Schwarzfahren in der Schweiz: Eine Million Vorfälle, aber positive Ausnahmen in Chur
Immer mehr Menschen fahren ohne gültiges Ticket im Bus und Zug. 2024 wurden in der Schweiz über eine Million Schwarzfahrervorfälle registriert. Einen Gegentrend verzeichnen jedoch der Churer und Engadiner Bus.
Immer mehr Menschen fahren ohne gültiges Ticket im Bus und Zug. 2024 wurden in der Schweiz über eine Million Schwarzfahrervorfälle registriert. Einen Gegentrend verzeichnen jedoch der Churer und Engadiner Bus.
Die Zahl der Schwarzfahrenden steigt Jahr für Jahr. 2022 wurden 821'000 Fälle registriert, 2023 waren es 919'000 und im vergangenen Jahr wurde die Millionengrenze überschritten. Das teilt Alliance Swisspass mit, ein Unternehmen, das verschiedene Mobilitätsdienste in der Schweiz digital vereint. Das bedeutet einen Anstieg von etwa zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Alliance Swisspass weist jedoch darauf hin, dass auch die Zahl der Reisenden in den vergangenen Jahren zugenommen hat.
Dunkle Zahlen trotz Schwarzfahrerregister
Seit 2019 gibt es in der Schweiz das Schwarzfahrerregister, das dazu beiträgt, Reisende ohne gültige Fahrscheine schneller zu identifizieren und die Praxis im ganzen Land zu vereinheitlichen. Personen, die ohne gültiges Ticket erwischt werden, landen dort. Der Vorfall wird nach zwei Jahren, solange kein weiterer Vorfall eintritt, wieder gelöscht.
Viele der Zug- und Busfahrgäste, die ohne gültigen Fahrausweis unterwegs sind, bleiben unentdeckt. Das führe zu erheblichen Einnahmeverlusten. Alliance SwissPass schätzt die Dunkelziffer als sehr hoch ein. Reisende ohne oder mit teilgültigem Fahrausweis könnten die Branche – und damit die Steuerzahler – jedes Jahr rund 200 Millionen Franken kosten, so die Medienstelle.
Während schweizweit die Zahl der Fahrten ohne gültiges Ticket steigen, scheint der Trend in Graubünden weniger drastisch zu sein. Das ergab eine Umfrage dieser Zeitung bei den Verkehrsunternehmen.
Die Rhätische Bahn ist weniger betroffen
Bei der Rhätischen Bahn (RhB) stellt das Problem von Fahrgästen ohne gültige Fahrausweise laut der Mediensprecherin weniger ein Thema dar. Dies sei vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Fahrgäste überwiegend touristisch unterwegs sind und die Plätze in den Panoramazügen vor der Fahrt reserviert werden müssen. Dennoch habe auch die RhB im vergangenen Jahr eine leichte Zunahme der Fahrten ohne gültige Tickets festgestellt. Diese kommen vor allem im Pendlerverkehr auf der Strecke Thusis–Landquart vor, so die Medienstelle.
Churer und Engadiner Bus: Rückgang der Schwarzfahrenden
Ein bemerkenswerter Trend zeigt sich bei den Buslinien in Chur und im Engadin: Hier sind die Zahlen der Schwarzfahrenden 2024 im Vergleich zum Vorjahr um 1,2 Prozent gesunken. Laut der Medienstelle des Unternehmens ist dies vor allem auf die erhöhten Kontrollstunden zurückzuführen. Sie betont, dass jeder Fahrgast, der ohne gültigen Fahrausweis kontrolliert wird, im nationalen Schwarzfahrerregister erfasst wird – unabhängig davon, welches Verkehrsmittel er genutzt hat. Auch die Gebühren für Schwarzfahren sind – mit wenigen Ausnahmen – bei allen Transportunternehmen und in allen Regionen der Schweiz einheitlich.
Gebühr für Reisen ohne gültigen Fahrausweis:
Erster Vorfall: CHF 100
Zweiter Vorfall: CHF 140
Dritter Vorfall: CHF 220 (inkl. CHF 50 für Strafantrag)
Im Betrag enthalten ist jeweils eine Fahrpreispauschale von CHF 10.
Gebühr für Reisen mit teilgültigem Fahrausweis, wie beispielsweise fehlender Klassenwechsel oder ohne Nachtzuschlag:
Vorfall: CHF 75
Vorfall: CHF 115
Vorfall: CHF 195 (inkl. CHF 50 für Strafantrag)
Im Betrag enthalten ist jeweils eine Fahrpreispauschale von CHF 5.
Zusätzliche Gebühren bei Missbrauch oder Flucht:
Missbrauch/Angabe falscher Personalien oder Flucht: CHF 100
Nachforschung nach korrekten Personalien: CHF 25 pro 15 Minuten
Mahnung bei Zahlungsverzug (über 30 Tage): CHF 40
Einleitung eines Strafantrags: CHF 50
Einleitung einer Betreibung: CHF 50
Fälschung oder Manipulation von Fahrausweisen: CHF 200
Die Allianz Swisspass hat bereits im Juli eine schweizweite Informationskampagne lanciert, um Kundinnen und Kunden dafür zu sensibilisieren, dass der Billettkauf vor der tatsächlichen Abfahrt eines Verkehrsmittels vollständig abgeschlossen sein muss. Der öffentliche Verkehr solle auch weiterhin für alle zuverlässig und fair bleiben, heisst es.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.
Guten Tag! Da wir in…
Guten Tag! Da wir in Graubünden aktuell die Aktionstage gegen Rassismus veranstalten, erlaube ich mich diesen Kommentar: Das Wort "Schwarz" wird leider oft mit negativen Eigenschaften verbrunden. So verfestigt sich die strukturelle Annahme, "Schwarz" sei etwas Schlechtes. Ich finde es eine spannende Aufgabe, meine Sprache daraufhin zu untersuchen. Was könnte ein Alternativbegriff sein? Ticketlosfahren? Unerlaubtfahren? Nichtbezahltfahren? Eine sprachliche Gewohnheit kann sich ja auch spielerisch ändern. Mir macht das Spass. In diesem Zusammenhang sage ich meist einfach "ohne Ticket fahren". Mit freundlichen Grüssen, Maike Lex
"Schwarz" kommt aus der Zeit…
"Schwarz" kommt aus der Zeit, als das Wort für Nichtweisse noch mit "N" begann. Schwarzseher (Pessimist oder Konzessionslosfernseher), Schwarzhörer, Schwarzsender.