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Die Teams der Gruppe E im Überblick

Belgien will endlich einmal an einer Endrunde sein Potenzial ausschöpfen. Zumindest in der Vorrunde sollte nichts schief gehen. Der Favorit der Herzen ist die Ukraine.

Agentur
sda
11.06.24 - 04:30 Uhr
Fussball

Seit einem Jahrzehnt figuriert Belgien mit einer so genannt «goldenen Generation» konstant in den Top 5 der Weltrangliste. Vorzuweisen hat es dafür herzlich wenig. Nur einmal, bei der WM 2018 in Russland als Dritter, überstand man die Viertelfinals. In der Vorrundengruppe mit der Slowakei, Rumänien und der Ukraine sind die Belgier haushoher Favorit, ob es danach für einen Coup reicht, ist indes fraglich.

Belgien: Die Goaliefrage spaltet das Land

Wie so oft machen es sich die Belgier auch durch interne Querelen zusätzlich schwer, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Der neue Coach Domenico Tedesco verwehrte Thibaut Courtois in dessen 100. Länderspiel die Ehre der Captainbinde, seither will der Goalie, der wesentlich zum Sieg Real Madrids im Champions-League-Final beitrug, nichts mehr von der Nationalmannschaft wissen. Umso mehr wird nun den nicht immer stilsichere Koen Casteels von Wolfsburg bei jeder Unsicherheit im Fokus stehen.

Dabei ist die Defensive ohnehin seit jeher die Achillesferse der «Roten Teufel». Mit Kevin De Bruyne weiss man dafür einen der kreativsten Mittelfeldstrategen in seinen Reihen, der mit Manchester City von Erfolg zu Erfolg eilt. In der Qualifikation war man in einer starken Gruppe mit Österreich und Schweden souverän und ohne Niederlage. Einmal mehr droht aber - wie oft im zerstrittenen, mehrsprachigen Land - ein Sommer der Dissonanzen.

Belgien in Zahlen. - Einwohner: 11,7 Mio. - Hauptstadt: Brüssel. - FIFA-Ranking: 3. - Bisherige Teilnahmen an EM-Endrunden (6): 1972, 1980, 1984, 2000, 2016, 2021. - Beste EM-Resultate: Finalist 1980, 3. Platz 1972. - Bester Torschütze der EM-Qualifikation: Romelu Lukaku (14 Tore). - Rekordspieler: Jan Vertonghen (154 Spiele). - Rekordtorschütze: Lukaku (85 Tore). - Bekannteste Spieler: Kevin de Bruyne, Lukaku, Axel Witsel. - Trainer: Domenico Tedesco (ITA/GER, seit 2023).

Slowakei: Italienische Disziplin

Zum dritten Mal in Folge haben sich die Slowaken für eine EM-Endrunde qualifiziert, und das als Zweite hinter Portugal sehr souverän. Der italienische Coach Francesco Calzona hat eine wenig spektakuläre, jedoch solidarische und disziplinierte Equipe zusammengestellt. Sein Credo lautet: «Das Verhalten der Spieler auf und neben dem Platz zählt mehr als das Talent.»

So spielt das Team auch. Der einstige Künstler und Rekordtorschütze Marek Hamsik sitzt mittlerweile als Assistent und Identifikationsfigur auf der Trainerbank. Prunkstück ist die Abwehr um den langjährigen Inter- und aktuellen PSG-Verteidiger Milan Skriniar.

Slowakei in Zahlen. - Einwohner: 5,4 Mio. - Hauptstadt: Bratislava. - FIFA-Ranking: 48. - Bisherige Teilnahmen an EM-Endrunden (2, dazu 3 als Teil der Tschechoslowakei): 2016, 2021. - Beste EM-Resultate: Achtelfinal 2016; 1976 als Teil der Tschechoslowakei Europameister. - Bester Torschütze der EM-Qualifikation: Lukas Haraslin (3 Tore). - Rekordspieler: Marek Hamsik (138 Spiele). - Rekordtorschütze Hamsik (26 Tore). - Bekannteste Spieler: Milan Skriniar, Peter Pekarik, Ondrej Duda. - Trainer: Francesco Calzona (ITA, seit 2022).

Rumänien: Der nächste Karpaten-Maradona

Wie zäh die Rumänen zu spielen sind, erfuhr das Team von Murat Yakin in der EM-Qualifikation am eigenen Leib. Aus zwei Spielen gab es nur einen Punkt (2:2 und 0:1). Die guten Zeiten des rumänischen Fussballs liegen aber schon weit zurück, und sie sind eng mit dem Namen des «Karpaten-Maradonas» Gheorghe Hagi verknüpft. Nun spielt dessen Sohn Ianis in der Nationalmannschaft.

Trainer ist Edward Iordanescu, dessen Vater die «Tricolorii» mit dem WM-Viertelfinal 1994 zum grössten Erfolg geführt hatte. Grosse Namen gibt es in der aktuellen Mannschaft nur dank berühmter Väter. Der Mangel an Erfahrung auf der grossen Bühne könnte zum Problem werden, doch Ianis Hagi sagt, man wolle die Fans «träumen lassen». In einer ausgeglichenen Gruppe E scheint zumindest der Achtelfinal möglich.

Rumänien in Zahlen. - Einwohner: 19 Mio. - Hauptstadt: Bukarest. - FIFA-Ranking: 46. - Bisherige Teilnahmen an EM-Endrunden (5): 1984, 1996, 2000, 2008, 2016. - Beste EM-Resultate: Viertelfinal (2000). - Bester Torschütze der EM-Qualifikation: Denis Alibec, Valentin Mihaila, Nicolae Stanciu (alle 2 Tore). - Rekordspieler: Dorinel Munteanu (134 Spiele). - Rekordtorschütze: Adrian Mutu und Georghe Hagi (beide 35 Tore). - Bekannteste Spieler: Nicolae Stanciu, Razvan Marin, Ianis Hagi. - Trainer: Edward Iordanescu (ROU, seit 2022)

Ukraine: Für das Vaterland und die Soldaten

Für kein anderes Team ist die Teilnahme an der EM so sehr eine patriotische Mission wie für die Ukrainer. Als Michailo Mudryk im Januar 2023 für 100 Millionen Euro von Schachtar Donezk zu Chelsea wechselte, überwies der Klub, der seit dem Beginn der Besetzung des Donbass vor zehn Jahren im Exil spielt, fast einen Viertel des Geldes an die Soldaten an der Front und deren Familien. Und als Goalie Andrej Lunin im April mit Real Madrid das Penaltyschiessen in der Champions League gegen Manchester City gewonnen hatte, wehrte er sich vehement dagegen, ein «Held» zu sein.

Für die Fussballer der Ukraine, auch die im Ausland, ist der Krieg in der Heimat allgegenwärtig. Was ihnen an spielerischer Qualität fehlen mag, werden sie durch Leidenschaft wettmachen. Das zeigten sie in der Qualifikation, als gegen Italien nur ein Tor zum direkten Ticket fehlte. An das Austragungsland Deutschland hat man zudem gute Erinnerungen: 2006 erreichte man dort - zum Leidwesen von Köbi Kuhns Schweizern -- den WM-Viertelfinal.

Ukraine in Zahlen. - Einwohner: 33,4 Millionen. - Hauptstadt: Kiew. - FIFA-Ranking: 22. - Bisherige EM-Teilnahmen (3): 2012, 2016, 2021. - Bestes EM-Resultat: Viertelfinal (2021). - Bester Torschütze in der EM-Qualifikation: Viktor Zygankow (2 Tore). - Rekordspieler: Anatoli Timoschtschuk (144). - Rekordtorschütze: Andrej Schewtschenko (48 Tore). - Bekannteste Spieler: Andrej Lunin, Michailo Mudryk, Alexander Sintschenko. - Trainer: Sergej Rebrow (UKR, seit 2023).

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