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Botrytis-Pilz bringt Winzer und Wimmler ins Schwitzen

Das Wimmeln hat wieder begonnen in den Bündner Rebbergen. Im Vergleich zum letzten Jahr ist die Erntearbeit dieses Jahr aber deutlich aufwendiger. Grund dafür: Der Botrytis-Pilz hat die Trauben befallen.

Andri
Nay
Mittwoch, 02. Oktober 2019, 04:30 Uhr Weinernte 2019

Alle helfen mit, wenn es ums Wimmeln geht. Beim «Weingut zur alten Post» von Winzer Georg Schlegel in Jenins werden an diesem Tag von der 15-köpfigen Wimmel-Mannschaft zwei Tonnen Trauben geerntet. In diesem Jahr ist die Arbeit im Rebberg aber besonders anstrengend. Grund dafür: Der Botrytis-Pilz wuchert.

Im Vergleich zum letzten Jahr nimmt das Wimmeln in diesem Jahr «mindestens doppelt so viel Zeit in Anspruch», so Schlegel. Aufgrund des Pilzbefalls müssen die Blauburgunder-Trauben gut verlesen werden: Ein Drittel der Ernte verliert Schlegel. Zum Glück sei das letzte Jahr nahezu ideal gewesen: «Die gute Ernte 2018 muss die schwächere Ernte 2019 überbrücken», fasst Schlegel zusammen.

Umgekehrte (Winzer-)Welt

Im letzten Jahr ging das Wimmeln noch leichter von der Hand. Der Pilzbefall war praktisch nicht vorhanden und somit mussten nahezu keine Trauben aussortiert werden, wie der Bündner Rebbaukommissär Hans Jüstrich erklärt. Dieses Jahr hingegen sei der «Druck von Pilzkrankheiten grösser als normal», so Jüstrich. Der bereits genannte Botrytis-Pilz macht den Winzern zu schaffen. Die vielen, dicht aneinandergewachsenen Trauben und der feuchte August förderten das Pilzwachstum.

Im letzten Jahr waren die Vorzeichen noch genau umgekehrt. Die Winzer hatten im letztjährigen Sommer mit einer besonders stark ausgeprägten Trockenheit zu kämpfen. Nach dem Hitzesommer folgte dann eine historisch frühe Ernte. In diesem Jahr seien die Winzer wieder «mehr oder weniger normal unterwegs», sagt Jüstrich. Die ordentliche Ernte begann am 17. September mit dem Wimmeln der Traubensorten Riesling-Sylvaner und dauert noch bis Ende Oktober. Erst kürzlich begann die Ernte der Sorte Blauburgunder, wie Jüstrich ausführt. In der nächsten Woche sollen dann die Hauptmengen gewimmelt werden.

Die Hoffnung auf Föhn und Sonne

Bis dahin hofft Winzer Schlegel noch auf einige schöne Tage – und im besten Fall auf Föhn, der die Trauben trocknen und das Pilzwachstum stoppen soll. Ein zusätzlicher Nutzen von schönem Wetter kennt Rebbaukommissär Jüstrich: Pro Sonnentag kann der Anteil Zucker in den Trauben um ein Grad Oechsle gesteigert werden. Denn für einen Spitzenjahrgang müssten die Bündner Trauben den Zuckergehalt noch ein wenig hochschrauben, so Jüstrich. «Die letzten Tage vor dem Wimmeln können noch entscheidend sein.»

Weil erst die Mehrheit der Weisswein-Trauben geerntet wurde und die Blauburgunder-Ernte noch lange nicht abgeschlossen ist, will der Rebbaukommissär noch keine Prognose über die Jahrgangsqualität geben. «Es ist noch viel zu früh, ein Urteil abzugeben. Jetzt müssen wir zuerst einmal schauen, was in die Weinkeller kommt.»

Auch Winzer Schlegel will sich noch nicht abschliessend festlegen: «Von der Quantität her müssen wir klar Abstriche verzeichnen, aber von der Qualität her könnte es noch ein ganz guter Jahrgang werden. Es gibt immer wieder Überraschungen.»

«Der Chardonnay ist ganz schön»

Schlegel bewirtschaftet in Jenins insgesamt sieben Hektaren im Rebberg. An diesem Tag werden bei ihm gerade einmal 35 Aren gewimmelt. 80 Prozent seiner Reben tragen die Sorte Blauburgunder, daneben besitzt Schlegel aber auch noch Chardonnay-Trauben. Und da zeigt sich Schlegel zufriedener: «Der Chardonnay ist ganz schön dieses Jahr. Es ist nur schade, dass er nur einen kleinen Teil meiner Ernte ausmacht.» In den nächsten Tagen geht es weiter mit dem Wimmeln bei Winzer Schlegel – und das Verlesen wird für Schweissperlen sorgen.

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