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Herzschmerz par excellence

Single
Böckin
08.12.21 - 16:18 Uhr
Taylor Swift im Video «All Too Well».
Taylor Swift im Video «All Too Well».
Bild Screenshot

Bau ein Haus, pflanz einen Baum, mach ein Kind – dass dieser Lebensentwurf nicht zwangsläufig auf jeden Menschen zugeschnitten ist, beweisen die anonymen Liebesbriefe ans wunderschöne, elende Single-Leben. Ein Hoch auf Selbstgespräche, Dosen-Ravioli und Liebeleien.

Nein, ich habe im Moment keinen, keine Sorge, ihr habt nichts verpasst. Zumindest keinen aktuellen. Taylor Swift hat es jedoch tatsächlich geschafft, dass ich nach mittlerweile mehreren Jahren wieder einmal in Tränen aufgelöst auf meinem Küchenboden sass.

Es ist jetzt einige Wochen her, seit die Sängerin ihre Version des Albums «Red» erneut aufgenommen hat (lange Geschichte wieso, die Rechte an den Songs hat sie jetzt auf jeden Fall wieder), und hiermit bekenne ich mich zu einem langjährigen «Swiftie». Ihre Texte und Alben waren existenziell in der Zeit, als ich tatsächlich durch eine frische Trennung ging. Nichts heilt die Seele mehr, als die Lyrics zu ein paar ihrer grössten Hits laut ins Nichts zu schreien, denn nein, we’re never ever getting back together.

Der Song, der mich damals wohl am meisten berührt und begleitet hat, war jedoch «All Too Well», für mich wohl für immer der beste Song, den sie je geschrieben hat. Unnötig zu erwähnen, dass sie damals ebenfalls eine nicht so tolle Zeit durchgemacht hat. Der Song hat in seiner ursprünglichen Form bereits ein unglaublich detailliertes Bild gezeichnet, was es für sie hiess, verlassen zu werden. Auf dem neuesten Album gibt es jetzt eine zehnminütige Version, die sie damals geschrieben, aber nie an die Öffentlichkeit gebracht hat. Zehn Minuten. Herzschmerz par excellence.

Ich habe mich ziemlich auf den Song gefreut, da ich dachte, ich wäre fein raus. Ist ja nicht so, als hätte ich in letzter Zeit gross Grund gehabt, ein gebrochenes Herz zu haben. Ich lag falsch. Offenbar ist die Erinnerung, die ich mit dem Song verbinde, doch noch stark genug, um mich in ein kleines Häufchen Elend zu verwandeln. Zumindest für gute zehn Minuten. Zu allem Übel gab es dazu nämlich auch noch ein Musikvideo, welches das Ganze gleich noch ein wenig schmerzhafter macht.

Im Allgemeinen hat mir das erste Mal Durchhören der zwei Stunden den einen oder anderen Stich in die Brust versetzt, als wäre ich wieder ein paar Jahre jünger und die Welt stünde kurz vor ihrem Ende. Ich war ein wenig baff, nachdem die letzten Töne des eben oben genannten Songs verklungen waren, und habe ein paar Minuten gebraucht, um wieder im Hier und Jetzt anzukommen. Um die Vergangenheit, die sich kurz ziemlich präsent gezeigt hat, wieder dahin zurück zu verbannen, wo sie hingehört. In ein kleines Eckchen in meinem Kopf, als nichts mehr als eine Erinnerung. Danach ging es mir besser.

Moral der Geschichte? Zeit heilt tatsächlich alle Wunden, und die einzige Person, der ich ab jetzt noch erlaube, mir Herzschmerz zu bereiten, ist Taylor Swift. Erinnerungen, so sehr sie auch schmerzen können, sind das wertvollste Gut, und aus jeder noch so taffen Situation lernt man und kommt stärker wieder raus.

Das wars von mir für diese Woche und wenn ihr zehn Minuten Zeit habt, dann hört mal rein. Vielleicht nicht gerade dann, wenn ihr selbst eine Trennung durchmacht, oder eben genau dann. Passt auf euch auf!

Eure Singleböckin

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