Mutter T: «Meine 13-jährige Tochter hat kürzlich folgendes SMS erhalten: ?Samstags gehen wir ohne dich. Kapier endlich, dass wir dich nicht dabeihaben wollen.? Sie macht kaum mehr mit jemandem ab und ist oft hässig. Auf meine Frage, ob das schon länger so gehe, antwortete sie schnippisch: Ja, aber misch dich da nicht ein! Ich halte es als Mutter fast nicht aus, dass sie wieder gemobbt wird. Es gab schon in der 4. Klasse eine Phase, in der meine Tochter ausgegrenzt wurde. Was soll ich tun?»
Auch wenn es schwierig ist, das Leiden des eigenen Kindes mit anzusehen: Unternehmen Sie trotzdem nur etwas in Absprache mit Ihrem Kind. Trauen Sie ihm zu, selber eine Lösung zu finden. Äussern Sie klar, dass das Verhalten der Schulkolleginnen nicht in Ordnung ist. Erkundigen Sie sich immer wieder behutsam, wie es geht. Wichtig ist, in solchen Situationen nicht überzureagieren. Achten Sie darauf, nicht vorschnell von «Mein Kind wird gemobbt» zu sprechen. Von Mobbing in der Schule reden wir, wenn eine Schülerin / ein Schüler von andern Kindern regelmässig und über längere Zeit direkt oder indirekt körperlich oder seelisch verletzt wird. Wenn das Opfer in einer schwächeren Position ist, sein Selbstvertrauen verliert und dadurch nicht mehr aus eigener Kraft aus der Situation herausfindet. Oft schweigen die Opfer lange und ertragen den Schmerz der Ausgrenzung. Insbesondere dann, wenn sie das schon mal erlebt und keine Hilfe bekommen haben.
Es kann sein, dass Ihr Kind Ihnen nicht alles anvertraut. Denn es weiss genau, dass die Mutter leiden würde. Kinder schützen so ihre Eltern. Lassen Sie deshalb Ihr Kind wählen, mit wem es reden möchte. Schreiben Sie für sich alles auf, insbesondere, wie Ihr Kind mit der Situation umgeht. Ermuntern Sie auch Ihre Tochter / Ihren Sohn, alles aufzuschreiben, was passiert ist und aktuell geschieht. Es erleichtert, solche Erlebnisse zu notieren. Später helfen die Notizen, alles auf die Reihe zu bringen, falls sich die Situation verbessert. Dann ist es auch Zeit, sich an die Schule zu wenden, um mit Lehrperson und eigenem Kind eine Lösung zu finden. |