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Google Maps der Neunzigerjahre

Nicole
Nett
29.06.22 - 16:30 Uhr
Bild Gaetan Bally / Keystone

«OK Boomer» versus «Wa hesch denn du scho erlebt du huere Banane?» Im Blog «Zillennials» beleuchten die Vertreterin der Generation Z, Nicole Nett, und die Millennials Mara Schlumpf und David Eichler in loser Folge aktuelle Themen. Im Idealfall sorgen die drei damit für mehr Verständnis zwischen den Generationen. Minimal hoffen sie, für etwas Unterhaltung, Denkanstösse und den einen oder anderen Lacher zu sorgen.

Viele verreisen in den nächsten Wochen und Monaten wieder in die wohlverdienten Sommerferien. Während die einen mit den öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sind, bevorzugen die anderen einen Roadtrip mit dem Auto. Praktisch jeder Wagen hat heutzutage ein integriertes Navigationsgerät. Vor der Reise muss man nur noch kurz das Ziel eintippen und schon wird einem die beste und schnellste Route auf dem Display angezeigt. Die modernen Navis wissen sogar auch noch, ob und wo es Stau gibt. Dann schlägt es eine andere Route vor. Für die eher ortsunkundigen Fahrerinnen und Fahrer ist dies eine extreme Erleichterung.

In meiner Kindheit war eine Reise mit dem Auto immer ein besonderes Erlebnis. Man wusste nie recht, wie und ob man am richtigen Ziel ankommt. So war es zumindest der Fall, als wir einmal nach Luzern ins Verkehrshaus fahren wollten. Meine beiden Schwestern und ich haben uns riesig auf den Vierwaldstättersee, den witzigen Flugsimulator und das «Imax» gefreut. Doch für uns Landeier war es nicht einfach, dieses Ziel zu erreichen. So verpasste mein Vater irgendwo die Ausfahrt und wir waren plötzlich auf dem falschen Weg unterwegs. Meine Mutter kramte eine uralte Schweizer Karte aus dem Handschuhfach hervor – doch vergebens.

Schlussendlich landeten wir in Zürich. Ja, mitten in Zürich City – umgeben von Autos, Buslinien und Tramschienen. Niemand war sich gewohnt, in der Grossstadt zu fahren. Oh, haben wir damals Blut geschwitzt. Mein Vater war ebenso verzweifelt wie meine Mutter, als wir auf einer Tramschiene stehen geblieben sind. Prompt musste uns auch noch ein hupendes Tram entgegenkommen. Zum Glück konnte mein Vater rechtzeitig ausweichen. Gelandet sind wir schliesslich im Zürcher Landesmuseum. Und das war für uns Teenies echt langweilig. 

Wenn man damals ein Navi gehabt hätte, wäre alles bestimmt ganz anders abgelaufen. Trotzdem erinnere ich mich heute noch gerne an diesen Tag zurück. Zwar gab es weniger Action im Verkehrshaus, dafür aber im Strassenverkehr.

«Früher war man wirklich verloren, wenn man nicht mehr wusste, wo man ist.»

Früher war man wirklich verloren, wenn man nicht mehr wusste, wo man ist. Heute wäre es unvorstellbar, könnte man nicht einfach kurz sein Handy zücken und sich auf Google Maps orientieren. Da hat die Technik in den vergangenen 20 Jahren enorme Fortschritte gemacht. So kann man sich zum Beispiel für eine Reise sogar Sehenswürdigkeiten und Lieblingscafés abspeichern lassen.

Ich finde es toll, gibt es Google Maps und Co. Vor allem in den Ferien im Ausland ist es praktisch, sich immer den aktuellen Standort anzeigen und sich über eine Route führen zu lassen. Dennoch ist es ab und zu auch erfrischend, seinem eigenen «Offline»-Instinkt zu folgen. Eine Fahrt ins Blaue sozusagen. Einfach mal losgehen und schauen, wohin der Weg führt. Das kann je nachdem noch erlebnisreicher sein als eine völlig durchgetaktete Reise mit detailliertem Ziel- und Zeitplan. Trotzdem ist es dann aber doch beruhigend, dass man sich orten kann, sobald man wirklich «lost» ist.

Die «Südostschweiz»-Redaktion wünscht euch allen schöne und erholsame Sommerferien. Geniesst die Sonne und die Zeit mit euren Liebsten.

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