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Gleiche Destination, unterschiedliche Ziele für Schweizer Athleten

Ab heute kämpft in Minsk eine 77-köpfige Schweizer Delegation an den Europa-Spielen um Medaillen. Trotz gleichem Standort geniesst der Wettbewerb bei den Athleten unterschiedlichen Stellenwert.

Agentur
sda
Freitag, 21. Juni 2019, 07:00 Uhr Allgemeines
Die Schweizer Flaggen in Minsk hängen schon, Schweizer Medaillen sollen Folgen
Die Schweizer Flaggen in Minsk hängen schon, Schweizer Medaillen sollen Folgen
KEYSTONE/EPA/TATYANA ZENKOVICH

Vom Kampf um den Titel des Europameisters über Olympiastartplätze bis hin zum Formtest - die zweite Austragung der Europa-Spiele bietet für die Schweizer Delegation die komplette Bandbreite an Voraussetzungen und Ambitionen. Die grösste Strahlkraft dürften demnach die Medaillenvergaben bei den Boxern und Judokas besitzen, wo es in Minsk EM-Medaillen zu holen gibt. Wer von der europäischen Elite nicht verletzt Forfait geben musste, wie etwa die Schweizer Judo-Teamleaderin Evelyne Tschopp, wird sich in Minsk dem Vergleich mit der Konkurrenz stellen.

Der wohl bekannteste Name der Schweizer Delegation kommt allerdings aus dem Schiesssport. Mit Heidi Diethelm Gerber tritt nicht nur die Olympia-Dritte von Rio 2016 die Reise nach Minsk an, die 50-Jährige steht als einzige Titelverteidigerin von Swiss Olympic auch an der zweiten Ausgabe der Europa-Spiele im Einsatz. Mit der Sportpistole über die 25 m strebt sie eine weitere Medaille an einem Grossanlass an. Ein Selbstläufer werde es allerdings keineswegs. «Das Feld an Topschützinnen ist seit der Premiere der Europa-Spiele extrem viel breiter geworden», sagt Diethelm Gerber.

Am nötigen Ansporn dürfte es bei Diethelm Gerber und ihren fünf ebenfalls für Minsk selektionierten Teamkolleginnen und Kollegen nicht fehlen: Die Sieger der zwölf Einzel-Wettbewerbe werden mit Quotenplätzen für Tokio im kommenden Jahr belohnt. Auch bei den Bogenschützen (Florian Faber und Iliana Deineko), im Karate (Elena Quirici) und Tischtennis (Rachel Moret) liegen direkte Olympia-Startplätze in Aussicht. Bei den Leichtathleten, in den Rad-Wettkämpfen, im Badminton und den Judokas gibt es neben den Wettkampfehren zudem Ranglistenpunkte im Hinblick auf Tokio 2020 zu gewinnen.

Zwar nicht mit goldenen Olympia-Aussichten, dafür mit hohen Ambitionen reist das Schweizer Beachsoccer-Nationalteam in die weissrussische Hauptstadt. Für die Sandfussballer, die (noch) nicht olympischen Status geniessen, hat das europäische «Mini-Olympia» einen hohen Stellenwert. Nach dem 4. Rang bei der Erstaustragung in Baku nehmen die Schweizer in Minsk erneut eine Medaille ins Visier. Eine solche gäbe einen Schub im Hinblick auf die bevorstehende WM-Qualifikation im September, wo sich die Schweiz einen der vier europäischen Startplätze für die auf November angesetzten Titelkämpfe in Paraguay sichern will.

Nicht zuletzt soll der Anlass in Osteuropa auch als Testlauf dienen - für die Athleten wie auch für die Verbände. In der Leichtathletik etwa testen die Organisatoren das Potenzial eines Teamwettbewerbes. Die teilnehmenden Nationen bestreiten in Gruppen zu je sechs Nationen eine Vorrunde mit acht Disziplinen (Speer Frauen, 100m Frauen- und Männer, 100m-Hürden Frauen, 110m-Hürden Männer, Hochsprung Männer, 4x400m-Staffel Mixed und Weitsprung Frauen). Wer letztlich die K.o.-Phase erreicht, wird im abschliessenden Jagdrennen unter dem Namen «The Hunt» ermittelt. Je nach Abschneiden in der Vorrunde startet man mit einem Zeithandicap ins Staffelrennen über 800m (Mann), 600m (Frau), 400m (Mann) und 200m (Frau).

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