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Auf Velotour in Buenos Aires

Kolumnistin Corina Gerster ist mit dem Fahrrad in Buenos Aires unterwegs – auch wenn der Verkehr dort nicht gerade für seine Sicherheit bekannt ist.

Linth-Zeitung
Donnerstag, 14. Februar 2019, 15:05 Uhr Kolumne: Quer durch die Welt
Kunterbunt: Streetart belebt die Strassen in Palermo, einem hübschen Stadtteil von Buenos Aires.
BILD CORINA GERSTER

Von Corina Gerster

In Argentinien kann man seinen Führerschein innerhalb von plus/minus einem Tag erlangen. Tun muss man dafür nicht viel, genau genommen nur parkieren. Isch leider kän Witz. Entsprechend ist der Strassenverkehr nicht grad für seine Sicherheit bekannt. Doch dank der Sommerferien ist die Hauptstadt von Januar bis März angenehm ruhig, ja beinahe ausgestorben. Perfekt, um in die Pedalen zu treten!

Los gehts in Palermo, einem wunderhübschen, eher echli schicken Stadtteil von Buenos Aires. Streetart verziert die Gassen und in den vielen hipsterigen Cafés und Restaurants kann man es sich richtig gutgehen lassen. Dem Veloweg (ja, das gibts!) entlang erstrampeln wir unseren Weg durchs doch sehr erdrückende Stadtzentrum bis nach La Boca. Dieses Viertel wurde einst von Einwanderern aus Genua bewohnt und immer wieder von Schwierigkeiten heimgesucht. Und es widerspiegelt nach wie vor Gegensätze. Ein Teil ist ultratouristisch herausgeputzt: Tangotänzer auf der Strasse, fröhlich bemalte Häuser und eine Tonne Touristen auf Souvenirjagd. Der Rest ist ziemlich arm, verhältnismässig runtergekommen und häufig Schauplatz diverser Krimiszenen. Mmhhh.

«Man fühlt sich glatt, als wäre man Teil der Nachbarschaft.»

Weiter gehts durch das grosszügige Reserva Ecologica am Rio de la Plata, wo trotz glühender Hitze wie wild gejoggt wird. Und ja, Buenos Aires liegt am Fluss, nicht am Meer. Merken tut mans kaum, weil der Rio bis zu 220 Kilometer breit wird. Und trotz fehlendem Meer gibts eine kleine Hafenanlage, die aussieht wie Rotterdam höchstpersönlich. Renovierte Fabrikgebäude und Hafenkräne zieren die moderne Flaniermeile. Suscht isch Buenos Aires grüen, grüen, grüen. Der botanische Garten sowie verschiedene Parks blühen nur so vor sich hin. Nach getaner Strampelei relaxt es sich da sowieso am besten. Der dortige Zufriedenheitsfaktor scheint nämlich besonders hoch: Hunde rennen rum, das Herrchen liest in der Sonne ein Buch – yes, Tageslicht bis nach 20 Uhr – und rundherum knistert es bei so manchem Tinderdate und ein paar frischverliebten Jugendlichen. «Hola» hier, «Como estas?» dort. Man fühlt sich glatt, als wäre man Teil der Nachbarschaft. Wahnsinn!

«Ich empfehle wärmstens, sich mit Empanadas einen guten Boden anzufuttern.»

Ebenfalls Wahnsinn ist, wie hammermässig der argentinische Weisswein nach über vier Stunden Fahrradfahren bei 35 Grad und prallem Sonnenschein einfährt. Prost Nägeli. Ich empfehle wärmstens, sich mit Empanadas einen guten Boden anzufuttern. Tatsächlich ist es möglich, im Land des Steaks vegetarische Köstlichkeiten zu finden. Hört, hört! Und Reinhauen fällt umso leichter, wenn ein Empanada nur 40 Rappen kostet. Da gönn ich mir zum Ausgleich des Wasserhaushalts doch gleich noch einen Jugo. So heisst nämlich der omnipräsente Saft aus Minze und Ingwer, den man stets in Literkaraffen kriegt. Aber Achtung: Unbedingt sin azucar (ohne Zucker) bestellen, sonst brösmeln einem gleich die Zähne weg. Was für ein süsser Start in dieses neue Abenteuer. Bienvenidos in Südamerika!

Corina Gerster, Weltreisende, ist in Benken aufgewachsen und lebte in der Schweiz zuletzt in Rapperswil-Jona.

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