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Tierschützer gründen nach Streit einen neuen Verein

Nach der chaotischen Mitgliederversammlung von Tierschutz Linth im «Seehof» in Schmerikon kritisieren Beobachter organisatorische Mängel. Kritiker des Vereinsvorstands haben einen eigenen Verein gegründet.

Christine
Schibschid
Dienstag, 05. März 2019, 16:57 Uhr Chaotische Mitgliederversammlung
Corinne Meister (links) und Sabrina Duft führen den neuen Verein im Co-Präsidium.
Bilder Corinne Meister/Sabrina Duft

Zwischenrufe, Diskussionen, Anschuldigungen und Teilnehmer, die vorzeitig den Saal verliessen – die Mitgliederversammlung des Vereins Tierschutz Linth am vergangenen Freitag im «Seehof» in Schmerikon lief aus dem Ruder (Ausgabe von Samstag). Ein Antrag zur Abwahl des Vereinspräsidenten René Marti wurde zu später Stunde aber abgelehnt. Er bleibt im Amt. Marti war gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Kritiker gehen ihren eigenen Weg

Martis Kritiker, eine Gruppe um Ex-Vereinspräsidentin Heidy Kessler, haben am Wochenende bereits ihre Konsequenzen aus den Erfahrungen vom Freitag gezogen und einen eigenen Verein gegründet. Er heisst Tierfreunde Linth. Sabrina Duft und Corinne Meister, die beide auch schon im Vorstand von Tierschutz Linth sassen, führen den neuen Verein im Co-Präsidium. «Marti hilft niemandem mehr, der nicht Mitglied in seinem Verein ist, und hat das Budget für Katzenkastrationen heruntergefahren», sagt Meister. «Deshalb unternehmen wir etwas.» Der neue Verein sei Ansprechpartner in allen Fällen, in denen Tiere in Not seien. «Wir freuen uns über neue Mitglieder.» Das Team sei breit aufgestellt und könne auf ein gutes Netzwerk zählen.

Auch Kessler ist im neuen Verein dabei. «Wir haben schon einige Mitglieder», sagt sie. Nun gelte es, den Frust der letzten Zeit zu vergessen und nach vorne zu schauen. Die Mitgliederversammlung vom Freitag bezeichnet Kessler, deren Mann mit seinem Antrag auf Abwahl des Präsidenten scheiterte, als «Debakel». Sie ist nicht die Einzige, die Kritik äussert.

«Es war chaotisch»

Mit dabei im «Seehof» war auch SVP-Kantonsrat René Bühler: «Es war chaotisch, das ging schon am Anfang los, als der Präsident nicht auf einen Ordnungsantrag von Frau Kessler eintrat.» Bühler verwunderte auch, dass die Presse zunächst nicht in den Saal durfte. «Wenn man nichts zu verbergen hat, lässt man sie doch rein.» Auch die Kontrolleure am Eingang überraschten den Kantonsrat. «Ich habe so etwas noch nie erlebt. Es war abschreckend und befremdend», sagt Bühler.

Er sei Unterstützer des Vereins und wegen des Tierschutzes zur Versammlung gekommen. «Wenn es so weitergeht, steht für mich aber ein Fragezeichen davor, ob das im Sinne des Tierschutzes ist», sagt Bühler. Ihm mache das Elend streunender Katzen Sorgen. «Dass der Verein diesbezüglich wirklich engagiert ist, kam für mich zu wenig rüber», sagt Bühler. Auch bei den Kosten für Katzenkastrationen habe es Unstimmigkeiten gegeben. «Eine ehemalige Tierärztin hat sich gemeldet und kritisiert, dass die von Marti genannten Zahlen zu hoch sind», erinnert sich der Kantonsrat. Das hinterlasse bei ihm ein Fragezeichen. Die von Marti gewünschte Auffangstation für Tiere hält Bühler für «nicht bezahlbar». Bei der Mitgliederversammlung sei ihm vieles fragwürdig erschienen. Eine Rechnungsprüfungskommission sei nicht vorhanden gewesen, die Berufung des neuen Kassiers umstritten.

Auf den neu gegründeten Verein Tierfreunde Linth reagiert der Kantonsrat mit Interesse. Er werde Kontakt aufnehmen. «Soweit ich das mitbekommen habe, hat Frau Kessler einen guten Job gemacht.» Ob er Tierschutz Linth in Zukunft weiter unterstützen wird, liess Bühler offen.

Anträge nicht traktandiert

Beobachtet hat die Mitgliederversammlung auch Christa Camponovo, welche auch als Beraterin bei der Fachstelle Vitamin B tätig ist. Diese unterstützt Vereine mit Information, Beratung und Weiterbildung. «Ich war da, um bei Bedarf klarzustellen, was rechtlich korrekt ist. Das hat aber beide Seiten nur bedingt interessiert», sagt sie.

Für Camponovo ist klar: «Vor der Mitgliederversammlung war nicht der ganze Vereinsvorstand rechtmässig gewählt, weil er sich nicht selbst ergänzen kann.» Auch habe der Vorstand keine eigenen Mitglieder entlassen dürfen. «Das kann nur die Mitgliederversammlung.» Der jetzige Vorstand sei nun aber rechtens gewählt.

«Zum Beispiel hätte der Antrag auf Abberufung des Präsidenten angekündigt werden müssen.»
Christa Camponovo, Vereinsexpertin

Auch könne Personen, welche den Vereinsbeitrag nicht bezahlt hätten, der Einlass zur Mitgliederversammlung nicht verwehrt werden. «Das geht nicht», sagt Camponovo. Sie kritisiert auch, dass die Anträge, welche vorab eingereicht worden waren, nicht einzeln auf der Einladung traktandiert wurden. Bei Traktandum Nummer sieben hatte es nur «Anträge» geheissen. In Camponovos Augen wären Angaben zu den Antragsinhalten erforderlich gewesen, um der gesetzlichen Regelung der gehörigen Ankündigung zu genügen. «Zum Beispiel hätte der Antrag auf Abberufung des Präsidenten angekündigt werden müssen.» Camponovo empfiehlt dem Verein, seine Statuten so zu überarbeiten, dass sie «klar» sind und schlägt den Verantwortlichen vor, «in Ruhe zu analysieren, was schief gelaufen ist, damit in Zukunft alles korrekt abläuft».

Schweizer Tierschutz informiert

Auch beim Dachverband, dem Schweizer Tierschutz (STS), haben die Verantwortlichen vom Streit bei Tierschutz Linth gehört. Präsident Heinz Lienhard äussert sich zurückhaltend: «Wir haben Kenntnis genommen von den Vorgängen und Vorwürfen an der Mitgliederversammlung, können und wollen uns aber nicht dazu äussern, bevor die Fakten nicht verifiziert sind.» Erst danach werde sich zeigen, ob und in welcher Form der STS sich mit den Vorgängen befassen werde.

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