«Ich will nochmals alles. Ich will sehen, ob ich noch einmal den Anschluss schaffen kann. Ich will eine Spielerpersönlichkeit sein, über die man redet.» Das war der 24-jährige Andreas Gahlert schon einmal. Damals, als er im Dress des Unihockeyclubs Uster die gegnerischen Keeper das Fürchten lehrte. Damals, nach dem Wechsel zum Grass- hopper Club, als einer der torgefährlichsten Stürmer der Nationalliga A. Seit Januar spielt der Deutsche für Jona-Uznach - zwei Ligen tiefer.
Mit Gahlert ist Jona-Uznach in der 1. Liga noch erfolgreicher geworden. 14 Punkte aus 5 Spielen haben die Flames 2010 gewonnen. Gahlerts Beitrag: fünf Tore, sechs Assists. Noch ein Sieg, und das Team darf die Playoffs bestreiten. «Es gibt nichts Schöneres, als beachtet und beneidet zu werden und mit dem Team erfolgreich zu sein», sagt Andreas Gahlert. Den Erfolg hatte er im Unihockey schon immer. Mit 14 debütierte er in der Bundesliga und traf gegen den amtierenden Meister zum 3:3-Endstand. Mit 17 war er Topskorer der Liga, später Torschützenkönig der U19-WM. Als Captain führte er Deutschland 2008 zum Titel an der B-WM. «Ich habe mich weiterentwickelt»
Dann kam die Verletzung. Wegen einer Ablagerung am Knochen in seiner Bewegung eingeschränkt, musste Gahlert im vergangenen August unters Messer. Danach durfte er drei Monate gar nichts tun. Er wusste nicht, ob er jemals wieder würde Unihockey spielen können. «Es war die härteste Zeit meines Lebens. Ich wurde unausstehlich. Seit ich wieder Sport machen kann, habe ich das Gleichgewicht wieder gefunden.» Da Andreas Gahlert in Eschenbach wohnt, kam es zum Jahreswechsel zur Ausleihe nach Jona-Uznach. Von einem persönlichen Abstieg mag der Spieler aber nicht sprechen. «Ich habe mich als Spieler weiterentwickelt», sagt er gar. «In der Nationalliga A wurde ich gebraucht, um Tore zu erzielen. Hier gestalte ich das Spiel und trage Verantwortung. Als Spieler bin ich kompletter geworden. Bei den Flames wird das ganze Spiel auf mir aufgebaut.»
Wenn bei GC im Frühsommer die Vorbereitung für die neue Saison beginnt, ist Gahlert aber wieder ein Grass-hopper (in Zürich trainiert er auch das U18-Team). «Die Flames sind für mich Mittel zum Zweck. Ich kann hier meinen Rhythmus finden, und vor allem kann ich spielen. Aber ich kann auch helfen. Es war für beide Seiten ein guter Coup.» Bei GC sah Gahlert in den Playoffs keine Chance auf Einsätze. Er bringe erst wieder 80 Prozent seiner Leistung. Das zu akzeptieren, sei aber kein Problem. «Ich bin mir bewusst, dass ich zehn Monate verletzt war.» Schwieriger Start in der Schweiz
Defizite sind Kondition und Schnelligkeit. Dadurch könne er auf dem Spielfeld «die Entscheidung nicht so ausführen, wie ich will», erklärt Gahlert, «doch die Übersicht und das Schiessen, das verliert man aber nicht». Zurückzugewinnen gilt es auch die Anerkennung der Szene, nachdem Gahlert aus den grossen Schlagzeilen raus ist. Es ist fast wie 2006, beim Wechsel aus Weissenfels in die Schweiz. «Ich der ersten Saison wurde ich oft belächelt. Die Leute in Uster wurden gefragt: Was wollt ihr denn mit einem Deutschen?»
Gahlert hat es ihnen gezeigt. «Für mich als Spieler gab es nichts Besseres als Uster», resümiert Gahlert. Im Underdog der NLA wurde er ein Leader. «Ich brauchte aber ein Jahr, um mich an alles zu gewöhnen.» An die andere Liga, ans neue Umfeld, den Wegzug von Hotel Mama, um eine Arbeitsstelle zu finden. Nach einem Abstecher ins Büro arbeitet Gahlert nun als Praktikant in der Kinderkrippe Zwergenburg in Zürich. Er ist abgeklärter geworden, hat die Ruhe gefunden. Wenn alles klappt, wird er sich ab Sommer zum Sozialpädagogen ausbilden lassen. Und das grösste Projekt: Ende April wird Andreas Gahlert zum ersten Mal Vater. |