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Dem Präsidenten von Tierschutz Linth droht die Abwahl

Seit knapp einem Jahr hat der Verein Tierschutz Linth einen neuen Präsidenten. Nicht alle sind einverstanden mit seiner Amtsführung. Bei der bevorstehenden Hauptversammlung wird seine Abwahl gefordert.

Christine
Schibschid
Donnerstag, 14. Februar 2019, 18:01 Uhr Showdown bei der Hauptversammlung
In der Kritik: René Marti mit seinem Hund am See in Schmerikon.
CHRISTINE SCHIBSCHID

Seit März 2018 hat Tierschutz Linth einen neuen Präsidenten. Bei einem Treffen wirkt René Marti organisiert und entschlossen. Wie jemand, der Dinge anpackt. Auf dem Weg, den er als Präsident des Tierschutzvereins verfolgt, ist er inzwischen aber einigen Leuten auf die Füsse getreten.

Für die anstehende Mitgliederversammlung am 1. März im «Seehof» in Schmerikon wurde daher ein Antrag auf Abwahl des Präsidenten eingereicht. Dahinter steht Herbert Kessler aus Uznach. Seine Frau Heidy engagiert sich seit rund 30 Jahren für den Tierschutzverein. Vor Marti war sie Präsidentin.

Vor allem die Katzen haben es Heidy Kessler angetan. Sie und ihr Mann besitzen aktuell vier. Bei einem Treffen in ihrem Haus packt Herbert Kessler ein Fotoalbum mit Bildern vieler verschiedener Katzen aus, welche das Paar in den vergangenen Jahren aufgepäppelt, gepflegt und offenbar ins Herz geschlossen hat.

Streit um Kastrationen

Heidy Kessler hatte sich aus dem Präsidentenamt zurückziehen wollen. Ihren Nachfolger lernte sie vor dessen Wahl kennen und schätzte ihn als kompetent ein. Damit, wie er den Verein nun führt, ist sie aber nicht einverstanden.

«Die Leute bleiben ohne Hilfe und auf den Kosten sitzen»
Heidy Kessler, Ex-Präsidentin des Tierschutzvereins

Es geht etwa um das Vorgehen bei Kastrationen herrenloser Katzen. Ab und an finden Bauern Tiere in einer Scheune. Bislang half der Tierschutzverein, sie einzufangen und beteiligte sich an den Kosten für die Kastrationen. «Nun heisst es immer wieder, die Kontingente für die jeweilige Gemeinde seien ausgeschöpft. Die Leute bleiben ohne Hilfe und auf den Kosten sitzen», sagt Heidy Kessler.

Früher habe es keine Kontingente gegeben. Es brauche auch keine, denn niemand habe die Übernahme der Kosten durch den Tierschutz ausgenutzt. Ausserdem könne der Verein jederzeit mehr Geld für Kastrationen beim Schweizer Tierschutz (STS) beantragen.

Dort standen laut Mediensprecherin Helen Sandmeier in den vergangenen beiden Jahren je rund 400.000 Franken für Katzenkastrationen zur Verfügung. «Die Vereine müssen aufzeigen, was sie gemacht haben, und kriegen dann Geld. Alle, die etwas brauchen, bekommen das in der Regel auch.»

Geschnappt: Eine wilde Katze ist in die Falle gegangen und kann nun kastriert werden.
HEIDY KESSLER

Kritik an Tierarzt-Kooperationen

Kessler wundert sich auch, dass der Tierschutzverein bei Katzenkastrationen nur noch mit einer Handvoll Tierärzten zusammenarbeitet. «Es werden nur noch Ärzte berücksichtigt, die Mitgliederbeitrag bezahlen.» Langjährige Partner seien aus unbekannten Gründen nicht mehr mit im Boot. Der Antrag einer betroffenen Praxis auf Mitgliedschaft sei abgelehnt worden. «Manche Bauern können herrenlose Katzen nun nicht mehr zu ihrem Hoftierarzt mitnehmen», erklärt Kessler.

Wegschauen statt helfen?

Zudem sei zuletzt mehreren Katzenfällen nicht nachgegangen worden. Kessler erzählt etwa von einem Mann, der sich um eine herrenlose kranke Katze gekümmert habe, dann aber auf den Tierarztkosten sitzen geblieben sei. «Vom Verein hiess es, dass ihm die Katze gehöre, weil er sie einige Zeit gefüttert habe. In Zukunft schaut er vielleicht lieber weg», befürchtet Kessler. Man müsse immer den Einzelfall anschauen und dürfe Zuschüsse nicht einfach verweigern. Der Verein verfüge über ein sechsstelliges Vermögen.

Zum Umgang mit Kastrationen und anderen Katzenfällen gibt es ebenfalls einen Antrag für die Mitgliederversammlung. Insgesamt fünf Antragsteller verlangen eine Stellungnahme dazu. In dem Papier wird gemutmasst, es sei «Strategie» des Tierschutzes Linth, das Katzenproblem gross werden zu lassen, um später auf die betroffene Gemeinde zeigen zu können und ihr anzukreiden, dass sie Hilfe verweigert habe. «Das ist kein Tierschutz», so die Kritiker. Neben dem Abwahlantrag wurden von den fünf Personen drei Anträge eingereicht, in denen sie Stellungnahmen verlangen.

Interessenten nicht aufgenommen

Sie kritisieren auch, dass der Tierschutzverein neuerdings fordere, dass hilfesuchende Personen Mitglieder würden. Nicht-Mitglieder bekämen keine Futterspenden mehr und könnten Katzenfallen zum Einfangen wilder Tiere nicht mehr kostenlos ausleihen.

«Es liegen grobe Verstösse gegen Vereinsinteressen vor»
Auszug aus einem der Anträge

Obwohl der Tierschutzverein Mitglieder suche, seien Anträge mehrerer Personen abgelehnt oder nicht beantwortet worden. «Es liegen grobe Verstösse gegen Vereinsinteressen vor, wenn Mitgliedschaften ohne hinreichenden Grund verweigert werden», heisst es in einem der Anträge.

Heidy Kessler war nach ihrem Rücktritt als Präsidentin als Beisitzerin weiterhin gewähltes Mitglied des Vorstands. An Heiligabend bekam sie aber Post von ihrem Nachfolger: «Der Vorstand und ich haben festgestellt, dass du dich nicht mehr wohlfühlst bei uns», hiess es. Aus diesem Grund habe der Vorstand einstimmig beschlossen, sie als Beisitzerin zu verabschieden. Einer weiteren Beisitzerin erging es ebenso.

Vorstand soll so nicht gewählt sein

Laut Statuten ist die Mitgliederversammlung für Wahl und Abberufung des Vorstands zuständig. Heidy Kessler unterstreicht, dass der aktuelle Vorstand so nicht gewählt sei und somit keine Entscheidungsmacht habe.

Die Antragssteller prangern auch willkürliche Neuwahlen in den Vorstand während des Vereinsjahres an. Auf der Webseite würde eine Person als Kassier angegeben, die nicht gewählt sei. Beim beachtlichen Vermögen des Vereins könne das ein grosses Risiko sein, heisst es in einem der Anträge. «Ich fordere die Mitglieder auf, dass sie zur Versammlung am 1. März kommen, und sagen, was sie von all dem halten», so Kessler.

Präsident kündigt Statement an

Marti weist die Vorwürfe zurück. Er kündigt an, sich bei der Versammlung am 1. März dazu zu äussern. Der Präsident des Tierschutzvereins ist auch Tierschutzbeauftragter der Gemeinde Schmerikon und war dort bis September 2018 auch Teilzeit-Flüchtlingsbetreuer. «Das Vertragsverhältnis wurde inzwischen beendet», sagt Gemeindepräsident Félix Brunschwiler. Zu den Hintergründen könne er nichts sagen.

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