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Gigi vo Arosa: Der charismatische Skilehrer und der Kult-Hit

Der Mundart-Hit «Gigi vo Arosa» birgt spannende Verbindungen zu einer Mafia. Welche überraschenden Verknüpfungen es gab und welche Erinnerungen an dieses Lied bis heute anhalten, zeigt dieser Beitrag.

Bündner Woche
24.03.25 - 04:30 Uhr
Menschen & Schicksale
Der frühere Skilehrer Daniel Meisser – hier eine Aufnahme von 2024 – verkörperte die fiktive Figur des «Gigi vo Arosa».
Der frühere Skilehrer Daniel Meisser – hier eine Aufnahme von 2024 – verkörperte die fiktive Figur des «Gigi vo Arosa».
Bild Arosa Tourismus / Tomm Gadient

Ines Torellis Stimme erklingt wohl auch heute noch im einen oder anderen Kinderzimmer: Als Prinzessin, Hexe oder Fee in einem der vielen legendären «Kasperlitheater»-Hörspiele, die sie zusammen mit Jörg Schneider und Paul Bühlmann aufgenommen hat. Die 2019 verstorbene Schauspielerin bleibt aber auch als Theaterschauspielerin unvergessen. Auch Musik machte die gebürtige St. Gallerin. Und hier sind wir schon beim Thema: Der von ihr gesungen Hit «Gigi vo Arosa» feierte jüngst sein 50-Jahr-Jubiläum.Reisen wir also zurück ins Jahr 1975. Es war die Zeit, in der sich Schweizer Skigebiete zunehmender Beliebtheit erfreuten. Logisch, waren auch die Skischulen gut besucht. 

Der Beruf des Skilehrers wurde regelrecht zu einem Traumjob stilisiert: Der charmante Sunnyboy, der mit braun gebranntem Gesicht und keckem Lächeln seinen Schülerinnen den Kopf verdrehte. Zugleich waren die 70er-Jahre auch die Zeit der sogenannten «Schweizer Unterhaltungsmafia», die in Funk und Fernsehen sowie auf der Theaterbühne für Begeisterung sorgte. So erstaunt es nicht, dass sich diese «Mafia» vom Schneesport-Virus anstecken liess und ein passendes Lied herausbrachte: Der «Gigi vo Arosa», ein humorvoller Mundart-Hit, der das Leben auf der Piste besingt.

Der Song «Gigi vo Arosa», gesungen von Ines Torelli, wurde vor 50 Jahren veröffentlicht.
Der Song «Gigi vo Arosa», gesungen von Ines Torelli, wurde vor 50 Jahren veröffentlicht.
Bild zVg / Bild zVg

Vom Französischen ins Schweizerdeutsche

Der Text stammt aus der Feder des bekannten Theaterautors Hans Gmür – ein gebürtiger Bündner übrigens. Die Melodie allerdings wurde übernommen, und zwar vom Originalsong «Gigi l'amoroso», interpretiert von der italienisch-französischen Sängerin Dalida. Die Schweizer Version wurde – wie erwähnt – von Ines Torelli eingesungen. Sie war aber nicht das einzige Mitglied der «Unterhaltungsmafia», das am Song beteiligt war: Produziert wurde das Lied nämlich vom Trio Eugster.

Am Anfang bloss Dekoration

Mitten in der Wintersaison, am 29. Januar 1975, fand die Plattentaufe von «Gigi vo Arosa» statt. Ines Torelli, gekleidet in einen senfgelben Rollkragen-Pullover und mit einem Skihelm auf dem Kopf, gab den Song im Club «Mascotte» zum Besten. Doch was wäre eine solche Aufführung ohne Gigi? So wurde im Vorfeld die Skischule Arosa angefragt, ob sie nicht einen Skilehrer nach Zürich entsenden könne. Sie konnte. Daniel Meisser hiess der Herr, der mit Ines Torelli auf die Bühne durfte. «Ein Auswahlprozedere gab es in diesem Sinne nicht», erinnerte sich der heute 77-Jährige einmal in einem Interview mit Radio SRF. Während des Auftritts sei er eigentlich bloss «Dekoration» gewesen. Am Schluss aber überreichte er ihr einen Blumenstrauss – und fertig war die Plattentaufe.

Mythos bleibt präsent

Die beiden traten in Folge noch weitere Male zusammen auf. Und selbst als Ines Torelli nach Kanada ausgewandert war, besuchte der Aroser die pensionierte Schauspielerin in Übersee. Daniel Meisser versuchte sich sogar selber einst als Sänger. Seine Platte «Skiplausch im Schnee» war aber nicht gerade von Erfolg gekrönt. Der «Gigi vo Arosa» hingegen entwickelte sich schnell zu einem Klassiker der Schweizer Musikszene. 2008 trat Ines Torelli bei Fernsehsendung «Die grössten Schweizer Hits» noch ein letztes Mal mit dem «Evergreen» auf. Auch wenn seither nochmals einige Zeit vergangen ist: Der «Gigi vo Arosa» habe in den vergangenen fünf Jahrzehnten nichts von seinem Charme verloren, schreibt Arosa Tourismus in einer zum 50-Jahr-Jubiläum verfassten Medienmitteilung. 

Auch im Ort sei der Mythos weiter präsent. «Im Skigebiet Arosa Lenzerheide gibt es den Heidi- und-Gigi-Weg. Dieser ist eine spannende und anspruchsvolle Bergtour, die die beiden Gebiete Arosa und Lenzerheide verbindet und im Sommer sowie im Winter für perfekte Stunden am Berg sorgt.»

Der Mythos vom «Gigi» ist in Arosa auch heute noch spürbar.
Der Mythos vom «Gigi» ist in Arosa auch heute noch spürbar.
Bild Arosa Bergbahnen AG

Auszug aus dem Songtext

…Wenn ich stämma am Hang
Ja dänn gaht’s gar niä lang
Bis ich dr Schnee dänn mit mim Fudali wärm
Aber das isch mir schnurz
Dänn scho churz noch äm Sturz
Griift mir min Skischuellehrer unter d’Ärm
Und chumm berüehrt er mich
Scho juchz ich innerlich:

Das isch dä Gigi vo Arosa
Kei Frau im Ort wo Ehrewort nöd uf ihn stah tät
Gigi vo Arosa
Gfallt jedre Frau und isch si au no so lang verhürotät
Zeigt er am Hang eus lässig, wiä ma stämmt
So isch ei jedi glii total enthemmt...

Das isch dä Gigi vo Arosa
Er bricht im März pro Stund es Herz, au mis isch brochä
Gigi vo Arosa
Ich chumm s nächscht Jahr im Februar 
wieder ufe für drü Wüchä
und sägä hüt scho mit verchlärtem Blick:
Uf widergux du Tarzan vom Schanfigg...

Arosa ist nur einer von vielen Bündner Orten, die in Mundart-Hits besungen werden. Welche anderen es noch gibt, erfahren Sie auf buendnerwoche.ch.

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