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Unabhängige UN-Experten: Hungersnot breitet sich im Gazastreifen aus

Für mehrere Experten, die den UN-Menschenrechtsrat beraten, besteht kein Zweifel mehr, dass sich im Gazastreifen eine Hungersnot ausbreitet. Sie erwähnen in einer Stellungnahme mehrere spezifische Fälle von Babys und Kindern, die aufgrund von Unterernährung gestorben seien. «Wenn das erste Kind an Unterernährung und Dehydrierung stirbt, ist es unwiderlegbar, dass eine Hungersnot ausgebrochen ist», so die Meinung der Experten. Offiziell werden Hungernotlagen allerdings von anderen UN-Experten nach sehr spezifischen Kriterien erklärt. Sie arbeiten für die IPC-Berichte zur Ernährungssicherheit mit fünf Kategorien.

Agentur
sda
09.07.24 - 14:30 Uhr
Politik
ARCHIV - Palästinenser bei Verteilung von Lebensmitteln in Chan Junis. Foto: Hatem Ali/AP/dpa
ARCHIV - Palästinenser bei Verteilung von Lebensmitteln in Chan Junis. Foto: Hatem Ali/AP/dpa
Keystone/AP/Hatem Ali

Die höchste Kategorie bedeutet: extrem kritische Situation. Im jüngsten IPC-Bericht zu Gaza vom 25. Juni heisst es, dass fast eine halbe Million Menschen oder 22 Prozent der Bewohner des Gazastreifen in die Kategorie fünf fielen. Gleichzeitig schränken die Experten ein: «Die verfügbaren Daten deuten nicht darauf hin, dass derzeit eine Hungersnot herrscht.» Eine Hungersnot wird erst erklärt, wenn verschiedene weitere Kriterien dazukommen: neben der Zahl der Betroffenen auch das Ausmass der Unterernährung bei kleinen Kindern und die Zahl der Todesfälle.

Baby, 9- und 13-Jähriger gestorben

Die elf unabhängigen Expertinnen und Experten sprechen von 34 Todesfällen im Gazastreifen wegen Unterernährung seit Beginn des Gaza-Kriegs. Sie nennen drei spezifische Todesfälle: den Fall eines kaum sechs Monate alten Babys, eines 9- und eines 13-jährigen Jungen Ende Mai und Anfang Juni. Ärztliche Details über die Todesumstände nennen sie nicht. Der Gaza-Krieg begann mit den verheerenden Terrorangriffen aus dem Gazastreifen auf den Süden Israels am 7. Oktober 2023.

Die Expertinnen und Experten forderten, mehr humanitäre Hilfe für den Gazastreifen, ein Ende der Abriegelung des Gebiets durch Israel und eine Waffenruhe. Sie befassen sich im Auftrag des UN-Menschenrechtsrats etwa mit dem Recht auf Ernährung, auf mentale Gesundheit oder die Menschenrechte der Palästinenser. Sie beraten den Menschenrechtsrat und sprechen nicht im Auftrag der Vereinten Nationen (UN).

Israel wirft der islamistischen Hamas im Gazastreifen vor, der Bevölkerung Hilfslieferungen zu stehlen und bestreitet vehement, dass es in dem Küstengebiet eine Hungersnot gibt.

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