×

«Dass es so gut gegangen ist, hat mich selbst überrascht»

Die Kleinkaliber-Schützin Valentina Caluori aus Rhäzüns ist gestern Abend mit dem Sportförderpreis des Panathlon-Clubs Chur und Umgebung ausgezeichnet worden.

René
Weber
Freitag, 06. Dezember 2019, 04:30 Uhr Sportförderpreis des Panathlon-Clubs
Auszeichnung: Panathlon-Präsident Leo Jeker überreicht Valentina Caluori den Sportförderpreis.
THEO GSTÖHL

Sie schiesst, weil ihr der Sport Freude bereitet. Die Faszination dafür zu erklären, fällt ihr dagegen schwer. Begonnen hat sie, weil sie von ihrer Mutter Riccarda auf das Inserat für den Jungschützenkurs aufmerksam gemacht wurde. Ihr Vater Markus, ebenfalls ein begeisterter Schütze, begleitet sie seither wie auch ihre ältere Schwester Carina regelmässig in den Schützenstand. Schiessen hat, man muss es nicht erwähnen, bei den Caluoris grosse Bedeutung. «Drei, vier Einheiten unter der Woche und dazu am Wochenende einen Wettkampf. Findet einmal keiner statt, dann trainiere ich halt», beschreibt Valentina Caluori ihren Aufwand. Sie tut das nicht, weil sie es muss. Sie will es. Sie ist ehrgeizig. Ihre Erfolge haben sie hungrig gemacht. Sie will mehr. Derzeit absolviert sie die Sportler-Rekrutenschule in Magglingen. Dass sie dort Aufnahme gefunden hat, spricht für sich. Nur wer zu den Besten in seiner Sportart gehört, wird zugelassen – unabhängig welche Sportart man betreibt.

Schweizer-Meister-Titel fehlt

Valentina Caluoris Stern ging nicht erst in diesem Jahr auf. Auf Juniorenstufe gehört sie schon längere Zeit zu den Treffsichersten des Landes. Was ihr fehlt, ist einzig ein Schweizer-Meister-Titel. «Bisher hat es leider immer nur zu Rang 2 gereicht.» Nichtsdestotrotz trumpft sie an der diesjährigen Europameisterschaften in Bologna gross auf und schaffte ihr Karrierebestresultat. Mit Ambitionen im Dreistellungsmatch nach Italien gereist, kehrte sie gleich mit drei Medaillen im Liegendschiessen zurück.

Nichts für schwache Nerven war der Liegendmatch 50 Meter. Nach 60 Schüssen waren Caluori und die einheimische Sofia Ceccarello punktgleich. Da die Bündnerin in der letzten Passe besser geschossen hatte, durfte sie sich die Goldmedaille umhängen lassen. «Ich wusste, dass ich an einem guten Tag vorne mitschiessen kann. Dass es so gut gegangen ist, und das im Liegendschiessen, hat mich selbst überrascht», erklärt Caluori. Gleich nochmals zuoberst aufs Podest durfte sie mit Franziska Stark (Rorschach) und Sarina Hitz (Mauren) nach dem Teamwettkampf steigen, den die Schweizerinnen souverän gewonnen hatten.

Medaille mit dem Freund

Zum Abschluss gewann Caluori im EM-Mixed-Team-Wettkampf Gewehr 50 Meter liegend zusammen mit Lukas Roth auch noch die Bronzemedaille. Apropos Lukas Roth: Caluori hat beim Schiessen nicht nur ihre Leidenschaft, sondern mit dem Berner auch ihren Freund gefunden. «Wenn sie neben mir schiesst, schaue ich schon öfters neben mich als sonst», erklärte Roth kürzlich in einem Interview mit der «Berner Zeitung.»

Wie im Elternhaus dreht sich auch im Alltag zwischen Caluori und Roth vieles ums Schiessen. Oft trainieren sie zusammen, geben einander Tipps und können sich antreiben. Beide sind sie zudem Mitglieder des Nationalteams und als vorläufiger Höhepunkt ihrer Beziehung EM-Medaillengewinner.

Willkommene Unterstützung

Als Kaderathletin im Schweizer Schiesssportverband erfährt Caluori nicht erst seit ihrem EM-Exploit Unterstützung. Ihr Heimatverein, die Sportschützen Domat/Ems, und die Region Thunersee, für die sie die Mannschaftsmeisterschaft bestreitet, bieten ihr ebenfalls Support. Ohne die Hilfe der Eltern ging es trotzdem nicht, den Aufwand zu bewältigen – vor allem finanziell. Umso mehr freut sich Caluori, dass sie für die EM-Titel eine kleine Prämie vom nationalen Verband erhalten hat. Ein willkommener Zustupf stellt für die Rhäzünserin der Gewinn des von der Graubündner Kantonalbank unterstützten und vom Panathlon-Club übergebenen Sportförderpreises in der Höhe von 4000 Franken dar. «Ich konnte es zuerst nicht glauben. Dass ich ausgewählt worden bin, ist für mich eine grosse Ehre», sagte sie gestern anlässlich der Preisverleihung in Chur.

Gemäss Panathlon-Club-Präsident Leo Jeker soll die Auszeichnung für Caluori primär ein Ansporn sein, auch in Zukunft positive Resultate zu realisieren. «In diesem Jahr schiesse ich erstmals in der Kategorie Elite. Es ist schwer abzuschätzen, wo ich dort stehe. Die perfekten Trainingsbedingungen im Militär stimmen mich aber zuversichtlich, dass ich weiterhin vorne mithalten kann», so Caluori, die nach ihrer Militärzeit wieder für die Bauingenieure GmbH von Plácido Pérez in Bonaduz arbeiten wird.

Kommentar schreiben

Kommentar senden