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Der «Sternen» geht mit viel Prosecco und Tränen unter

Seit 34 Jahren wirtet Hansruedi Loop im «Sternen» in Uetliburg. Bald ist aber Schluss: Das Lokal wird abgerissen. Loop blickt zurück auf viele schöne Stunden im «Sternen» und verrät, wie es für ihn weitergeht.

Christine
Schibschid
Donnerstag, 14. Februar 2019, 14:45 Uhr Gommiswald

Im «Sternen» in Uetliburg ist es warm und gemütlich. Vor dem Fenster fallen an diesem Vormittag Schneeflocken. In der Gaststube sitzen einige Leute. Manch einer bestellt um kurz nach zehn schon eine Stange. Im grossen Saal sitzen rund 50 Rentner, die mit einem Bus gekommen sind. Sie lauschen einem Vortrag über Gesundheit und Ernährung. Danach verkauft der Organisator passende Produkte.
Wirt Hansruedi Loop muss unser Gespräch immer wieder unterbrechen, um Gäste zu bedienen. Er kennt sie beim Vornamen oder nennt sie einfach Schätzeli. «Nach so vielen Jahren kennst du fast alle. Viele Gäste sind Freunde», sagt der 59-Jährige.

Geschäftssinn von der Mutter

Der Vortrag im Saal ist zu Ende. Einige Senioren kommen in die Gaststube. Eine Frau mit Keramikstiefeln in der Hand kommt zu uns an den Tisch und bezahlt diese beim Wirt. Loop verkauft in seinem Lokal auch Deko-Artikel. «Du hast mehr verdient als ich», sagt der Redner aus dem Saal lachend zu ihm. Er habe immer auch andere Dinge verkauft als Getränke und Speisen, erzählt der Wirt. Vor ihm auf dem Tisch steht ein Glas Prosecco. «Der Geschäftssinn kommt vielleicht von zu Hause. Wir hatten einen Lebensmittelladen, in dem meine Mutter auch Blusen, Hemden und andere Dinge verkauft hat.»

«Wir waren Dorfgespräch»

Loop hatte den Sternen 1985 mit seinem Partner Rico Wicki gekauft, der 2015 an Herzversagen starb. Vorher hatte der Wirt ein Lokal in Weesen. «Ich kannte Gommiswald gar nicht und musste erst nachschauen, wo das ist.»
«Da kommen dann auf einmal zwei schwule Männer in den Ort – am Anfang waren wir Dorfgespräch.» Mit der Zeit hätten sie sich aber integriert. «Mich hat niemand blöd angemacht und ich bin akzeptiert worden», sagt Loop. Bei der Abstimmung über die eingetragene Partnerschaft gleichgeschlechtlicher Paare 2005 habe Gommiswald deutlich mit Ja gestimmt. «Der Gemeindeammann sagte damals zu mir, das sei wegen uns – weil wir so gut integriert seien.»

Kondom-Aktion landet im «Blick»

Mit ihm und seinem Partner sei der «Sternen» berühmt-berüchtigt geworden, sagt Loop. «Als in den 80ern das Thema Aids aufkam, hat an der Fasnacht eine Frau im Nonnenkleid bei uns Pariser verteilt – da wurde natürlich drüber geredet.» Sogar der «Blick» habe berichtet. «600 Meter neben dem Kloster verteilt eine Fasnachtsnonne Gratis-Pariser», erinnert sich Loop an die Schlagzeile. Die Priorin des Klosters Berg Sion habe super reagiert: «Sie meinte, das wäre okay. Der Artikel wäre auch Reklame fürs Kloster.» Über die Antwort staunt Loop bis heute. Die Zeitung sei im Ort jedenfalls ausverkauft gewesen. Einmal hätten ihn Vertreter des Verkehrsvereins auf den Artikel angesprochen. «Da seht ihr, wer hier in Gommiswald den Verkehr regelt, habe ich zu ihnen gesagt.»

Gemeinde wollte Shows streichen

Die Tür geht auf und ein neuer Gast kommt rein. Kariertes Hemd, Glatze. «Die Zeitung ist wieder da», sagt Loop bei der Begrüssung. «Die haben schon viel über uns geschrieben», entgegnet der Neuankömmling. Es ist Reto Wirz, der früher mit Loop bei Travestieshows in Frauenkleidern auftrat. Die beiden erinnern sich gern an ihre Zeit als «Mary und Trude aus Buxtehude».

Einmal hätte die Gemeinde ihre Travestieshow streichen wollen, erzählt Loop. Er habe sich aber beim Volkswirtschaftsdepartement beschwert und Recht bekommen. «Auch das war irgendwie lustig.»
Den «Sternen» gebe er mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf, sagt Loop. «Wir hatten praktisch nie Ferien.» Anfangs sei das Lokal täglich geöffnet gewesen, zuletzt nur noch vier Tage die Woche. «Das war schön, ich konnte ein bisschen runterfahren.» Dennoch sei er täglich im Lokal gewe

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kein umweg nach gommiswald zu euch war zu weit. reto hat nie zuviel versprochen, gemütlichkeit pur, echte gastfreundlichkeit, alle sind recht herzlich willkommen - echte und ehrliche gastlichkeit- schade, eine wirkliche gaststätte schliesst. wünsch dir alles gute