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Agro + Tourismus: Ein Schlüssel für die Zukunft

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MARCO HARTMANN
HTW
Chur

An der Fachhochschule Graubünden in Chur wird ausgebildet und geforscht. 1600 Studierende besuchen Bachelor-, Master- und Weiterbildungsstudiengänge. In diesem Blog geben Studierende, Dozenten und Mitarbeiter Einblicke in den Hochschulalltag und in Themen, welche sie gerade beschäftigen.

Von Werner Hediger

Landwirtschaft und Tourismus sind wichtig für den Alpenraum, auch in Graubünden. In vielen Tälern unseres Kantons sind diese eher strukturschwachen Branchen verhältnismässig stark vertreten. In beiden sind Investitionen notwendig, um den drängenden Strukturwandel positiv zu gestalten. Beide Branchen sind aber auch in vielfältiger Art und Weise miteinander verflochten, was Chancen für organisatorische Innovationen und Kooperationen bietet, wie verschiedene Beispiele bereits veranschaulichen.

Hoteliers und Gastronomen beziehen Nahrungsmittel von lokalen Produzenten. So entsteht eine formelle oder informelle Integration entlang der regionalen Wertschöpfungskette. Davon profitieren Landwirte, die Gastronomie und letztlich auch die Gäste, welche immer mehr Regionalität und Authentizität nachfragen, auch bei den Nahrungsmitteln. Daraus erklärt sich die zentrale Bedeutung der Zusammenarbeit bei lokalen Nahrungsmitteln.

Es bestehen aber noch Potenziale für eine vermehrte Zusammenarbeit zwischen Landwirtschaft und Tourismus. Noch haben nicht alle Akteure den Weg zur Kooperation gefunden, und die Landwirtschaft liefert auch weitere Werte, die dem Tourismus zu Gute kommen. So ist die Landwirtschaft vielerorts ein prägendes Element der einmaligen Landschaften, die von Touristinnen und Touristen gesucht werden, um sich zu erholen, sportlich zu betätigen und kulturellen Erlebnissen nachzugehen. Ohne Landwirtschaft sähe die Landschaft in vielen Tälern ganz anders aus – und somit auch der Tourismus. Durch Verbindung von Kulinarik, Landschaft und Kultur entstehen neue Wertschöpfungspotenziale, die sich insbesondere durch eine verstärkte Zusammenarbeit zwischen den beiden Branchen erschliessen lassen.

Einzelne Landwirtschafts- und Gastrobetriebe können, wie bestehende Beispiele zeigen, direkt aufeinander zugehen und den Gästen lokale Produkte anbieten. Auf diese Weise lassen sich nicht nur Verpflegung und Kulinarik, sondern auch Emotionen und weitergehende Erlebnisse vermitteln. Geschichten zu den Produkten sind gefragt, und möglicherweise auch Besuche bei den Produzenten und Verarbeitern. Verköstigungen und Übernachtungen auf Bauernhöfen können genauso dazu gehören wie das Einkaufen im Hofladen, um am Ende der Ferien regionale Köstlichkeiten mit nach Hause zu nehmen oder diese in der eigenen Ferienwohnung selber zubereiten zu können.

Der Gast benötigt dafür aber Informationen, die ihm der Gastronom, der Hotelier oder die lokale Tourismusorganisation geben können. Gesamtpakete mit Übernachtungen im Hotel und Erlebnissen in der lokalen Gastronomie und auf Bauernhöfen in der Region können ein weiterer Schlüssel sein. Dies kann weiterhin durch betriebliche Zusammenarbeit und Netzwerke im Kleinen erfolgen. Ein regionaler Ansatz bietet aber noch zusätzliches Potenzial, insbesondere wenn die Zusammenarbeit nicht auf Nahrungsmittel beschränkt bleibt, sondern in vielfältiger Weise gastronomische und touristische Erlebnisse integriert. «Agro+Tourismus» («Agro plus Tourismus») heisst der Schlüssel für Innovation durch Begegnung und Offenheit, damit alle Akteure im agrotouristischen System einer Region profitieren können.

Prof. Dr. Werner Hediger leitet das Zentrum für wirtschaftspolitische Forschung (ZWF). Seine Forschungschwerpunkte gelten Fragen zur Nachhaltigkeit und nachhaltigen Entwicklung auf lokaler bis globaler Ebene, dem wirtschaftlichen Umgang mit der Umwelt und natürlichen Ressourcen sowie der Bedeutung von Innovation und technischem Fortschritt in diesen Themenfeldern. Aktuell stehen Fragen zu Wasserkraft, Landwirtschaft und Tourismus im Mittelpunkt seiner Forschung. Die Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur diskutiert an dieser Stelle alle vier Wochen Ideen für den Bündner Tourismus.

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