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Federers vielleicht letzte Chance

Federers vielleicht letzte Chance

Nach einem Jahr Unterbruch kann auch die grösste Bühne des Welttennis wieder bespielt werden. In Wimbledon geht es nicht zuletzt für den Rekordsieger Roger Federer um viel.

Agentur
sda
vor 2 Monaten in
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Zwei Jahre ist es her, seit der damals fast 38-jährige Federer in einem der dramatischsten Wimbledon-Finals der Geschichte gegen Novak Djokovic im fünften Satz zwei Matchbälle bei eigenem Aufschlag vergab. Nun ist Djokovic klarer als je zuvor der Favorit auf seinen 20. Grand-Slam-Titel - womit er zum Basler und Rafael Nadal aufschliessen würde.

Wer soll Djokovic schlagen, nachdem er sogar in Paris gegen Nadal triumphierte? Federer ist sicher einer der ersten Herausforderer. Doch beim Schweizer gibt es viele Fragezeichen. Die letzten Monate waren nach der langen Verletzungspause mit zwei Knieoperationen eine eigentliche Achterbahnfahrt. In Paris zeigte er drei starke Auftritte, ehe er - zum Missfallen mancher - vor dem Achtelfinal zwecks Schonung Forfait erklärte.

Die Bedrohung durch Djokovic

Danach misslang die Rückkehr auf Rasen mit der Achtelfinal-Niederlage gegen den aufstrebenden Félix Auger-Aliassime in Halle, der frühesten überhaupt bei dem Turnier, das er zehn Mal gewann. Auf seiner liebsten Spielwiese fand Federer den Tritt aber noch immer schnell. Seit seinem ersten Grand-Slam-Titel 2003 verlor er in Wimbledon nur einmal (2013 gegen den Qualifikanten Sergej Stachowski in der 2. Runde) vor den Viertelfinals. Da könnte bei ungünstiger Auslosung (am Freitag) bereits Djokovic auf den achtfachen Champion warten.

Für Federer steht viel auf dem Spiel, nicht nur, weil sich Djokovic immer mehr seiner Rekorde unter den Nagel reisst. Bei seiner Aufgabe in Paris sagte Federer deutlich, dass sein grosses Ziel Wimbledon sei. Nur wenn es ihm gelingt, mit nun fast 40 Jahren tatsächlich wieder um den Titel zu spielen, hat er in seiner Planung einmal mehr alles richtig gemacht.

So ziemlich alles richtig - zumindest auf dem Platz - macht derzeit Djokovic. Nachdem er 2016 zum ersten Mal das French Open gewonnen hatte, fiel der 34-jährige Serbe in ein Motivations-Loch. Das dürfte diesmal kaum passieren. Zu gross ist der Ehrgeiz auf die Rekorde. Mit einem sechsten Wimbledon-Titel würde er Federer selbst in dessen «Wohnzimmer» schon recht nahe rücken. Ausserdem hat er bereits die Hälfte - und in Paris den vielleicht schwierigsten Teil - des Kalender-Grand-Slam geschafft. Den hat in der Profiära seit 1969 noch kein Mann erreicht.

Dass Djokovic so klarer Favorit und Federer vielleicht sein erster Herausforderer ist, liegt auch daran, dass Rafael Nadal fehlt und die «Nächstbesten» wie Daniil Medwedew, Stefanos Tsitsipas oder Alexander Zverev auf dem Rasen von Wimbledon noch keine grossen Stricke zerrissen haben. Schweizer sind nach der verletzungsbedingten Absage von Stan Wawrinka keine weiteren dabei.

Bencics Ambitionen

Bei den Frauen ist die Ausgangslage wie immer in den letzten Jahren völlig offen. Vier der letzten sechs Grand-Slam-Turnieren gewann eine Spielerin von ausserhalb der Top Ten. Titelverteidigerin ist die zuletzt verletzt gewesene Simona Halep, von den Stars fehlt einzig Naomi Osaka, die Gewinnerin des Australian Open. Serena Williams strebt einmal mehr ihren 24. Major-Titel an, um mit der Rekordsiegerin Margaret Court gleichzuziehen. Und wie beim gleichaltrigen Federer ist die Chance wohl nirgends so gross wie in Wimbledon.

Die grössten Schweizer Hoffnungen ruhen auf Belinda Bencic. Die Juniorinnen-Siegerin von 2013 und Finalistin vor fünf Tagen in Berlin fühlt sich auf Rasen sehr wohl. Viktorija Golubic überrascht diese Woche in Eastbourne positiv und stand vor zwei Jahren in der 3. Runde. Jil Teichmann kehrt hingegen von einer Fussverletzung zurück und hat in Wimbledon noch nie eine Partie gewonnen.

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