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Restaurant «Banoo im Rössli» Rapperswil-Jona: Wo der Reis golden glänzt

Orientalische Küche an bester Lage am Zürichsee und mit Gästen, die aus dem Orient stammen: So ein Restaurant muss überzeugen. Genau das tut das Restaurant «Banoo im Rössli».

Südostschweiz
11.11.25 - 04:30 Uhr
Hauptspeise im «Banoo»: Zwei Spiesse Djudje Soltani mit drei Fleischsorten und ein Tahchin Safran-Reiskuchen.
Hauptspeise im «Banoo»: Zwei Spiesse Djudje Soltani mit drei Fleischsorten und ein Tahchin-Safran-Reiskuchen.
Bild: Martin Mühlegg

Von der Besenbeiz über die Pizzeria bis zum Gourmetrestaurant: In der Kolumne «En Guetä» schreibt der freie Journalist Martin Mühlegg regelmässig über seine Erfahrungen in den Gastrolokalen des Linthgebiets und Glarnerlands.

Die Anzahl der einkehrenden Einheimischen ist ein zuverlässiger Indikator für die Qualität eines Restaurants. Dies gilt für eine Osteria in Genua ebenso wie für eine Brasserie in Lyon oder ein gutbürgerliches Restaurant in Zürich. Etwas anders verhält es sich bei einer Osteria in Zürich: Sie muss sehr gut sein, wenn viele Italiener dort essen. Und so steigt unsere Vorfreude auf ein gutes Essen, als am letzten Sonntagmittag viele aus dem Orient stammende Menschen ins Lokal kommen. Wir befinden uns nämlich im «Banoo», dem persischen Restaurant am Rapperswiler Hauptplatz.

Für Einheimische gewöhnungsbedürftig: Das Kellergewölbe am Hauptplatz ist mit ziemlich viel Firlefanz ausgestattet.
Bild: Martin Mühlegg

Mehrere zehntausend Menschen aus dem Orient leben in der Schweiz. Trotzdem gibt es nur wenige Restaurants, in denen libanesisch, syrisch oder eben persisch gekocht wird. Ich finde das schade, denn die Küche aus dieser Region hat sehr viel zu bieten. Mir gefallen die vielfältigen Aromen, die geschmackliche Tiefe und die bezaubernde Optik. Orientalische Köche widerlegen zudem den unter Schweizer Gastronomen weit verbreiteten Irrglauben, dass vegetarische Küche nur Beilage ist und neben Käsespätzli und Rahm-Tortellini aus der Fabrik nichts zu bieten hat.

Wir beginnen mit dem hierzulande bekanntesten Gericht aus dem Morgenland: eine Auswahl von sechs Mezze mit Fladenbrot (28.- Franken; die Portion reicht gut für zwei Personen). Unser Favorit ist Kashke Bademjam: gebackene und pürierte Aubergine mit Molke, Zwiebeln, Walnüssen und gebratener Minzpaste. Auch die anderen Vorspeisen – unter anderem Joghurt mit Spinat, Knoblauch und arabischer Minze und Falafel – schmecken uns so gut, dass nichts übrig bleibt ausser ein paar Fladenbrote.

Zur Hauptspeise bekommt meine Begleiterin ein aromatisches Koreshte Gheyme Bedemjan (28.-, Eintopf mit Rind, Auberginen, Tomaten, Limette und gelben Linsen). Mir wird Djudje Soltani (44.-, Pouletfilet und Rinds-/Lammhackspiess) serviert. Das Fleisch ist gekonnt zubereitet und saftig. Zu beiden Hauptgängen bekommen wir einen Tahchin-Safran-Reiskuchen, der im Ofen gebacken wird und eine goldgelbe Kruste hat. Die Portionen sind sehr gross: Auf meinem Teller befinden sich über 250 Gramm Fleisch und sehr viel Safranreis. Obwohl uns die beiden rustikal zubereiteten Gerichte schmecken, lassen wir uns mehr als die Hälfte einpacken.

Während ich ein paar Tage nach dem «Banoo»-Besuch diese Zeilen schreibe, trinke ich einen arabischen Kaffee, der mit Korianderkernen (!) aromatisiert ist. Dies geschieht nach alter persischer Tradition, die besagt, dass ausgleichende Zutaten gesund sind. Deshalb wird der im Pfännchen zubereitete Kaffee mit dem kühlenden Koriander angereichert. Es ist Mittwochmittag – ja, ich habe schon wieder orientalisch gegessen – diesmal im syrischen Restaurant «Sham» an der Ecke Limmatquai/Konradstrasse in Zürich. Dieses Lokal entdeckte ich im Frühling und habe es seither mehrmals angesteuert. Ich empfehle es gerne weiter – und hoffe, dass es auch in unserer Region bald ein syrisches Restaurant dieser Güteklasse gibt.

Gastrotipp: Restaurant «Banoo im Rössli»

Ambiente: Das Kellergewölbe am Hauptplatz hat uns schon immer gefallen und ist mit vielen Erinnerungen verbunden. Leider haben es die Wirtsleute mit Firlefanz (farbige Lichtbänder, Kronleuchter, Pflanzen) abgewertet. Die Karten und teilweise auch die Möbel haben starke Gebrauchsspuren. Andere Länder, andere Sitten: Es läuft orientalische Kommerz-Popmusik – für unsere Begriffe zu laut und zu schrill für ein Speiserestaurant.
Service: Freundlich und herzlich. Es dauert lange, bis wir die Vorspeise bekommen (30 Minuten). Wahrscheinlich sind wir zu früh gekommen (12 Uhr) – in vielen Ländern gibt es so früh noch kein Mittagessen.
Preis-Leistungs-Verhältnis: Ich würde schreiben «angemessen», wenn da nicht die riesigen Portionen wären. Die zwei Mittagsgerichte vom Sonntag ergaben für uns mit dem Aufwärmen zu Hause insgesamt fünf Portionen. Also nicht angemessen, sondern günstig. Der ansprechende offene Wein (Syrah aus dem Languedoc für 6.50) ist für heutige Verhältnisse günstig. Adresse: «Banoo im Rössli», Hauptplatz 5, 8640 Rapperswil-Jona, 076 391 28 68

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