Seit der Bekanntgabe des Selektionsentscheids sind Wochen vergangen. Dementsprechend gehen bei Daniel Mächler die Emotionen auch nicht mehr so hoch: «Die Zeit heilt die Wunden. Einzig die Eröffnungsfeier habe ich noch etwas wehmütig mitverfolgt.» Die Zeit vermag zwar Wunden zu heilen, doch noch immer fühlt sich der Joner von den Verbandsfunktionären des SBSV unfair behandelt: «Diverse Dinge sind nicht sauber abgelaufen.»
Die Olympischen Spiele von Vancouver waren Mächlers grosses Ziel, als er vor sechs Jahren das Bob-Metier verliess und «Skeletönler» wurde. Zuvor verdiente er sich während sieben Jahren seine Sporen als Bob-Anschieber ab. Nun ist Mächler 35 Jahre alt und steht zwischen Stuhl und Bank. Seit Jahren investiert der gebürtige Vorderthaler enorm viel in seinen Sport, an Olympischen Spielen konnte er trotzdem noch nicht teilnehmen. In vier Jahren, wenn im russischen Sotschi die 22. Winterspiele über die Bühne gehen, wird Mächler 39 Jahre alt sein. «Mit Sotschi beschäftige ich mich momentan noch gar nicht», gibt der Schweizer Meister von 2008 zu Protokoll. «Würde gerne weiterfahren»
In den vergangenen Wochen hatte sich Mächler erstmals in seiner Karriere mit Rücktrittsgedanken herumgeschlagen. Inzwischen wurden diese wieder verdrängt. «Skeleton ist nach wie vor eine sensationelle Sportart, und ich würde gerne weiterfahren», äussert sich der für den BC Zürichsee lizenzierte Sportler. Definitiv entschieden wird allerdings erst in den nächsten Monaten. Für ein Weitermachen sprechen neben der noch immer vorhandenen Freude am Sport auch die Perspektiven. Die nächsten beiden Weltmeisterschaften finden in Königssee (De) und in St. Moritz - und damit auf Bahnen, auf denen Mächler gerne fährt - statt. Doch da gibt es auch die anderen Punkte. Mit seiner direkten Art hat sich Mächler im Verband nicht nur Freunde gemacht. «Ich werde schauen, was im Verband personell und auf Sponsorenebene läuft und dies berücksichtigen», erklärt er.
Die abgelaufene Saison verlief für den Modellathleten (1,88 m / 94 kg) alles andere als wunschgemäss. Die Negativspirale begann sich schon an den Selektionsrennen Mitte Oktober zu drehen. «Nach nur sechs Trainingsfahrten war ich einfach noch nicht bereit. Ich bin einer, der seine Zeit braucht, bis das Gefühl auf dem Schlitten stimmt», sagt Mächler, der statt im Weltcup im Intercontinentalcup starten musste. Mehrere Chancen nicht genutzt
Im Dezember erhielt er die Möglichkeit, in Winterberg (De) ein Weltcup-Rennen zu bestreiten. «Ausgerechnet Winterberg», entfährt es Mächler, «das ist definitiv nicht meine beste Bahn.» Die Chance konnte er nicht nutzen, und auch an den Schweizer Meisterschaften Anfang Januar in St. Moritz, an denen sich der St. Galler allenfalls nochmals für Olympia ins Gespräch hätte bringen können, war ihm das Glück nicht hold. Mächler musste nach einem mehrminütigen Unterbruch in die frischverschneite Bahn. Dementsprechend fiel die Startzeit - normalerweise der Trumpf von Mächler - mit 5,28 Sekunden schlecht aus. Zu was er fähig wäre, zeigte er im zweiten Lauf, in dem er mit 4,99 Sekunden gestoppt wurde. Aber der Zug war zu diesem Zeitpunkt bereits abgefah-ren, und Mächler musste sich mit dem Verpassen der Selektionskriterien (zwei Top-10-Plätze im Weltcup) für Olympia abfinden. |