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Fortpflanzungsmedizin: Weniger Mehrlinge und höhere Erfolgsquote

2018 sind nur noch halb so viele Mehrlinge nach medizinisch unterstützter Fortpflanzung geboren worden als im Jahr davor. Grund ist eine Änderung der ärztlichen Praxis. Wichtiger als das: Die Trefferquote bei künstlichen Befruchtungen ist weiter angestiegen.

Agentur
sda
Mittwoch, 25. März 2020, 10:24 Uhr Neuenburg
Ein Ei wird künstlich befruchtet. In den letzten zehn Jahren ist das Verfahren deutlich effizienter geworden. Die Zahl der Frauen, die nach der Implantation eines ausserkörperlich gezeugten Embryos schwanger wurden, stieg von einem guten Drittel auf…
Ein Ei wird künstlich befruchtet. In den letzten zehn Jahren ist das Verfahren deutlich effizienter geworden. Die Zahl der Frauen, die nach der Implantation eines ausserkörperlich gezeugten Embryos schwanger wurden, stieg von einem guten Drittel auf…
Keystone/GAETAN BALLY

6012 Frauen liessen sich 2018 medizinisch bei der Fortpflanzung unterstützen. Das liegt leicht unter dem Schnitt der letzten zehn Jahre. Seit 2008 stieg die Erfolgsquote um zehn Prozentpunkte. Vor zehn Jahren wurden 36,5 Prozent der behandelten Frauen schwanger,, 2018 waren es 46,2 Prozent.

Der Anteil der Mehrlinge unter den nach medizinisch induzierter Schwangerschaft geborenen Kinder sank von 27,7 auf 14,6 Prozent. Der Grund ist gemäss einer Mitteilung des Bundesamts für Statistik (BFS) eine Änderung der ärztlichen Praxis beim Embryotransfer: So werden pro Behandlungszyklus immer seltener mehrere Embryos in die Gebärmutter transferiert. «Wurden im Jahr 2017 pro Zyklus noch in 54 Prozent der Fälle zwei oder drei Embryos transferiert, sank diese Zahl im Jahr 2018 auf 29 Prozent», heisst es.

In der vorliegenden BFS-Statistik zeigt sich ein Rückgang der Inanspruchnahme von Samenspendern. 2018 wurden 62 Kinder geboren, die in vitro mit dem Samen von heterologen Spendern gezeugt wurden. Das waren vier weniger als im Jahr davor und zwölf weniger als 2016. Am häufigsten in Anspruch genommen wurde die Hilfe von Samenspendern 2010 bis 2015 mit einem Peak 2012, als 157 Babys von fremden Samenspendern geboren wurden.

Kein Boom von Präimplantationsdiagnostik

Eine weitere Änderung der Statistik resultiert aus der 2017 wirksam gewordenen Revision des Fortpflanzungsmedizingesetzes. Die Revision hob insbesondere das Verbot der Präimplantationsdiagnostik (PID) auf und führte deren beschränkte Zulässigkeit ein. 2018 nahmen 215 Paare die Gelegenheit wahr, eine PID durchführen zu lassen, im Jahr davor waren es 54.

Die PID ist ein Diagnoseverfahren, bei dem im Rahmen eines Fortpflanzungsverfahrens vor der Implantation eines (extrakorporal erzeugten) Embryos in die Gebärmutter eine oder mehrere seiner Zellen abgelöst und genetisch untersucht werden. Die PID kann beispielsweise angewandt werden, um die Übertragung schwerer Erbkrankheiten auf die Nachkommen zu verhindern.

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