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Neue Gesichter bei der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde

Christopher Wellauer, Diakon der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona, wird in wenigen Tagen pensioniert. Für Seniorenveranstaltungen, wie er sie einst selbst organisiert hat, fühlt er sich aber noch zu jung. Wellauers Nachfolge tritt ein junges Ehepaar an.

Linth-Zeitung
Donnerstag, 11. Oktober 2018, 04:30 Uhr Rapperswil-Jona
Wechsel: Die neuen Diakone Matthias und Rahel Schaufelberger mit Christopher Wellauer, der in Pension geht (von links).
BILD MARKUS TIMO RÜEGG

von Elvira Jäger

Der Start hätte für Rahel Schaufelberger nicht besser sein können. An ihrem ersten Arbeitstag im Evangelischen Zentrum machte sie einen kleinen Bummel durch den benachbarten «Sonnenhof» und wurde gleich von mehreren Frauen angesprochen. Mit einer habe sie sogar einen Kaffee getrunken, erzählt Schaufelberger. Die Frauen hätten sie wohl vom Vorstellungsnachmittag her gekannt. «Aber dass es so schnell zu persönlichen Begegnungen kommt, habe ich nicht erwartet.»

Die 27-Jährige ist vor vier Monaten Mutter eines Buben geworden und teilt sich nun mit ihrem Mann Matthias die Stelle, die Diakon Christopher Wellauer zehn Jahre lang innehatte. Wellauer, der im Dezember 65 Jahre alt wird, geht ohne Wehmut in Pension. Er habe in seinem Berufsleben immer wieder Situationen erlebt, in denen er habe loslassen müssen, sagt er. Die unzähligen Begegnungen und das Unterwegssein mit Menschen in unterschiedlichsten Lebenssituationen werde er aber sicher vermissen.

75 statt 65

Christopher Wellauer war innerhalb der Evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Rapperswil-Jona für die Altersarbeit und das Programm 60 plus zuständig. Wird er demnach zukünftig selber an Anlässen teilnehmen, die er bis anhin organisiert hat? Der Beinahe-Rentner lacht und schüttelt den Kopf. An Anlässen, wo es ums Konsumieren gehe, sei er einstweilen noch nicht interessiert.

Mit dieser Haltung befindet er sich in bester Gesellschaft. «Unser Programm müsste eigentlich 75 plus heissen», sagt Wellauer. Jüngere Senioren seien heute so aktiv, dass sie weder Zeit noch Lust hätten, zu Kaffee und Kuchen ins Kirchgemeindezentrum zu kommen. Für ein freiwilliges Engagement seien hingegen viele zu haben. «Man muss sie aber anfragen.»

Im Gespräch mit Wellauer fällt auf, wie oft er vom Unterwegssein spricht. Zusammen mit anderen Menschen ein gemeinsames Ziel zu erreichen, sei ihm im Beruf und in der Freizeit immer wichtig gewesen, erklärt der passionierte Läufer und Wanderer. Nachfolger Matthias Schaufelberger pflichtet bei. Die Kirche sei ja nicht ein Gebäude, vielmehr machten die Menschen die Kirche aus, sagt der neue Diakon, der seine berufliche Laufbahn als Betriebsdisponent bei der Rhätischen Bahn begann.

Dass neben dem Religionsunterricht für die Jungen auch die Seniorenarbeit zu seinen Aufgaben gehören wird, ist für den 27-Jährigen kein Problem. Er gehe sehr gerne auf ältere Menschen zu, sagt Schaufelberger. Und die Generation über 60 sei für die Kirche sehr wichtig, ja geradezu tragend.

Verborgenes «usechutzele»

Rahel Schaufelberger bezeichnet es als ihre Stärke, verborgene Gaben in anderen Menschen zu entdecken und herauszukitzeln – «usechutzele», wie die im Berner Seeland Aufgewachsene es nennt. Vielleicht gelingt es ihr mit diesem Talent ja auch, innerhalb der Kirchgemeinde die eine oder andere Entwicklung anzustossen und gemeinsam mit anderen voranzubringen. Als Team unterwegs sein und am gleichen Strick ziehen: Christopher Wellauer sagt, er habe das hin und wieder vermisst. Es sei zwar viel diskutiert worden, passiert sei aber dann meistens wenig.

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