel.
«Über 80 Zentimeter Neuschnee»
Schon fast wie in Polo Hofers Lied «Ramona» präsentiert sich der Sommer auf der Planurahütte: «Der Winter laat Blueme blüje uf dim Fensterglas.» Währenddem sich andere in der strahlenden Sonne am Meer bräunen, strahlt dort die Glarnerin Ursi Zweifel hinter langen und dicken Eiszapfen hervor. Dort, auf 2947 Metern über Meer, gab es 50 Zentimeter Neuschnee. «Das kann hier oben halt auch im Sommer vorkommen», meint Hüttenwartin Silvia Blatter. «Der Schnee wird schon wieder vor dem Winter weggehen.» Laut dem Lawinenbulletin des WSL-Instituts für Schnee- und Lawinenforschung fielen am Alpennordhang vom östlichen Berner Oberland bis in die St. Galler Alpen 40 bis 80 Zentimeter Schnee, «vor allem im Bereich des Klausenpasses lokal auch mehr». Oberhalb von rund 2800 Metern sei der Schnee trocken gefallen und vom Wind verfrachtet worden. «Dort sind verbreitet Triebschneeansammlungen entstanden.»
«Im Tal wird es wieder warm»
Knapp nicht eingeschneit hat es die «Südostschweiz»-Senntenfamilie Zimmermann auf dem Heustafel im Vorderdurnachtal. «Geschneit hat es nur ganz oben auf der Rindli-Weid», erzählt Älplerin Rebekka. «Die Tiere standen aber immer im grünen Bereich. Und ja: Den Kühen haben wir Heu zugefüttert. Aber wie sagten es so schön meine Männer: ‘Mii fürds Gmüät as fürä Buuch.’»
Bald wird es allerdings wieder wärmer: «Die Nullgradgrenze steigt auf 4000 Meter, teils noch höher», sagt SRF-Meteorologe Felix Blumer. «Auf jeden Fall wird es massiv wärmer. Auch zu Beginn der nächsten Woche bleibt es heiss – wie heiss, ist noch unsicher, im Tal aber gut 30 Grad.»
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.