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Der Pirat, der die Bündner vom Comersee vertrieb

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Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Vor gut 500 Jahren eroberten die Bündner das Veltlin und vertrieben 1512 die verhassten Franzosen aus den Tälern. Für 12 Jahre kontrollierten sie diese samt dem obersten Teil des Comersees bis zu den strategisch wichtigen Engpässen bei Musso und der Halbinsel Piona am West- und Ostufer des Sees. Dann trieb ein Kosar und Raubritter sie aus der schönen Küstenregion «Drei Pleven»/ Tre Pievi in die spätere Spanische Ebene «Pian di Spagna» zurück, durch die fortan die Grenze verlief (Müsserkrieg).

Der legendäre Kriegsherr ist als «Il Medeghino» in die Geschichte eingegangen. Sein Name: Gian Giacomo de Medici. Sein Bruder war Papst Pius IV., sein Enkel der Heilige Carlo Borromeo.

Il Medeghino war das pure Gegenteil eines Heiligen, dafür ein abgebrühter Renaissance Charakter per excellence, der die Bündner hasste und zur Weissglut trieb. John Addington Symonds hat die unglaubliche Geschichte des Medeghino in einer Studie aufgezeichnet: http://www.gutenberg.org/files/18893/18893-8.txt

Eine Zusammenfassung auf Deutsch folgt anschliessend an diesen Blog:

Symonds stellt das skrupellose Leben und Verhalten von Medeghin der reinen Schönheit des Doms von Como gegenüber, der zu dessen Lebzeit vollendet wurde. Machiavelli, Mord und Totschlag auf der einen Seite, blühende Kunst und Kultur auf der anderen – das ist die Renaissance in Italien. Dass die Bünder und Eidgenossen dabei militärisch mitgewirkt haben ist bekannt: Gründung der päpstlichen Schweizergarde in Rom (1509), Eroberung des Tessins, Veltlins, Val Chiavenna und Bormio (1512), Marignano (1515). Dass sich dabei oft Landsleute in den Schlachten gegenüberstanden, können wir uns heute nicht mehr vorstellen. Der eigentliche Sieger von Marginano, der die Schlacht als Marschall im Solde Frankreichs gewonnen hatte, war Gian Giacomo Trivulzio (1442 – 1518), der das Bündner Bürgerrecht hatte und die Festung Mesocco besass.

Die Bündner behielten ihre südlichen Untertanenlande 285 Jahre lang bis 1797 die Franzosen sie ihnen wieder abnahmen. Am Wienerkongress 1815 holten sich die Habsburger die Lombardei samt den ehemaligen Bündnerlanden und Veneto zurück und bauten vor 200 Jahren die Militärstrasse von Mailand dem Comersee entlang über das Stilfserjoch, den Reschenpass via Landeck und Innsbruck nach Wien.

Die imposante Passtrasse von Chiavenna nach Splügen finanzierten auch die Österreicher.

Heute gibt es am obersten Comersee zwischen Musso und der Piona-Halbinsel eine wachsende Bündner «Diaspora», die die schönen Ufer der Tre Pievi zur Ferienheimat gewählt hat. Der Medeghin wird sich deshalb kaum im Grab umdrehen. Für ihn ist seinerzeit die Rechnung aufgegangen – auf Kosten der Bündner.

Wie aktuell Machiavelli auch 500 Jahre nach dem Medeghin heute noch ist, zeigt der brillante NZZ-Beitrag von Damiano Cantone über die Politik in Italien vom 9. 9. 2019.

https://www.nzz.ch/feuilleton/regieren-mit-machiavelli-wie-giuseppe-conte-zum-premier-wurde-zum-gefeierten-staatsmann-wird-eine-story-alla-italiana-ld.1507068

KARTE: NZZ-INFOGRAFIK

Geboren wurde Gian Giacomo 1498 in Mailand, zu Beginn des dunkelsten Kapitels der italienischen Geschichte, als die alten Strukturen von Gesellschaft und Politik durch fremde Armeen zerschlagen wurden: Schweizer und Bündner, Franzosen, der Vatikan, Habsburger/Deutsche und Spanier. Durch die «Raubzüge der Bergler» gingen dem Herzogtum Mailand 1512 einige der schönsten Regionen verloren (Tessin, Veltlin, Chiavenna, Bormio), die seine Adligen und Bewohner wieder zurück wollten.

Gian Giacomos Mutter war Cecilia Serbelloni aus alt eingesessener Familie. Sie erzog den Jungen in der damals modischen humanistischen Tradition zwischen römischen Helden und Machiavelli: egoistisch, gewalttätig, virtuos mit List und Intrigen, kalt und gleichgültig moralischen Werten gegenüber. Mit 16 Jahren beging unser Protagonist einen brutalen Meuchelmord an einem ihm verhassten Mann. Er musste die Stadt verlassen, empfahl sich durch seine Skrupellosigkeit aber gleichzeitig den damaligen Condottiere/Freibeutern als Virtuose der Waffengewalt.

In seinem «Exil» fiel ihm bei Musso am oberen Comersee die einzigartige Verteidigungslage des dortigen Fels-Kastells über dem steilen Ufer auf. Sofort hatte er den Ehrgeiz, Gouverneur dieses Schlosses zu werden.

Musso liegt zwischen Gravedona und Menaggio am rechten Ufer des Comersees. Auf einem Felssockel situiert und von einer jähen Klippe überragt, stand dort auch ein uralter Turm, der das Uferland beherrschte.

Zwischen Turm und See hatten die Visconti ein viereckiges Festungswerk gebaut, und die Landzunge war weiter verstärkt worden durch Verbindungsmauern und Bollwerke mit Kanonenluken. Die Kombination von steilen Klippen, starken Türmen und leichtem Zugang vom See bildete die Festung von Musso als idealen Ort für einen Seeräuber. Solange er über den See herrschte, brauchte er sich vor einem Landangriff nicht zu fürchten, also verfügte er über einen hervorragenden Stützpunkt für aggressive Ausfälle und Hinterhalte.

Medeghino legte seine Fürbitte dem Herzog von Mailand vor. Der schlaue Sforza wollte ihm eine klare Antwort erteilen: Könne er dem Herzog einen lästigen Untertan, den noblen und populären Astore Visconti, aus dem Wege räumen, so solle er als Lohn Musso erhalten.

Blutverbrechen und Verrat lagen dem Abenteurer leicht auf dem Gewissen. In kurzer Zeit tötete er den jungen Visconti und verlangte seinen Lohn. Der Herzog schickte ihn darauf nach Musso mit einem offenen Brief an den Gouverneur, in dem er diesem befahl, dem Träger des Briefes das Schloss zu übergeben. Er riet dem Gouverneur gleichzeitig privat, dem Träger des Briefes die Gurgel aufzuschlitzen. Der junge Mann war klug genug, den privaten Brief des Herzogs auch zu lesen, zerstörte das Dokument und legte dem Gouverneur das andere vor—so lautet wenigstens eine Version der Geschichte—und kehrte den herzoglichen Befehl zu seinen Gunsten um. Jedenfalls wurde ihm das Schloss übergeben. Ohne über Sforzas Verräterei eine Miene zu verziehen, nahm Medeghino Besitz davon als treuer Diener der herzoglichen Krone.

Sobald er sich im Schloss zu Hause fühlte, verwandte der Freibeuter seine ganze Energie darauf, die Festung noch unbezwingbarer zu machen, indem er die Mauern verstärkte und die Klippen in noch schrecklichere Abgründe zerbrach. Bei dieser Arbeit halfen ihm seine vielen Freunde und Anhänger, denn Musso wurde schnell—wie im alten Rom—zu einem Asyl für die Raufbolde und Verbrecher benachbarter Provinzen. Man sagt auch, dass ihm seine Schwestern, Clarina und Margherita tüchtig zur Seite standen und den Bruder mit Arbeiten aller Art unterstützten.

Der Name Clarina gibt Gelegenheit, hier einen Blick auf den Stammbaum von Medeghino zu werfen, um auf die aussergewöhnlichen Zustände in der italienischen Gesellschaft jener Zeit hinzuweisen. Als Frau vom Grafen Giberto Borromeo schenkte sie dem frommen Carlo Borromeo, dessen Schrein noch heute im Mailänder Dom verehrt wird, das Leben. Der Bruder von Medeghino, Giovan Angelo, stieg im päpstlichen Dienst auf und wurde Pius IV. So war dieser mörderische Plünderer der Bruder eines Papstes und der Onkel eines Heiligen; und diese drei Personen umfassten in einer Familie die verschiedenen Grade und typischen Charakter, die mit eigenartigem Glanz im Italien der Renaissance florierten: der abenteuerliche, blutbefleckte Kapitän, der kirchliche Intrigant ohne Rivalen und der Heilige, der mit frommstem Enthusiasmus flammte.

Medighino war klein gewachsen, dafür gut gebaut und kräftig, mit starker Brust, durchdringender Stimme und angenehmem Gesicht. Er kleidete sich einfach, wie seine Soldaten, schlief wenig, war gegen Sinnlichkeit gleichgültig und liebte es, die Zuneigung seiner Männer durch heitere Rede zu gewinnen. Dafür bestand er auf strengster Disziplin in seiner kleinen Armee. In jeder Hinsicht war er ein idealer Räuberchef: niemals glücklich ausser im Kampf oder in dessen Planung, kühn und listig in der Ausführung seiner Intrigen, gegenüber seinen Feinden unbarmherzig, seinen Jüngern grosszügig gewogen.

Seinem einzigen Lebensziel—Selbsterhöhung durch Gewalt und Intrigen—galten all seine Überlegungen, menschliche wie göttliche. Er wusste genau, wie man sich gefürchtet und geachtet macht. Es genügt, ein Beispiel für sein Handeln zu erwähnen: Ein Herr aus Bellano, Polidoro Boldoni, antwortete brüsk auf Gian Giacomos Vorschlag zur Zusammenarbeit, indem er meinte, er schätze weder Freundschaft noch Verkehr mit Dieben und Räubern, worauf Medeghino dessen Familie fast gänzlich vernichtete.

Bald nach seiner Übernahme von Musso wollte Medeghino die Anerkennung des Herzogs, seines Gönners, gewinnen und begann deshalb den Krieg mit den Bündnern. Aus Chur, aus dem Engadin und aus Davos strömten die alpinen Fusssoldaten, Hellebarden- und Lanzenkämpfer hinunter, um die Truppen von Franz I., des französischen Königs zu verstärken, und ihr Weg führte über den Comersee. Medeghino verbrannte alle Schiffe auf dem See ausser jenen, die er in seine Dienste nahm, und machte sich dadurch zum Herr des Wasserwegs. Er durchschweifte die Länge des Sees von Colico bis Lecco, verwüstete die Dörfer an den Ufern und schnitt nach seinem Belieben die schweizerischen Truppen ab. Mit diesem Guerillakampf noch unzufrieden, stieg er hinab ins Gebiet der Trepievi, stiess weit hinauf nach Chiavenna vor und zwang die Bündner, ihre Truppen aus mailändischem Gebiet zurückzuziehen. Diese Heldentaten überzeugten den Herzog, dass er im Piratenchef einen starken Alliierten gefunden hatte.

Als Franz I. seinen Angriff auf das Herzogtum weiterführte und weil die Bündner immer noch ihrem französischen Zahlmeister treu blieben, verlieh der Sforza dem Gian Giacomo de’ Medici offiziell das immerwährende Gouverneursamt von Musso, dem Comersee und allem, was er oberhalb des Sees den Bündnern noch entreissen konnte. Da er für seine Verheerungen und Angriffe nun vom Herzog autorisiert war, belagerte Medeghino auch Chiavenna, den Schlüssel zu den Tälern nach Splügen und dem Bergell. Die stark befestigten und verhältnismässig gut situierten Bündner wussten sehr wohl, dass ihre Macht in den italienischen Tälern vom Besitz Chiavennas abhing. Es war unmöglich, Chiavenna zu erstürmen, also wandte Medeghino List an, marschierte in die Stadt ein und hatte sie bald in seinen Händen. Ohne Zeitverlust eroberte er auch das Bergell.

Die Tyrannei der Sforza in Mailand ging zwischen Frankreich und Spanien schnell zu Ende. Im Jahre 1526 besetzte der Marquis von Pescara die Hauptstadt im Namen des Habsburgers und deutschen Kaisers Karls V. Unterdessen blieb der Herzog Sforza in seinem Castell gefangen. Nun war Medeghino ohne Gebieter, denn er weigerte sich, die Spanier anzuerkennen: Er zog es vor, den Gegebenheiten zuzuschauen und baute seine eigene Macht auf den Ruinen des Herzogtums auf. An der Spitze von 4’000 Mann, die er von den Ufern und Nachbartälern angeworben hatte, fegte er durch das Land und besetzte die reichen Orte der Brianza. Nun herrschte er über den Comersee und den Luganersee, dazu noch in Lecco und den benachbarten Tälern.

Como selber gehörte den Spaniern bzw. Habsburgern, wobei sogar diese Stadt vom Seeräuber belagert wurde. Medeghino verfügte über sieben grosse Schiffe mit je drei Segeln und 48 Rudern, strotzend von Kanonen und Matrosen. Sein Flaggschiff war eine grosse Brigantine mit den besten Ruderern; vom Mast flatterte das rote Banner mit dem goldenen Wappen der Medici. Ausser diesen grossen Schiffen kommandierte er eine Flotte unzähliger Boote.

Offensichtlich musste mit ihm verhandelt werden, wenn Not am Mann war. Wenn er nicht gewaltsam zu besiegen war, so war er doch vielleicht mit Konzessionen zu kaufen. Die Spanier wählten diesen zweiten Weg, und weil Medeghino die Sache der Sforza als hoffnungslos einschätzte, verbündete er sich mit den Habsburgern. Karl V. setzte ihn wieder offiziell in die Festung Musso ein und verlieh ihm auch den grossen Anteil des Comersees mit Lecco. Er führte nun den Titel Marquis von Musso und Graf von Lecco. Um seine Herrschaft vor der Welt zu beweisen, prägte er auch Münzen mit seinem Namen und Wappen.

Es liegt auf der Hand, dass Gian Giacomo de’ Medici bisher sein Augenmerk nur auf eigene Interessen gerichtet hatte. Der erst Dreissigjährige hatte sich aus nichts ein Fürstentum ergattert, welches—obwohl klein – mit vielen Namen in Italien zu vergleichen wäre: mit Capri, oder Mirandola oder Camerino. Und es fiel ihm keineswegs ein, in seinen besten Jahren ruhig zu bleiben. Den Comersee betrachtete er als einen Ausgangspunkt für schwerwiegendere Unternehmen. Als 1529 der Strudel politischer Geschehnisse Francesco Sforza wieder ins Herzogtum installierte, weigerte sich Medeghino, seinem ehemaligen Gebieter zu gehorchen.

Er gab zwar vor, dem Herzog Gehorsam zu leisten, handelte aber nur für sich selbst und griff seine alten Bündner Feinde wieder an. Durch List und Gewalt drang er in ihr Territorium, eroberte Morbegno und überrannte das Veltlin. Dann wendete sich das Schicksal. Es standen ihm 20’000 Bündner und Zugewandte entgegen, andererseits schickte der Herzog von Mailand eine Streitkraft auf Land und Wasser, um seinen rebellischen Untertanen zu disziplinieren, während Alessandro Gonzaga in sein Schloss in der Brianza einmarschierte. So wurde Medeghino aus drei Richtungen von gewaltigen Kräften angegriffen, die auf den Comersee eindrangen und ihn auf sein bevorzugtes Element trieben, das Wasser. Er gab schnell das Veltlin auf, fiel zurück ins Schloss Mandello am See, sammelte seine Marine und griff die herzogliche Flotte in der Schlacht von Menaggio an.

In dieser Schlacht zog er zwar den kürzeren, verlor aber den Mut nicht. Aus Bellagio, aus Varenna, aus Bellano trieb er die Feinde, rollte die Kanonen der Schweizer in den See, gewann Lecco wieder, besiegte die Truppen von Alessandro Gonzaga und nahm den Herzog von Mantua gefangen. Hätte er nur Como behalten, so hätte er wahrscheinlich zu dieser Zeit seine Tyrannei konsolidieren können. Como gehörte jetzt aber dem Herzog von Mailand und bildete deshalb eine ausgezeichnete Ausgangsbasis für Angriffe gegen den Seeräuber. Übermannt mit leeren Kassen und gebrochenen Kräften wurde Il Medeghino gezwungen, aufzugeben.

Er zog sich aber mit allen Kriegsehren zurück. Für Musso und den See willigte der Herzog ein, ihm 35’000 Goldkronen zu zahlen, zusammen mit dem Lehensgut und der Grafschaft von Marignano. Eine Begnadigung wurde ihm und seinen Brüdern wie auch seinem ganzen Gefolge versprochen. Und der Herzog unternahm es sogar, auf eigene Kosten dessen Artillerie und Kriegsmunition nach Marignano zu transportieren. Nachdem dieser Pakt unter der Schirmherrschaft von Karl V. und seinen Statthaltern unterschrieben wurde, segelte Medeghino im Mai 1532 von Musso ab und wandte dem See für immer den Rücken zu. Die Bündner zerstörten 1532 sofort den Turm, die Festung, die Wälle und die Bollwerke der Felsen von Musso und liessen in der Mitte ihrer Ruinen die kleine Kapelle von Sankt Eufemia stehen, die heute noch dort ist.

Gian Giacomo de’ Medici war von nun an in Europa als Graf von Marignano im Einsatz und bekannt, ging dann in den Dienst der spanischen Krone und stieg durch die Gunst von Anton de Leyra, Vizekönig für das Herzogtum, in den Rang eines Feldmarschalls auf. Als der Graf del Vasto 1536 spanischer Gouverneur in Mailand wurde, gab er seinem alten Hass gegen den Ex-Piraten nach, lud ihn zu einem Festessen ein und nahm ihn dort gefangen.

Medeghino sollte aber nicht für immer in einem Kerker dahinsiechen wie der Mailänder Herzog. Prinzen und Könige interessierten sich für sein Schicksal. Er wurde entlassen und ging an den Hof von Karl V. in Spanien. Der Kaiser, in dessen Reich die Sonne nie unterging, empfing ihn freundlich und setzte ihn zuerst in den Niederlanden ein, wo er sich an der Unterdrückung der Bürger von Ghent beteiligte. Bei der Belagerung von Landrecy kommandierte er die spanische Artillerie gegen andere italienische Abenteurer. Weil Italien nun zergliedert und unterjocht war, suchten seine Söhne den Sold dort, wo sie die beste Entlohnung und den höchsten Stand militärischer Kompetenz fanden. Nachher regierte der Medici Böhmen als spanischer Vizekönig, und dann unterdrückte er in der Toskana die Freiheit als General der Allianz zwischen dem Herzog von Florenz, dem Kaiser und dem Papst. 

Bis ans Ende pflegte Medeghino sein Talent und die Leidenschaft eines Räuberkönigs. In jener Zeit bestätigte und bewies er im Namen des Erzherzogs der Toskana die direkte Verwandtschaft mit den Medici von Florenz. Herolde und Geneologen stellten einen Stammbaum her, der diesen Anspruch bestätigte. Zusammen mit seinem Bruder, Pius IV., wurde er anerkannt als Sprössling des grossen Hauses Medici, welches dem Christentum bereits Herzöge von Florenz, Könige von Frankreich und zwei Päpste beschert hatte. Mitten in seinem Söldnerdienst vergass er nie den alten Traum, das Veltlin zurückzuerobern, und 1547 schlug er dem Kaiser einen neuen Feldzug gegen die Bündner vor. Karl V. wollte nicht auf einen Krieg eingehen, welcher dem Herrscher über die Hälfte der zivilisierten Welt nur einen kleinen Gewinn geliefert und welcher die schwer zu besiegenden Bündner und Eidgenossen aufgehetzt hätte. Medeghino musste das Projekt aufgeben, das er seit der frühesten Jugend seines abenteuerlichen Lebens gehegt hatte.

Als Gian Giacomo 1555 starb, übernahm sein Bruder Battista dessen Anspruch auf Lecco und die Trepievi. Sein herrliches Denkmal mit fünf bronzefarbenen Figuren—mit ausserordentlicher Geschicklichkeit gefertigt, das Meisterstück des Leone Lioni aus Menaggio—ziert noch heute den Dom in Mailand. Es steht gleich neben der Tür, die zum Dach hinauf führt. Dieses Mausoleum, das als Erinnerung an Gian Giacomo und seinen Bruder Gabrio errichtet wurde, soll 7’800 Goldkronen gekostet haben. Als der Seeräuber bestattet wurde, trug der mailändische Senat Trauerkleidung, und die ganze Stadt folgte dem grossen Piraten, dem «Tugendhelden» der Renaissance, an das Grab.

Übersetzung aus dem Englischen: Peter Richardson-Danuser, ehemaliger «Oregon Professor of the year».

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