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Weesen wächst, Stadt stagniert, Amden und Schmerikon schrumpfen

Weesen steht in Sachen Bevölkerungsstatistik an der Spitze im Linthgebiet: Keine andere Gemeinde am Obersee ist prozentual so stark gewachsen. 
Allerdings geht im Städtchen das Bauland zur Neige. In den beiden Gemeinden Schmerikon und Amden sinkt derweil die Zahl der Einwohner.

Magnus
Leibundgut
Freitag, 11. Januar 2019, 04:30 Uhr Linthgebiet wächst
Dank der Überbauung Höfenhof auf dem Pelikan-Areal an der Höfenstrasse sind in Weesen zahlreiche Wohnungen entstanden.
MARKUS TIMO RÜEGG

In Weesen ist die Zahl der Einwohner im vergangenen Jahr um über vier Prozent gestiegen. Im Gegensatz dazu stagniert die Bevölkerung in der Stadt Rapperswil-Jona (plus 0,15 Prozent). In den beiden Gemeinden Amden (minus 0,28 Prozent) und Schmerikon (minus 0,55 Prozent) hat die Bevölkerung gar abgenommen (siehe Grafik).

So stark wie in der Gemeinde Weesen ist die Bevölkerung am Obersee 2018 nirgends gewachsen – zumindest relativ betrachtet. Der Grund hierfür liegt in der regen Bautätigkeit, die in den vergangenen Jahren augenfällig zugenommen hat. Unter den zahlreichen Bauprojekten, dank denen hundert neue Wohnungen geschaffen wurden, stechen unter anderem der Staadpark an der Hauptstrasse und die Überbauung Höfenhof  auf dem Pelikan-Areal an der Höfenstrasse ins Auge.

Weil die Bautätigkeit ausschlaggebender Grund für den Zuwachs der Bevölkerung gewesen sei, komme nun das Wachstum an seine natürliche Grenze, sagt Marcel Benz, Gemeindepräsident von Weesen: «Das Land, das überbaut werden kann, ist ausgereizt.» Geografisch sei Weesen aufgrund seiner Grösse stark eingegrenzt. «Und verdichtetes Bauen in die Höhe stösst schnell einmal auf Widerstand in der Bevölkerung.»

Überragender Neubau kritisiert

So hat das siebenstöckige Siegerprojekt für den geplanten Neubau «Café am See» die Gemüter erhitzt. «Das Projekt hat den Leuten die Augen geöffnet, was mit verdichteter Bauweise möglich wird, wenn in der Kernzone keine maximale Firsthöhe vorgegeben ist», konstatiert der Gemeindepräsident. Weil der Neubau am Rand der Kernzone alles andere überragt habe, sei das Projekt verbreitet auf Kritik gestossen. Nun stehe man vor einem Dilemma: Wenn eine maximale Firsthöhe in das Baureglement aufgenommen werde, seien derlei Projekte nicht mehr möglich. Ob das «Café am See» jemals gebaut werden kann, wird sich frühestens in drei Jahren zeigen. Erst einmal muss der Weesner Gemeinderat einen neuen Zonenplan und ein neues Baureglement verabschieden.

Weesen strebe ein qualitatives Wachstum an, nicht eines um jeden Preis, sagt Benz. Zudem müsse berücksichtigt werden, dass ein Wachstum der Bevölkerung auch bedeuten könne, dass die Infrastrukturen ausgebaut werden müssen. «Unsere Schulen stossen an Kapazitätsgrenzen und müssen erweitert werden, falls mehr Familien mit Kindern zu uns ziehen», führt Marcel Benz aus. Dies sei derzeit nicht notwendig, weil in die neu gebauten Wohnungen kaum Familien mit Kindern eingezogen seien.

Nachfrage im Seedorf bleibt gross

Ganz anders ist die Situation in Schmerikon: In dieser Gemeinde ist die Zahl der Bevölkerung um ein halbes Prozent gesunken. Dieses Faktum überrascht Félix Brunschwiler, Gemeindepräsident von Schmerikon: «Wir haben gleichzeitig den tiefsten Leerwohnungsbestand im Linthgebiet, was doch zeigt, dass die Nachfrage nach Wohnraum im Seedorf gross ist.»

Beunruhigt ist Brunschwiler aufgrund des Schrumpfens der Bevölkerung nicht. Er erwartet, dass aufgrund der Bauprojekte Zentrum Seegarten und Schlatt-Park in den kommenenden Jahren hundert Wohnungen mehr zur Verfügung stehen werden. Nicht von der Hand lasse sich weisen, dass eine Stagnation bei der Wohnbevölkerung ein Loch in die Kasse reisse: «Es braucht aus volkswirtschaftlichen Gründen ein Wachstum bei der Wohnbevölkerung.» Dank diesem könne kompensiert werden, dass sich die Schere zwischen Beschäftigten und Nichtarbeitenden immer mehr öffnet. Schliesslich würde der Anteil von Senioren und Jungen an der Bevölkerung laufend zunehmen.

Brunschwiler ist überzeugt, dass Schmerikon auch ohne viel Baulandreserven dank innerer Verdichtung, indem Häuser abgerissen und durch grössere ersetzt werden, im Schnitt um ein Prozent jährlich wachsen werde. «Schmerikon liegt damit im Mittelfeld und ist ein Spiegelbild für die Entwicklung in der Schweiz», konstatiert der Gemeindepräsident.

3 Fragen an Peter Göldi, Geschäftsführer Region Zürichsee-Linth 

1. Wie schätzen Sie die Entwicklung der Bevölkerung im Linthgebiet ein?
In unserer Region ist ein insgesamt moderates Wachstum festzustellen. Dabei stechen der Ausreisser von Schmerikon nach unten und ein abgebremstes Wachstum in Rapperswil-Jona ins Auge. In Rapperswil-Jona sind verschiedene Projekte zur Verdichtung in Vorbereitung. Werden diese in den kommenden Jahren realisiert, muss davon ausgegangen werden, dass die Bevölkerung dort durchaus wieder etwas stärker wachsen wird.

2. Auffällig ist, dass ausgerechnet das Seedorf, das in den letzten Jahren stark gewachsen ist, schrumpft. Worauf lässt sich dies zurückführen?
Der Minussaldo in Schmerikon markiert eine Pause beim starken Wachstum in den Vorjahren. Die Nachfrage scheint jedoch kaum nachzulassen. Offen ist, ob im Seedorf weiterhin Bauland zur Verfügung steht. Demgegenüber fällt auf, dass die attraktiven Landgemeinden Eschenbach, Gommiswald, Uznach und Weesen 2018 überdurchschnittlich stark gewachsen sind. In den beiden fusionierten Gemeinden Eschenbach und Gommiswald hat offenbar Bauland mobilisiert werden können. In Weesen ist das für die Gemeinde verhältnismässig grosse Wachstum auf die Fertigstellung von grösseren Bauprojekten zurückzuführen.

3. Das Wachstum hat sich am Obersee abgeschwächt. Was sind die Gründe hierfür?
Die Region Zürichsee-Linth ist von der Lage her eine sehr attraktive Wohnregion und profitiert zudem von der Nähe zum Wirtschaftsraum Zürich. Dass sich das Wachstum insgesamt leicht abgeschwächt hat, hat mit der stagnierenden Entwicklung in der Stadt Rapperswil-Jona zu tun. Aufgrund des Umstands, dass immer mehr Leute auf engem Raum leben, ist ein grösseres Wachstum am Obersee auch gar nicht anzustreben. Das Wachstum hat Grenzen erreicht. Wir müssen sorgfältig mit dem wertvollen Lebensraum umgehen. Abgesehen davon sind aufgrund des Raumplanungsgesetzes die Baulandreserven ausgereizt.

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