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Autonome attackieren Läderach

Buttersäure-Anschläge auf Filialen, Boykottaufrufe der Juso: Der Schokoladenhersteller Läderach wird zur Zielscheibe, weil der Inhaber im christlich konservativen Verein «Marsch fürs Läbe» gegen Abtreibungen kämpft.

Ueli
Weber
Sonntag, 13. Oktober 2019, 04:30 Uhr Feindbild
Feuerwehrmänner reinigen den Boden nach dem Buttersäure-Anschlag auf die Filiale am Basler Claraplatz.
TELEBASEL

Zwei Tage später roch es noch immer nach Erbrochenem im Basler Shoppingcenter Clara. Ein oder mehrere Unbekannte hatten Anfang Oktober Buttersäure in der Filiale des Ennendaner Confiseurs Läderach ausgeleert. Die angerückte Feuerwehr konnte nicht mehr viel ausrichten. Der Gestank hatte sich schon festgesetzt, der Laden musste für zwei Tage schliessen.

Das Einatmen der Dämpfe von Buttersäure kann die Atemwege reizen, dass es zu Übelkeit und Erbrechen kommt. Über Verletzte gab es aber keine Berichte.

Einige Stunden nach dem Anschlag veröffentlichten Linksextreme ein anonymes Bekennerschreiben im Internet. Sie begründeten den Buttersäure-Anschlag mit dem Engagement der Läderach-Besitzerfamilie gegen Abtreibungen. Es war bereits der zweite Anschlag auf eine Läderach-Filiale in der Schweiz innerhalb von einem Monat.

«Marsch fürs Läbe»

Der Inhaber und Verwaltungsratspräsident Jürg Läderach ist Kassier beim christlich-konservativen Verein «Marsch fürs Läbe». Dieser organisierte die umstrittene Anti-Abtreibungs-Demo im Herbst. Auch ein Kadermann von Läderach engagiert sich im Vorstand des Vereins.

Im Vorfeld der Demonstration in diesem Herbst beleuchteten mehrere nationale Medien Jürg Läderach und seine gesellschaftspolitischen Ansichten in kritischen Artikeln. Dabei ging es auch um Läderachs langjährigen Kampf gegen den «moralischen Niedergang». Dazu trügen nach seiner Ansicht gleichgeschlechtliche Partnerschaften, Pornografie, aber auch Harry Potter bei.

Kein Kommentar

Die öffentliche Aufmerksamkeit rund um den «Marsch fürs Läbe» dürfte ein Auslöser für die Attacken auf den Schokoladen-Hersteller sein. Schon wenige Stunden nach dem «Marsch fürs Läbe» war ein Laden in Zürich zum Ziel einer Attacke geworden. Die Täter von Basel bezogen sich in ihrem Bekennerschreiben ausdrücklich auf diesen ersten Anschlag.

Dass Läderach von sich behauptet, seine Schokolade nur aus fairem Handel zu beziehen, kümmert die Urheber des Anschlags nicht. Fair Trade sei der moderne Versuch, die kolonialistische Ausbeutung des Südens in abgeschwächter Form fortzuführen und damit gesellschaftlich erneut zu legitimieren. «Wenn wir das Unternehmen Läderach angreifen, dann nicht nur weil durch ihre Gewinne rechtsnationalistische und christlich-fundamentalistische Ideologien querfinanziert werden, sondern auch weil wir den globalen Kapitalismus und sein postkoloniales, rassistisches Erbe bekämpfen», heisst es im Bekennerschreiben.

Das Unternehmen lehnte es bisher gegenüber diversen Medien ab, die Attacken zu kommentieren. Eine Anfrage der «Glarner Nachrichten» blieb gestern unbeantwortet.

Mit einer Strafe müssten die Urheber der Buttersäure-Attacke eher nicht rechnen, berichtet die «Basler Zeitung» diese Woche. Solange der Sachschaden nicht 10 000 Franken überschreite, handle es sich nicht um ein Offizialdelikt, weshalb die Staatsanwaltschaft ohne Strafanzeige nicht von sich aus ermittelt. Das Unternehmen Läderach liess bisher offen, ob es Strafanzeige erstatten will.

Juso ruft zu Boykott auf

In jüngster Zeit gab es auch friedlichen Protest gegen Läderach. Die Jungsozialisten der Juso Zürich haben nach dem «Marsch fürs Läbe» zum Boykott des Schokoladenherstellers aufgerufen. Und vor der Läderach-Filiale in Chur demonstrierte Ende September ein Juso-Grüpplein gegen Läderach. Sie werfen den Besitzern des Schoggi-Unternehmens vor, sie würden den Kampf gegen Frauen- und Homosexuellen-Rechte unterstützen.

Ob sich die Boykott-Aufrufe auf die Verkäufe auswirken, kommunizierte Läderach nicht. In der «Basler Zeitung» wird ein Mitarbeiter eines Nachbargeschäftes zitiert, wonach die Filialleiterin den Tränen nahe gewesen sei, weil viele Kunden ihre gekaufte Schokolade zurückbrachten.

Das Confiserie-Unternehmen Läderach ist einer der grössten Arbeitgeber im Kanton Glarus. Der Hauptsitz liegt in Ennenda, zudem betreibt Läderach eine Schokoladenfabrik in Bilten. Weltweit arbeiten über 700 Mitarbeiter bei Läderach.

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