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Tote bei Protesten gegen Äthiopiens Ministerpräsidenten Ahmed

Bei Protesten gegen den äthiopischen Ministerpräsidenten und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed sind mindestens vier Menschen getötet worden. Wie am Donnerstag aus Polizei- und Spitalkreisen verlautete, wurden bei den Protesten am Mittwoch Dutzende weitere verletzt.

Agentur
sda
Donnerstag, 24. Oktober 2019, 21:27 Uhr Addis Abeba
Der äthiopische Internetaktivist Jawar Mohammed kritisiert Ministerpräsident Abiy ahmed und wirft der staatslichen Polizei vor, einen Anschlag auf ihn zu planen.
Der äthiopische Internetaktivist Jawar Mohammed kritisiert Ministerpräsident Abiy ahmed und wirft der staatslichen Polizei vor, einen Anschlag auf ihn zu planen.
KEYSTONE/AP/MULUGETA AYENE

Die Todesumstände blieben zunächst unklar. Die Unruhen waren ausgebrochen, nachdem der Abiy-Kritiker und Internetaktivist Jawar Mohammed staatliche Sicherheitskräfte beschuldigt hatte, einen Anschlag auf ihn zu planen.

«Auf eine für das Land gefährliche Art und Weise hat die staatliche Polizei versucht, ein schweres Verbrechen zu begehen», sagte Jawar am Donnerstag in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba und rief die Demonstranten dazu auf, Ruhe zu bewahren. Er bezeichnete die Proteste als «gute Antwort». «Unsere Leute haben bewiesen, dass es unmöglich ist, sie einzuschüchtern», sagte Jawar.

Strassenblockaden und Proteste

Am Mittwoch hatte es in der Region Oromia heftige Zusammenstösse gegeben. Demonstranten blockierten laut Polizei Strassen und setzten Autoreifen in Brand.

Auch am Donnerstag gingen die Proteste und Strassenblockaden demnach weiter. Den zweiten Tag in Folge versammelten sich zahlreiche Unterstützer Jawars vor dem Wohnhaus des Aktivisten in Addis Abeba. Ein Einwohner in der Stadt Adama sagte der Nachrichtenagentur AFP, Schulen und Spitäler seien geschlossen worden.

Nachdem Proteste junger Menschen zum Rücktritt des ehemaligen Ministerpräsidenten Hailemariam Desalegn geführt hatten, übernahm Abiy im Frühjahr 2018 den Posten des Regierungschefs. Der 32-jährige Jawar spielte eine Schlüsselrolle bei den damaligen Demonstrationen.

Reformen kritisiert

Der Internet-Aktivist wird von Kritikern beschuldigt, ethnischen Hass zu schüren und darauf abzuzielen, das Land zu destabilisieren. Die Beziehungen zwischen den beiden Männern verschlechterte sich zuletzt, unter anderem weil Jawar mehrere von Abiys Reformen kritisiert hatte.

Seit Abiy im April 2018 an die Regierung kam, brach er mit der autoritären Politik seiner Vorgänger: Der 43-Jährige leitete eine Liberalisierung der Wirtschaft ein, liess politische Gefangene frei, erlaubte Rebellengruppen die Rückkehr ins Land und liess Dutzende Vertreter aus Militär und Geheimdienst wegen mutmasslicher Menschenrechtsverstösse festnehmen. Zudem schloss er mit dem jahrzehntelangen Erzfeind Eritrea ein Friedensabkommen.

Mit über 100 Millionen Einwohnern ist Äthiopien nach Nigeria das bevölkerungsreichste Land Afrikas. Das Land legte in jüngster Zeit ein rasantes Wirtschaftswachstum hin. Dennoch zählt es nach wie vor zu den ärmsten Staaten der Welt.

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