Glarus Süd: Darum brauchst du die neue Notfall-App der Gemeinde – und so funktioniert sie
Beim Erdrutsch in Schwanden merkte die Gemeinde Glarus Süd, dass ihr ein direkter Kanal zu den Betroffenen fehlt. Nun lanciert die Gemeinde ihre eigene Notfall-App. Neun Fragen und Antworten dazu.
Beim Erdrutsch in Schwanden merkte die Gemeinde Glarus Süd, dass ihr ein direkter Kanal zu den Betroffenen fehlt. Nun lanciert die Gemeinde ihre eigene Notfall-App. Neun Fragen und Antworten dazu.
Wenn Naturgefahren wie Murgänge, Lawinen oder Hangrutsche drohen, zählt jede Minute. Um im Ernstfall gezielt und schnell zu informieren, hat die Gemeinde Glarus Süd jetzt eine eigene Notfall-App lanciert: «Glarus Süd Tilia». Bei der Entwicklung der App flossen die Lehren aus vergangenen Ereignissen wie dem Erdrutsch bei der Wagenrunse in Schwanden mit ein. Doch was genau kann die App – und für wen ist sie gemacht? Ein Überblick in neun Fragen und Antworten:
Für wen ist die App bestimmt?
Die App richtet sich in erster Linie an die Bevölkerung von Glarus Süd – insbesondere an Personen in gefährdeten Gebieten, die im Ereignisfall rasch informiert werden müssen. Zusätzlich profitieren auch Einsatzkräfte, Mitglieder der Gemeindeführungsorganisation oder Betreuende der Notfalltreffpunkte, die über einen geschützten Bereich der App gezielt benachrichtigt werden können.
Weshalb hat die Gemeinde Glarus Süd eine eigene Notfall-App?
Hauptsächlich wegen des grossen Erdrutsches bei der Wagenrunse in Schwanden, der sich am 29. August 2023 ereignete. Die Erdmassen, die sich auf einer Länge von über 400 Metern erstreckten, zerstörten oder beschädigten mehrere Gebäude. «Es war uns wichtig, ein System zu schaffen, das sowohl technisch überzeugt, lokal eingesetzt werden kann, als auch finanziell tragbar ist», erklärt Fritz Weber, Departementsleiter Gesellschaft und Sicherheit.
Wo bekommt man die App?
Die App «Glarus Süd Tilia» ist kostenlos im App Store (iOS) und im Google Play Store (Android) verfügbar. Beim Installieren ist darauf zu achten, den Empfang von Push-Nachrichten zuzulassen, damit relevante Informationen unmittelbar angezeigt werden können.
Wie funktioniert die App?
Die App ist nur im Notfall und bei ausserordentlichen Ereignissen aktiv. Etwa bei Naturgefahren wie Lawinen, Murgängen oder Felsstürzen. In solchen Fällen kann die Gemeinde die Betroffenen schnell und gezielt informieren, denn sie weiss, wo die Nutzenden wohnen. Sie sendet ihnen Push-Nachrichten. Für den Alltag oder reguläre Mitteilungen ist die App nicht vorgesehen. Neben der allgemeinen Bevölkerung können auch spezifische Gruppen über ein geschütztes System direkt alarmiert und koordiniert werden – etwa zur Mobilisierung oder Evakuation.
Was unterscheidet «Glarus Süd Tilia» von der «Alertswiss»-App?
Der Bund und die Kantone haben mit «Alertswiss» bereits eine Notfall-App, die eigentlich alle in der Schweiz installiert haben sollten. Die «Glarus Süd Tilia»-App kann hingegen einzelne Quartiere direkt alarmieren sowie jederzeit mit wichtigen Informationen versorgen – im Fall des Wagenrunse-Rutsches etwa die Bewohnenden des Plattenau-Quartiers.
Wer hat die App entwickelt?
Die App wurde von der Firma 2weeks Group AG mit Sitz in Glarus in enger Zusammenarbeit mit der Gemeindeführungsorganisation (GFO) von Glarus Süd entwickelt. Sie basiert auf einer bereits bestehenden Anwendung des Unternehmens, wurde jedoch gezielt auf die lokalen Bedürfnisse und Strukturen von Glarus Süd angepasst und weiterentwickelt. «Die partnerschaftliche Zusammenarbeit und die Einbindung von Erfahrungen aus realen Einsätzen waren zentrale Bestandteile der Entwicklung», sagt Weber.
Wie viel kostete die Entwicklung?
Die Entwicklungskosten wurden vollständig von den Entwicklern getragen. Für die Gemeinde Glarus Süd fallen lediglich einmalige Kosten im einstelligen Tausenderbereich sowie eine jährliche Nutzungsgebühr an. «Die günstige Lösung wurde möglich, weil die Gemeinde ihre praktischen Erfahrungen und Anforderungen aktiv in die Entwicklung eingebracht hat», erklärt Weber. Und er ist überzeugt: «Diese App kann nicht nur für Glarus Süd, sondern auch für viele andere Schweizer Gemeinden von Nutzen sein.»
Woher kommt der Name «Tilia»?
Der Name «Tilia» stammt vom lateinischen Begriff für die Linde. Die Linde hat traditionell einen hohen symbolischen Wert als Ort der Zusammenkunft und Kommunikation, etwa als Dorfbaum oder Versammlungsort. «Der Name stammt vom Entwicklerteam und wurde von der Gemeinde übernommen», sagt Weber.
Wie werden die Leute informiert, die keine Notfall-App der Gemeinde haben?
«Auch ohne die App bleibt die Notfallkommunikation in Glarus Süd wie bisher gewährleistet», betont Weber. Personen, die bereits in den bestehenden Notfallplanungen erfasst sind, erhalten weiterhin SMS-Benachrichtigungen. Zusätzlich kommen – je nach Lage – Sirenenalarme, Flugblätter oder direkte Kontaktaufnahmen zum Einsatz. Die App ergänzt diese bestehenden Kanäle, ersetzt sie aber nicht vollständig. «Im Ereignisfall geht es um beides: Alarmieren und informieren – die App übernimmt insbesondere Letzteres auf einem neuen, modernen Weg», sagt Weber.
Marco Lüthi ist Redaktor und Produzent bei den «Glarner Nachrichten» in Ennenda.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.