×

Graubünden ist auf das Permafrost-Problem eingestellt

Eine Gondelbahn im Wallis steht wegen aufgetautem Permafrost still. Auch in Graubünden gibt es viele Permafrost-Gebiete. Doch man ist im Kanton für das Problem gewappnet.

Patrick
Kuoni
Freitag, 11. Oktober 2019, 04:30 Uhr Ein Problem für Gondelbahnen?

Kürzlich sorgte eine Meldung aus dem Kanton Wallis für Aufsehen. Der Betrieb der Pendelbahn Fiescheralp bis Eggishorn musste vom einen auf den anderen Tag eingestellt werden. Grund dafür war gemäss den Verantwortlichen der Aletsch Bahnen AG das Auftauen des Permafrosts im Bereich der Bergstation. Dieses Auftauen habe zu einer Geländeabsenkung geführt. Das Problem muss nun mit baulichen Massnahmen gelöst werden. Unter dem Begriff Permafrost versteht man Sediment oder Gestein, das während des ganzen Jahres gefroren ist.

Drei Mechanismen als Auslöser

Doch warum sind Bergbahnen überhaupt vom Permafrost-Problem betroffen? Gemäss dem Engadiner Glaziologen Felix Keller führen drei Mechanismen dazu, dass Permafrost für Seilbahnen zum Problem werden kann. Anfänglich werde der Fels durch das Eis in den Klüften geschwächt. Schmelze das Eis, so führe das Wasser zu einer weiteren Schwächung des Felsen. Da gleichzeitig der Raum, der zuvor durch das Eis ausgefüllt wurde, leer sei, fehle die Stabilität im Inneren des Felsen.

Häufig sei es aber nicht alleine Permafrost, der zu Problemen führe, andere Faktoren wie beispielsweise eine ungünstige Schichtung würden ebenfalls Einfluss haben. «Deshalb ist es selbst unter Fachleuten schwierig herauszufinden, was die Hauptursache für das Problem ist.»

Gebiete in Graubünden betroffen

In Graubünden gibt es zahlreiche Permafrostgebiete. So beispielsweise im Puschlav, im Ober- und Unterengadin, im Bergell und im Bündner Oberland. Die Permafrostgebiete findet man gemäss Keller in den Nordhängen ab 2500 Metern, in Südexpositionen oberhalb von 3000 Metern und an einigen weiteren Stellen bereits ab 2000 Metern.

Eines dieser Permafrostgebiete befindet sich in der Region Murtèl-Corvatsch. Die Bergbahnen Corvatsch machten denn auch bereits einige Erfahrungen mit dem unruhigen Untergrund. «Die Bergstation Corvatsch ist in Bewegung. Wir reden hier allerdings von Millimeter-Bereichen», erklärt der CEO der Corvatsch AG, Markus Moser. Die Bergbahnen überwache die Bergstation, die sich auf 3300 Meter über Meer befindet, bereits seit 1963 zusammen mit der ETH, um frühzeitig auf entsprechende Verschiebungen reagieren zu können. «Bei Bauten an solch exponierten Standorten ist ein Kontrollsystem wichtig, damit man frühzeitig informiert ist, wenn sich etwas bewegt», erklärt Moser.

PERMAFROSTHINWEISKARTE VON SWISSTOPO

Glaziologe Keller bezeichnet Corvatsch als mustergültig, was den Umgang mit Permafrost angeht. So sei vor knapp zwei Jahrzehnten eine Verschiebung der Bergstation ein Thema gewesen. Die Bergbahnen hätten aber nach Abklärungen darauf verzichtet, da sie aufgrund der instabilen Lage des Untergrundes Risiken eingegangen wären. «Es kam dann zwar Aufregung auf, weil man enttäuscht war, dass der neue Standort nicht in Frage kommt. Letztlich war es aber die richtige Entscheidung, die Bergstation am alten Standort zu belassen», so Keller. So habe man bis heute grössere Probleme vermeiden können.

Mastenstandorte abgeklärt

Gemäss Moser hat man auch bei neueren Bauten von früheren Erfahrungen profitiert. So seien beim Bau der Sesselbahn Curtinella vor drei Jahren die Mastenstandorte für die Bahn genau abgeklärt worden. «So konnten wir Orte mit viel Bodenverschiebungen umgehen», sagt der CEO der Corvatsch AG.

Mit früheren Erfahrungen ist wohl auch die 2008 eröffnete Gondelbahn auf den Corvatsch gemeint. Damals hielt ein Verwaltungsrat bei der Eröffnung fest, dass es eine grosse Herausforderung sei, in einer von Permafrost zerklüfteten Landschaft zu bauen. So mussten damals die Fundamente der beiden Masten neu gebaut, der obere Masten gar um einige Meter versetzt werden.

Problem nicht dramatisch

Trotz nötiger baulicher Massnahmen wie diesen sieht Keller gesamthaft das Permafrost-Problem in der Schweiz heute nicht mehr als dramatisch an. «In den letzten 20 Jahren wurden grosse Anstrengungen in der Permafrost-Forschung unternommen, sodass die Bergbahnen nun auf dieses Phänomen gut vorbereitet sind.»

Kommentar schreiben

Kommentar senden