So schützt ihr eure Haustiere am 1. August
Die Feuerwerke am 1. August sind für viele ein Freudentag. Doch viele Fellnasen reagieren auf die Knallerei mit panischer Angst. Eine Bündner Tierkommunikatorin gibt Tipps für den richtigen Umgang.
Die Feuerwerke am 1. August sind für viele ein Freudentag. Doch viele Fellnasen reagieren auf die Knallerei mit panischer Angst. Eine Bündner Tierkommunikatorin gibt Tipps für den richtigen Umgang.
Feuerwerke bieten buchstäblich Zündstoff für Diskussionen. Viele Schweizerinnen und Schweizer wollen es sich nicht nehmen lassen, den 1. August mit lautem Geknalle zu feiern. Unter schrecklicher Angst leiden dadurch Wild-, Nutz- und Haustiere, wie die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz in einer Mitteilung schreibt. «Hunde, die blind vor Angst verunfallen oder sensible Katzen, die sich in engen Verstecken verkriechen, aus denen sie sich nicht mehr befreien können: Aufgrund der enormen Menge an Feuerwerk, auch bereits vor oder sogar nach dem Nationalfeiertag, sind dies längst keine Einzelfälle mehr», warnt die Tierschutzorganisation. Die Tiere verkriechen sich oder winseln. Da sie viel besser hören als wir Menschen, nehmen sie die Umgebung noch intensiver wahr. Doch sie müssen nicht allein ihrem Schicksal überlassen werden.
Gegenüber Wildtieren: Haustiere leiden mehr
«Wildtiere sind weniger von der 1.- August-Knallerei betroffen, weil sie es von Natur aus normal empfinden, wenn es irgendwo knallt», erklärt Tierkommunikatorin Eleonora Fried aus Vulpera Tarasp. Falle zum Beispiel während der Jagd der erste Schuss, wisse das Wild bereits, was los sei und suche das Weite.
Bei Haustieren allerdings sollte der Mensch richtig reagieren. «Schaut der Mensch dem ängstlichen Tier direkt in die Augen, wird dieses in seiner Angst bestätigt. Dies könnte sogar den Stress noch verstärken.» Der Hund schaue beispielsweise immer zuerst, was seine Bezugsperson macht. «In dem Fall ist es am besten, wenn der Mensch entspannt bleibt und vorerst nicht auf das Tier eingeht.» Habe man ein junges Tier, sollte dies von Anfang an gut sozialisiert werden. «Es muss lernen, dass es nicht aussergewöhnlich ist, wenn es mal knallt oder ein Schuss losgeht.» So hätten die fünf Chihuahuas von Fried keine Angst vor dem 1. August. Aber: «Ein Fan von dem Tag bin ich trotzdem nicht.»
Mit viel positiver Energie: Darum singt die Tierkommunikatorin
Weiss der Hund, dass sein Frauchen oder Herrchen ausgeglichen und gelassen ist, so überträgt sich diese Energie auf das Tier, wie die Tierkommunikatorin erklärt. Die konsequente Körpersprache spiele eine wichtige Rolle – besonders bei panischen und sensiblen Haustieren. «Man tut dem Tier einen Gefallen, wenn man sowohl in alltäglichen als auch ausserordentlichen Situationen gelassen und ruhig bleibt.»
«Aus Liebe wird oft falsch gehandelt.»
Doch aus Liebe werde oftmals falsch gehandelt, indem das Tier getröstet werde. «Auch wenn der Mensch es gut meint, ist Mitleid meist kontraproduktiv und für beide Seiten unangenehm.» Dasselbe gelte, wenn man selbst ungeduldig werde oder gar ausraste. «Ich versuche stets, positive Energie auszustrahlen, und beginne zum Beispiel zu singen», so die Tierkennerin. Durch dieses Verhalten gehe positive Energie auf das Tier über. «Ist die Katze oder der Hund entspannt, kann man zwischendurch auf sie oder ihn zugehen und auch etwas streicheln.»
Ein Verhalten wie im Rudel
«Es macht nichts, alles wird gut.» Das sind Worte, die ein Kind versteht und wahrnimmt. Bei Tieren ist dies anders, schon seit dessen Ursprung: «In der Wildnis würde eine Spezies niemals überleben, wenn sie stets Angst vor Gefahr hätte.» Müsste in einem Rudel der Rudelführer all seinen Tieren Aufmerksamkeit schenken, würde das Rudel gemäss Fried nie weiterkommen und aussterben.
Allerdings gibt es Hunde oder Katzen, die bereits sehr schlechte Erfahrungen mit Knallereien gemacht haben. «In solchen Fällen ist es schwer, das Tier aus der Angst herauszuholen», meint Fried. Deshalb könnten sowohl Katzen wie auch Hunden bereits Tage vor dem 1. August oder allgemein in stressigen Situationen ein beruhigendes Naturmittel wie Passiflora verabreicht werden. Dabei ist es wichtig, auf die richtige Dosierung zu achten. Dadurch gelange es zurück ins Gleichgewicht und der Tag verlaufe für das Tier angenehmer.
Voneinander lernen
Die Tierkommunikatorin Eleonora Fried geht in den Austausch mit Tieren. Das gibt sie als Tipp an alle Hundebesitzerinnen und Katzenhalter: «Sind wir in Gedanken versunken, können wir uns nicht mit dem Tier verbinden. Dies braucht viel Vertrauen und Feingefühl. Es hilft manchmal, den Kopf abzuschalten und sich auf das Tier einzulassen. Denn sie sind wundervolle Lebewesen und wir können viel von ihnen lernen.»
Mit folgenden Tipps der Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz schützt ihr eure Tiere vor der Knallerei:
Nicht allein lassen
Unsere Schützlinge, welche das ganze Jahr über an unserer Seite sind, an diesem Tag nicht allein lassen und für sie da sein.
Schreckhafte Hunde während des ganzen Tages vorsorglich an die Leine nehmen
Die ersten Raketenknaller beginnen bereits am Morgen oder sogar am Vortag. Wenn ihr sie an die Leine nehmt, verhindert ihr, dass euer Hund erschrickt und davonläuft. Ebenso empfiehlt es sich, Freigänger-Katzen frühzeitig ins Haus zu holen und bis am 2. August unter Hausarrest zu stellen.
Hunde und Katzen kennzeichnen für den Fall, dass sie davonlaufen
Ein Mikrochip ist bei Hunden Pflicht. Dieser empfiehlt sich auch für Katzen, zudem eignet sich ein Halsband mit Namensschild und Telefonnummer als äusseres Kennzeichen.
Für extreme Fälle beim Tierarzt ein Medikament besorgen oder pflanzliche Mittel anwenden
Achtung: Niemals Medikamente ohne vorgängige Absprache mit dem Tierarzt verabreichen!
Ohrstöpsel sind für Haustiere tabu
Diese führen zu Verletzungen, denn Tiere haben andere Gehörgänge als Menschen.
Geräuschkulisse schaffen
Fenster und Läden schliessen und eine gewohnte Geräuschkulisse im Haus herstellen – Radio und TV dürfen jetzt ruhig mal etwas lauter sein, die 1.-August-Raketen sind es auch.
Dieser Artikel ist in abgeänderter Form bereits am 27. Juli 2024 erschienen.
Nicole Nett ist Redaktorin und Chefin vom Dienst für das Newsportal «suedostschweiz.ch». Die gelernte Kauffrau hat Multimedia Production studiert und lebt in der Bündner Herrschaft. Sie arbeitet seit 2017 für die Medienfamilie Südostschweiz.
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