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Käfer und Trockenheit machen den Wäldern schwer zu schaffen

Wasserknappheit, Stürme, Nassschnee – und nun der Borkenkäfer: Die hiesigen Wälder leiden unter diversen schädlichen Einflüssen. Die Revierförster schlagen Alarm – und fordern teils mehr Geld.

Daniel
Graf
Samstag, 17. August 2019, 04:30 Uhr Förster schlagen Alarm
Der Käfer bohrt sich in die Rinde und schädigt so die Bäume, welche danach gefällt und entrindet werden müssen. Zurzeit fällt bei den Waldbesitzern und in den Sägewerken extrem viel Käferholz an. In Amden wird die Schutzwaldpflege aufrechterhalten, der He

Den Wäldern der Region bleibt derzeit kaum etwas erspart: Die lang anhaltende Trockenperiode letztes Jahr hat viele heimische Baumarten stark geschwächt. «Der Wald konnte sich von der Trockenheit im letzten Jahr noch nicht erholen», sagen die Revierförster unisono. Stark betroffen von den Spätfolgen seien etwa Fichten, Buchen und Tannen. Das sagt Albert Bianchi, Revierförster in Benken, Schänis Süd und Uznach.

Dieses Jahr gab es laut Reto Bless, Förster im Revier Kaltbrunn-Schänis Nord, zum Glück ab und zu Niederschläge. «Diese fielen jedoch meist nur kurz und in geringen Mengen.» Der Waldboden benötige eindeutig mehr Niederschläge, denn: «Zuerst nimmt die Oberfläche des Kronendachs, also die Blätter, Nadeln, Zweige und Äste, Wasser auf. Ein Grossteil davon verdunstet aber wieder, ohne den Waldboden überhaupt erreicht zu haben.»

Drittel der Jahresmenge im August

Dem stimmt Bianchi zu: «In den tieferen Schichten des Waldbodens fehlt es nach wie vor an Wasser.» Auch Manuel Gmür aus Amden sagt, obwohl es dieses Jahr mehr Niederschlag gegeben habe als im Extremjahr 2018, sei immer noch ein Defizit vorhanden: «Die Messstation Bärenfall in Amden zeigt momentan 571 Milliliter Niederschlag an. Das ist knapp ein Drittel des durchschnittlichen Jahresniederschlags – und es ist Mitte August.» Dasselbe Bild in Goldingen und St. Gallenkappel: «Auch mir sagen verschiedene Quellenbesitzer, dass die Quellen sich noch nicht vollständig erholt haben und daher teils immer noch weniger Wasser bringen als normal», sagt Erich Rüegg.

Immerhin: Seitdem das Sturmtief «Vaia» Ende Oktober 2018 in den hiesigen Wäldern beträchtliche Schäden angerichtet hatte, sei die Region von grösseren Stürmen weitgehend verschont geblieben. Ende Januar schlug dafür ein anderes Winterphänomen zu: «Viel Schnee und warme Temperaturen führten dazu, dass extrem viel Nassschnee auf den Bäumen lag. Das hatte zahlreiche Kronen- und Stammbrüche zur Folge, teilweise stürzten auch ganze Bäume um», berichten Bless und Rüegg.

Auch Weisstannen sterben ab

All diese Faktoren spielten einem Erzfeind der Wälder in die Hände: dem Borkenkäfer. Der Befall sei in allen Waldregionen angestiegen, teilweise um das Mehrfache der Vorjahre. So meldet etwa Gmür aus Amden: «Im letzten Jahr waren etwa 300 Tariffestmeter (tfm)* befallen, dieses Jahr sind wir schon bei 2500. Und ein Ende ist nicht in Sicht.» In den anderen Regionen sieht es ähnlich aus. In den Wäldern, die Bless pflegt, liege die Befallsmenge ungefähr bei 1500 tfm, davon hätten bisher lediglich rund 250 aufgerüstet werden können. Neben dem Borkenkäfer habe sich aufgrund der Schneebrüche im Januar auch der Kupferstecher stark verbreitet, der vorwiegend dünne Fichten befalle. «Wir entdecken fast täglich neue Befallsherde», ärgert sich Bless. Ein neues Phänomen beobachtet derweil Rüegg in Goldingen und St. Gallenkappel: «Über den Winter sind fortlaufend Weisstannen abgestorben. Das haben wir so noch nie erlebt.»

Die Förster sind sich einig: Die Herausforderungen für uns alle im Wald werden anspruchsvoller und teurer.

Der starke Anstieg des Käferbefalls stellt die Förster vor grosse Herausforderungen. In keinem der Reviere konnte bisher auch nur annähernd so viel Holz aufgerüstet – also aus dem Wald geholt – werden, wie vom Käfer befallen ist. «Weil die Bäume oft schwer zugänglich sind und aufgrund der hohen Arbeitsauslastung bleibt derzeit viel Schadholz stehen», sagt etwa Rüegg über die Wälder in Goldingen und St. Gallenkappel.

Nicht nur Fichten sind bedroht

Neben den Fichten, die hauptsächlich vom Borkenkäfer befallen werden, leiden unter den klimatischen Veränderungen auch andere Baumarten. «Vom Biberlichopf bis Betlis sind beispielsweise zahlreiche Buchen ausgetrocknet und abgestorben», sagt Gmür. Auch die Esche sterbe so langsam aus. Und Bless ergänzt, der bisher unscheinbare Käfer mit dem klingenden Namen «Krummzähniger Tannenborkenkäfer» mache je länger, je mehr den bisher witterungs- und käferresistenten Weisstanne zu schaffen. Auch Buchen litten unter der Trockenheit und Eschen unter einem Pilzbefall. Und als ob all das noch nicht genug wäre, nehme auch der Wilddruck zurzeit wieder zu: «Wir registrieren im ganzen Gebiet mehr Verbiss- und Schälschäden», sagt Gmür aus Amden.

«Bis zu dreimal so viel Geld nötig»

Für die Förster, die den Wandel des Waldes Tag für Tag hautnah erleben, ist klar: Die Herausforderungen für uns alle im Wald werden künftig anspruchsvoller – und die Waldpflege dementsprechend teurer. Um etwa die Schutzwaldpflege in Amden und Weesen nachhaltig zu gewährleisten, sind laut Gmür deutlich zu wenig Fördergelder vorhanden: «Der letztes Jahr erstellte Betriebsplan zeigt, dass rund zwei bis drei Mal so viel Geld nötig wäre.» Dem kann Erwin Hüppi, Revierförster in Gommiswald und Rieden nur zustimmen: «Für die gesamte Jungwaldpflege und die nicht kostendeckende Durchforstung im normalen Wald müssen von Bund und Kanton dringend Beiträge bezahlt werden», findet er. Denn neben den hohen Kosten stellten auch die Ertragsausfälle für Waldbesitzer ein Problem dar (siehe Artikel unten).

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