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Schnee liegt rekordhoch und fordert mehr Lawinenopfer

Schnee liegt rekordhoch und fordert mehr Lawinenopfer

In Chur wurde noch nie so viel Neuschnee gemessen; die Schneehöhe in den Bergen ist überdurchschnittlich. Bei Klosters verunfallte eine Person tödlich in einer Lawine – die Lawinensituation bleibt weiterhin heikel.

Ursina
Straub
vor 1 Monat in
Ereignisse
Viel Neuschnee und erhebliche Lawinengefahr: Piz Nair oberhalb Rueras bei Sedrun und Lawinenverbauungen Richtung Chrüzlistock. Bilder Olivia Aebli-Item

In den vergangenen Tagen fiel in Graubünden eine Rekordmenge an Schnee. Die Schneehöhe im Prättigau und im Unterengadin sowie in der Region Albula und Plessur ist denn auch überdurchschnittlich: Es liegt dort 1,7-mal so viel Schnee wie im langjährigen Mittel; und im übrigen Kanton immer noch eineinhalbmal so viel.

Die höchste Neuschneesumme innert drei Tagen fiel in Chur. 82 Zentimeter wurden bis am Samstagmorgen gemessen. «Das ist der höchste Drei-Tages-Neuschnee-Wert seit Beginn der Messungen vor 134 Jahren», sagt Jürg Trachsel vom WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF in Davos. Zu den Spitzenreitern der jeweiligen Messstationen gehören auch Siat in der Surselva, wo es in drei Tagen 146 Zentimeter der weissen Pracht schneite. Und in Valzeina im Prättigau fielen 139 Zentimeter.

Maximal viel Schnee an vier Orten

Bei der Schneehöhe stechen vier Messfelder heraus: In Sta. Maria, Valzeina, Vals und Sedrun wurde nämlich gestern Sonntag gemäss Lawinenforschungsinstitut eine neue Maximal-Schneehöhe für dieses Datum gemessen. In Sta. Maria betrug diese 80 Zentimeter, das bisherige Maximum am 17. Januar lag bei 77 Zentimetern. In Valzeina wurden als neues Maximum 119 Zentimeter gemessen, bislang lag der Höchststand bei 112 Zentimetern. In Vals ist das neue Maximum nun bei 102 Zentimetern (bislang 76 Zentimeter) und in Sedrun bei 120 Zentimetern (bislang 110 Zentimeter).

Schweizer am Casanna verschüttet

Der erste schöne Tag nach dem Schneewetter, der Samstag, forderte in der ganzen Schweiz drei Lawinenopfer, davon eines in Graubünden: Zwei Skifahrer wurden am Casanna oberhalb von Klosters von einer Lawine erfasst. Einer der Wintersportler konnte nur noch tot geborgen werden.

Bislang elf Lawinentote

Gemäss Statistik des Lawinenforschungsinstituts in Davos starben im aktuellen hydrologischen Jahr, also seit vergangenem Oktober, bislang elf Personen bei einem Lawinenunglück. Von Lawinen erfasst wurden seit Oktober 89 Personen, insgesamt kam es zu 68 Lawinenunfällen. «In den vergangenen 20 Jahren starben durchschnittlich bis Ende Januar acht Menschen in Lawinen. Somit gab es in diesem Winter bis jetzt überdurchschnittlich viele Lawinentote», sagt Lawinenwarner Trachsel.

Weiterhin ungünstig bleibt die Lawinensituation ausserhalb der gesicherten Pisten. Die Schneedecke ist gemäss Trachsel schlecht aufgebaut, und zwar bis unter die Waldgrenze. Der Altschnee weist ausgeprägte Schwachschichten auf und bietet somit eine schlechte Unterlage. Darauf fiel nun viel Neuschnee, welcher mit dem starken Nordwestwind von Sonntag noch verfrachtet wurde. «Es bildet sich somit Triebschnee, der die angespannte Lawinensituation noch gefährlicher macht», erklärt Trachsel.

Mit Föhn wirds nicht besser

Die für nächste Woche erwartete Föhnlage macht die Situation nicht besser. Und die ausgeprägten Schwachschichten bleiben gemäss Trachsel womöglich noch Tage oder Wochen erhalten. Wintersportler können in diesen schwachen Schichten selbst dann noch Lawinen auslösen, wenn sie mit viel Neuschnee überdeckt sind. «Schneesportler und Tourengängerinnen, die wenig Erfahrung in der Beurteilung der Lawinengefahr haben, sollten auf den geöffneten Pisten und gesicherten Schneeschuhtrails bleiben», unterstreicht Trachsel.

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