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Donnerstag, 11. März 2010
Pfeiftöne, die den Rehen das Leben retten
Wild Auf Strecken mit viel Wildwechsel werden bis Ende März Warngeräte installiert
In der Schweiz passiert es jede Stunde, im Linthgebiet alle zwei Tage, in Ausserschwyz nur noch selten: Ein Auto kollidiert mit einem Reh. Nun werden auf St. Galler Boden Wildwarngeräte installiert.
Michael Grimm
 
Max Bernet, Obmann des Reviers Schänis 1, befestigt ein Wildwarngerät an einem Strassenpfosten in Maseltrangen. Wenn dieses im Dunkeln von Autoscheinwerfern angeleuchtet wird, stösst es ein lautes Pfeifen aus. (Manuela Matt)
 

Die Region rund um den Obersee ist ein wildreiches Gebiet. Zugleich führen viele stark frequentierte Strassen an Wäldern vorbei. Eine gefährliche Kombination: In den meisten Fällen erleiden die Tiere bei Zusammenstössen mit Autos starke innere Verletzungen. «Wenn sie nicht schon tot sind, muss ich sie schiessen», sagt der Siebner Wildhüter Steven Diethelm, der immer wieder an Unfallorte gerufen wird. Seit im Kanton Schwyz Wildwarngeräte am Strassenrand installiert sind, hat sich die Situation stark gebessert.

Mit der Aktion «Weniger Wildunfälle» wollen nun auch die St. Galler Jäger die Zahl solch tragischer Begegnungen reduzieren. Wie in Zürich und Luzern starten sie ein Projekt mit akustischen Warngeräten.

Ein Pfeifen, 30 Sekunden lang

Guido Ackermann, Leiter des St. Galler Amtes für Natur, Jagd und Fischerei, freut sich, dass die Aktion soeben auch im Schwerpunktgebiet See und Gaster angelaufen ist und Ende März abgeschlossen sein wird. «Jäger installie- ren in diesen Tagen rund 900 Geräte an Strassenmarkierungs- oder Holzpfosten», erklärt er. Trifft in der Dämmerung oder nachts das Scheinwerferlicht eines Autos auf den Sensor, wird ein 30 Sekunden langer, schriller Pfeifton ausgestossen. Dieser wird von Gerät zu Gerät weitergetragen und geht so dem Auto voraus. Rehe sollen so davon abgehalten werden, sich unvermittelt auf die Strasse zu begeben.

Mit der Montage sind die Jagdgesellschaften beauftragt. Bereits wurden sie mit den 56 Franken teuren Geräten beliefert. Für die Kosten kommt zum Grossteil der Schweizer Versicherungsverband auf. Einen symbolischen Restbetrag übernehmen die Jagdgesellschaften.

Auch ruhende Kühe sind gewarnt

Wenn die Jäger ausschwärmen, müssen sie gewisse Regeln beachten. Sie sind zum Beispiel angehalten, die Geräte nicht näher als 50 bis 100 Meter zum nächsten Haus zu montieren. Max Bernet, Obmann des Reviers Schänis 1, erklärt warum: «Die Wildwarngeräte sind recht laut. Je nach Windrichtung könnten sie eine Belästigung bedeuten.» Deshalb werden die Anwohner vorab informiert. Auf Bernets Strecke zwischen dem Ortsausgang Kaltbrunn (Dorren) und Maseltrangen (Restaurant Frohsinn) betrifft dies nur zwei Landwirte. Der Obmann rechnet damit, dass seine 28 Geräte auf der immerhin 1400 Meter langen Strecke ohne Probleme in Betrieb genommen werden können.

Da der Sensor der batteriebetriebenen kleinen Warner nur auf Licht und nicht auf die Anwesenheit von Wild reagieren, pfeifen die Geräte auch, wenn keine Tiere in der Gefahrenzone sind. Max Bernet glaubt aber nicht, dass Vieh, welches nachts gerne in Strassennähe ruht, vom schrillen Ton gestört sein könnte. «Wir gehen davon aus, dass sich die Kühe rasch an das neue Geräusch gewöhnen.» Der Schwyzer Wildhüter Diethelm stützt diese Einschätzung. Er hat bisher keine Beschwerden entgegengenommen. Um unerwünschte Nebenwirkungen mit Sicherheit ausschliessen und den Erfolg der Aktion kontrollieren zu können, wird das St. Galler Projekt vom Wildforschungsinstitut Swild wissenschaftlich begleitet.


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