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Die Rolle des Trainers im Mountainbike-Sport

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Südostschweiz

Spitzensport – für die meisten Athletinnen und Athleten bedeutet dies harte Arbeit, Entbehrungen und eine grosse Portion Leidenschaft. Im Format «Sportlerblog» schreiben junge Bündner Sporttalente über ihren Weg an die Spitze.

von Vital Albin*

Ich werde immer wieder gefragt, wer denn mein Trainer ist. Muss ich ihn selber bezahlen? Ist er vom Team oder vom Verband angestellt? Trainiere ich mit ihm zusammen? Wie kontrolliert er die Umsetzung der Trainingspläne?

In unserem Sport sucht sich grundsätzlich jeder Athlet selbstständig einen Trainer aus und muss ihn selbst bezahlen. Das sind oft ehemalige Profis, ausgebildete Trainer oder Sportwissenschaftler. Sie stehen im Austausch mit den Athleten und suchen den besten Weg, damit sie ihr volles Potenzial ausschöpfen können.  Sie schreiben die Pläne, welche die Athleten dann umsetzen. Die Eckdaten umfassen Zeit, Trainingsgerät, Wattzahlen oder Herzfrequenzbereiche. Doch die Umsetzung funktioniert nicht immer planmässig, beide Parteien müssen flexibel bleiben. Je nach Witterung, Zeit, Schlaf, Krankheit oder persönliche Probleme kommen Änderungen vor.

Die grosse Herausforderung in unserem Sport ist die Balance zwischen Ausdauer- und Intensitätstraining zu finden. Unser Wettkampf dauert 80-90 Minuten, eigentlich klar ein Ausdauersport. Das Streckenprofil ist mittlerweile aber so versiert, dass wir uns auch am Start beweisen, aus den Kurven beschleunigen und kurze intensive Aufstiege bewältigen müssen. Zu guter Letzt müssen wir auch technisch auf einem hohen Niveau sein, denn bei anspruchsvollen Strecken kann man viel Zeit in den Abfahrten gewinnen oder verlieren. Und wer technisch auf hohem Niveau ist, kann sich während der Abfahrt besser erholen.

Die Athleten nehmen ihre Trainingsdaten mit einem Velocomputer (Garmin, Polar etc.) auf und laden diese dann auf eine Plattform hoch. Die entscheidenden Daten sind Zeit in Bewegung, Wattzahlen und Herzfrequenzwerte. Die üblichen Plattformen, um diese Dateien mit dem Trainer zu teilen sind «TrainingPeaks» und «GoldenCheetah». Ich habe zum Beispiel auf «GoldenCheetah» alle Dateien seit 2015 gespeichert. Somit kann ich jedes einzelne Training oder jeden einzelnen Wettkampf zurückverfolgen. Sagen wir mal, mein grösstes Ziel der Saison – falls es noch stattfindet – wäre der Weltcup in der Lenzerheide. Um mich optimal vorzubereiten, würde mein Trainer meine Daten der letzten Jahre analysieren bzw. die Länge und Intensität (Wattzahlen) der Beanspruchungen evaluieren. Genau diese Intensitäten kann er dann in einen optimalen Trainingsplan umsetzen, um das festgelegte Ziel zu erreichen.

Ab einem gewissen Niveau trainiert der Mountainbiker häufig alleine.
VITAL ALBIN

Unabhängig vom persönlichen Trainer gibt es auch die Verbandstrainer. Beim nationalen Verband Swiss Cycling sind folgende Stufen gegeben: Nationalkader, Regionalkader, Trainingsstützpunkt sowie die unabhängigen Verbände, wie zum Beispiel der Veloclub Surselva. Im Vereinsbereich führen J&S-Leiter meist ehrenamtlich die Trainings. Im Nachwuchsbereich finden geführte Trainings statt, wo alle Niveaus vertreten sind und der Spass im Vordergrund steht. Die Trainer vom National- und Regionalkader sowie die Trainingsstützpunkte sind ausgebildete Trainer, welche vom nationalen Verband angestellt sind. Sie leiten die Trainings, bei denen die Leistungs- und Technikverbesserung im Vordergrund stehen. Im zunehmenden Alter wird das Training jedoch individueller. In meinem Fall erlebte ich, dass ab dem Nationalkader U23 individuelle Trainings stattfinden, auch wenn wir zusammen im Trainingslager sind. Es kann aber durchaus sein, dass Athleten gemeinsam trainieren, wenn sie ähnliche Trainingsvorgaben haben.

Wer bezahlt den Trainer? Das Verhältnis zwischen dem Sportler und dem Trainer sieht folgendermassen aus: Der Trainer bietet mit seinen Kompetenzen eine Dienstleistung an und der Athlet verrichtet ihm dafür eine finanzielle Entschädigung. Die Kosten für einen Trainer belaufen sich auf mehrere Tausend Franken im Jahr. Diese Kosten übernehmen die Athleten üblicherweise selbst, dies im Gegensatz zu den Strassenprofis, wo es generell so ist, dass der Trainer vom Team bezahlt wird. Die Rolle des individuellen Trainers umfasst die Analyse und Planung der Daten des von ihm betreuten Athleten. Im Gegensatz zu anderen Sportarten ist der Trainer im Mountainbike-Sport sehr selten bei den Trainings dabei.

*Der Tersnauser Vital Albin ist eines der grössten Schweizer Mountainbike-Talente. 2019 wurde der 21-Jährige an den Weltmeisterschaften in der U23-Kategorie Dritter im Cross Country. Für «suedostschweiz.ch» gibt Euch Albin während der Saison 2020 Einblicke in das Leben eines Mountainbike-Profis.

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