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Warum Negativzinsen für Kleinsparer wenig wahrscheinlich sind

Die Zinsen auf Privat- und Sparkonti in der Schweiz tendieren immer stärker gegen Null. Das hat zuletzt die am Dienstag bekanntgewordene Senkung der Sparzinsen durch die Grossbank UBS auf Null gezeigt.

Agentur
sda
22.05.19 - 14:53 Uhr
Wirtschaft
Negativzinsen für Kleinsparer sind wenig wahrscheinlich: Ein Mann mit einer 200-Franken-Note (Archivbild).
Negativzinsen für Kleinsparer sind wenig wahrscheinlich: Ein Mann mit einer 200-Franken-Note (Archivbild).
KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Dass Kleinsparer nun bald auf ihren Privat- und Sparkonti Negativzinsen bezahlen müssen, gilt für fast alle Beobachtern aber derzeit als weiterhin unwahrscheinlich. Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Warum könnten Banken über Negativzinsen auf Sparkonti nachdenken?

Die seit 2015 geltenden Negativzinsen der Schweizerischen Nationalbank (SNB) führen für die Banken zu immer tieferen Zinseinnahmen für die von ihnen vergebenen Hypothekarkredite und die weiteren Ausleihungen. Im Gegenzug können sie die Zinssätze, die sie auf Sparguthaben bezahlen, seit einiger Zeit nicht mehr im gleichen Ausmass senken, da diese nun praktisch bei Null angelangt sind. Die Folgen sind immer tiefere Margen im Zinsengeschäft.

Wie sind Banken dieser Entwicklung begegnet?

Die Kreditinstitute haben die schrumpfenden Margen in den letzten Jahren nicht zuletzt durch starke Mengenausweitungen vor allem bei den Hypothekarkrediten kompensieren können, wie etwa die Beratungsgesellschaft EY in ihrem Anfang Jahr publizierten «Bankenbarometer» schreibt. Mit ersten Sättigungstendenzen am Hypothekarmarkt dürfte dies künftig aber schwieriger werden, so EY. Die Folge sei, dass immer mehr Banken die Negativzinsen zumindest an vermögende Kunden weitergeben wollen.

Warum sind Negativzinsen für Kleinsparer trotzdem unwahrscheinlich?

Die Entgegennahme von Spargeldern ist Teil des Geschäftsmodells der «Retailbanken». Dass Kundenvermögen unter 100'000 Franken mit Negativzinsen belastet würden, sei derzeit «kaum vorstellbar», meint etwa EY. Die Finanzinstitute dürften befürchten, dass mit der Verhängung von Negativzinsen Kundengelder in hohem Stil abgezogen werden.

Für Banken wäre es eine Art «Super-GAU», wenn Gelder in Milliardenhöhe abgezogen würde, sagte etwa der frühere CEO der Valiant Bank, Markus Gygax, unlängst in einem Interview mit der AWP: «Schon nur die Möglichkeit, dass das geschehen könnte, ist ein Alptraum.» Denn immer wenn Banken wirklich in Schwierigkeiten gerieten, sei «die Liquidität der Hauptgrund».

Wer bezahlt bereits heute Negativzinsen?

Unternehmenskunden und institutionelle Anleger wie Pensionskassen aber auch sehr vermögende Privatkunden bezahlen auf ihren Bankguthaben bereits heute bei vielen Banken Negativzinsen - zumindest ab einer gewissen Schwelle. So teilte etwa die Graubündner Kantonalbank im März mit, Kontoguthaben ab einem Betrag von 3 Millionen Franken mit -0,75 Prozent pro Jahr zu belasten. Die Privatbank Julius Bär räumt ihren Kunden einen Freibetrag von 500'000 Franken ein.

Viele Institute geben allerdings keine fixen Beträge bekannt: Die Weitergabe von Negativzinsen würden von der «bestehenden Kundenbeziehung und der Grössenordnung des jeweiligen Geschäfts» abhängen, heisst es etwa bei der ZKB. Einen Negativzins auch für Kleinsparer von -0,125 Prozent gibt es derzeit bei der Alternativen Bank Schweiz.

Wann könnten doch noch auf breiter Front Negativzinsen eingeführt würden?

Wenn die Nationalbank die Zinsen von heute -0,75 Prozent auf ihren Sichtguthaben noch einmal tiefer in den Negativbereich drücken würde, würden die Bankinstitute laut Branchenvertretern die Situation wohl noch einmal überdenken. Allerdings gilt ein solches Zinsszenario für die meisten Beobachter als unwahrscheinlich. Denn die meisten Bankökonomen erwarten laut der AWP-Zinsprognose derzeit, dass die SNB die Zinsen im kommenden Jahr etwas anheben wird.

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