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Entsetzen über Tod von Gaza-Helfern bei israelischem Angriff

Der Tod von ausländischen Helfern im Gazastreifen bei einem israelischen Luftangriff hat international grosse Empörung ausgelöst. Die Hilfsorganisation World Central Kitchen (WCK) bestätigte am Dienstag den Tod von sieben ihrer Mitarbeiter. Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sprach in einer Videobotschaft von einem «tragischen Fall eines unabsichtlichen Treffers unserer Streitkräfte gegen Unschuldige im Gazastreifen». Man prüfe den Vorfall und werde alles tun, damit er sich nicht wiederhole.

Agentur
sda
02.04.24 - 14:57 Uhr
Politik
ARCHIV - Ein Mitarbeiter der World Central Kitchen bereitet in einem Lagerhaus eine Palette mit humanitärer Hilfe für den Transport zum Hafen von Larnaca vor, von wo aus sie nach Gaza verschifft werden soll. Foto: Petros Karadjias/AP/dpa
ARCHIV - Ein Mitarbeiter der World Central Kitchen bereitet in einem Lagerhaus eine Palette mit humanitärer Hilfe für den Transport zum Hafen von Larnaca vor, von wo aus sie nach Gaza verschifft werden soll. Foto: Petros Karadjias/AP/dpa
Keystone/AP/Petros Karadjias

Organisation will Einsatz im Gazastreifen stoppen

Die sieben Opfer stammten laut der Mitteilung von World Central Kitchen aus Australien, Polen, Grossbritannien und den Palästinensergebieten - zudem habe eines der Opfer die amerikanische und kanadische Staatsbürgerschaft. Die Organisation will angesichts des tödlichen Vorfalls ihren Einsatz in der Region sofort stoppen und bald Entscheidungen «über die Zukunft unserer Arbeit treffen».

«Das WCK-Team war in einer konfliktfreien Zone in zwei gepanzerten Fahrzeugen mit dem WCK-Logo und einem ungeschützten Fahrzeug unterwegs», schrieb die Hilfsorganisation. Der Konvoi sei getroffen worden, obwohl man die Fahrt mit der israelischen Armee koordiniert habe. Die Helfer hätten gerade ein Lagerhaus in der Ortschaft Deir al-Balah im zentralen Abschnitt des Gazastreifens verlassen, als sie beschossen worden seien. Dort hätten sie mehr als 100 Tonnen humanitärer Lebensmittelhilfe entladen, die auf dem Seeweg in den Gazastreifen gebracht worden sei.

Israels Armee kündigt gründliche Untersuchung an

Der israelische Armeesprecher Daniel Hagari sagte am Dienstag, Israels Armee sei an internationales Recht gebunden. «Wir sind verpflichtet, unsere Einsätze gründlich und transparent zu untersuchen», sagte Hagari. «Wir werden eine Untersuchung eröffnen, um diesen schwerwiegenden Vorfall weiter zu prüfen. Dies wird uns dabei helfen, die Gefahr zu verringern, dass sich so ein Vorfall wiederholt.» Er sprach dabei von der Untersuchung durch ein unabhängiges und professionelles Expertengremiums. Man werde der Sache auf den Grund gehen und die Ergebnisse transparent teilen.

Auslöser des Gaza-Kriegs war das beispiellose Massaker mit mehr als 1200 Toten, das Terroristen der Hamas und anderer islamistischer Gruppen am 7. Oktober vergangenen Jahres in Israel verübt hatten. Israel reagierte mit massiven Luftangriffen und einer Bodenoffensive. Angesichts der hohen Zahl ziviler Opfer und der katastrophalen Lage im Gazastreifen steht Israel international immer stärker in der Kritik.

Hilfsorganisation versorgt Menschen in Katastrophengebieten mit Essen

World Central Kitchen ist eine Hilfsstiftung, die der aus Spanien stammende Starkoch José Andrés 2010 unter dem Eindruck des verheerenden Erdbebens in Haiti gegründet hat. WCK versorgt seitdem Menschen in Katastrophengebieten auf der ganzen Welt mit Mahlzeiten. «Dies ist nicht nur ein Angriff auf WCK, dies ist ein Angriff auf humanitäre Organisationen, die in schlimmsten Situationen kommen, in denen Nahrung als Waffe im Krieg eingesetzt wird», sagte der Geschäftsführer der Organisation, Erin Gore. «Dies ist unverzeihlich.»

Die Familie einer getöteten Mitarbeiterin aus Australien sagte, die 43-Jährige sei ums Leben gekommen, «während sie die Arbeit verrichtete, die sie liebte». Sie werde «ein Vermächtnis des Mitgefühls, des Mutes und der Liebe für alle in ihrem Umkreis hinterlassen».

Internationale Empörung über Tod der Helfer

Unter anderem Ägypten verurteilte den Angriff scharf. Das ägyptische Aussenministerium sprach in seiner Erklärung vom Dienstag von anhaltenden Angriffen Israels auf Organisationen, die im humanitären Bereich tätig seien. Ägypten fordere eine dringende und ernsthafte Untersuchung, um die Verantwortlichen «für diese systematischen und vorsätzlichen Verletzungen der palästinensischen Menschenrechte zur Rechenschaft zu ziehen». Jordaniens König Abdullah II. betonte, humanitäre Organisationen im Gazastreifen müssten geschützt werden.

Der Nothilfekoordinator der Vereinten Nationen, Martin Griffiths, hob den Mut der sieben getöteten humanitären Helfer in Gaza hervor. «Sie waren Helden. Sie wurden getötet, während sie versucht haben, hungernde Menschen zu ernähren», schrieb er auf X.

Die britische Regierung forderte nach dem tödlichen Angriff Aufklärung von Israel. Die Nachricht sei zutiefst erschütternd, teilte der britische Aussenminister David Cameron am Dienstag mit. Berichten zufolge seien auch britische Staatsbürger getötet worden. «Wir arbeiten daran, diese Informationen zu verifizieren, und werden ihren Familien umfassende Unterstützung bieten.»

Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez sagte: «Ich erwarte und fordere, dass die israelische Regierung so schnell wie möglich die Umstände dieses brutalen Angriffs aufklärt, der sieben Mitarbeitern einer Hilfsorganisation das Leben gekostet hat, die nichts anderes getan haben, als zu helfen».

EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen schrieb bei X: «Ich würdige die Helfer, die in Gaza ihr Leben verloren haben.» Die Hilfsorganisation sei ein entscheidender Partner bei der Linderung des Leidens der Menschen in Gaza, unter anderem durch die Bereitstellung von Nahrungsmitteln über den Seekorridor.

Parteigründerin Sahra Wagenknecht fordert ein sofortiges Waffenembargo gegen Israel. «Das Sterben in Gaza und die Angriffe Israels in Nachbarländern müssen unverzüglich enden», sagte Wagenknecht am Dienstag. «Dass Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen, die Hungernde versorgen wollten, ins Visier der israelischen Armee geraten sind, muss Konsequenzen haben.»

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