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RATGEBER
 
Rosinenpicker
vom 04.01.10
Felizian Kuster*
 

Traurig blickend steht die dreijährige Hündin Mela mit aufgekrümmtem Rücken in der Praxis. Plötzlich würgt sie gelben wässrigen Schleim hervor. Die Besitzerin erzählt, dass Mela seit bald zwei Tagen immer wieder erbreche und nichts fresse. Zwar trinke sie, könne das getrunkene Wasser aber nicht halten. Der Kot sei normal geformt, die Hündin setze aber kaum noch Harn ab und sei sehr apathisch. Beim Untersuch beträgt die Temperatur 38,3°, ist also normal. Die Augen liegen tief eingesunken in den Augenhöhlen. Die Haut an den Körperseiten verstreicht nur zögernd, wenn sie in einer Falte vom Körper abgehoben wird; ein Zeichen für Exsikkose (Austrocknung) durch den Flüssigkeitsverlust beim Erbrechen. Die Frage, ob Mela zu Hause oder beim Spazieren irgend etwas Unverträgliches vernascht haben könnte, verneint die Besitzerin. Allerdings habe sie sich vor zwei Tagen an einer Schale Rosinen gütlich getan.

Wegen dieser Anamnese wird Mela sofort Blut entnommen und im praxisinternen Labor untersucht. Nach wenigen Minuten ist die Verdachtsdiagnose gesichert. Harnstoff, Kreatinin, Kalzium und Phosphor liegen teilweise mehrfach über den Normalwerten; ein schwerer Nierenschaden, vielleicht sogar ein Nierenversagen ist der Grund für die Erkrankung.

Unverzüglich werden der Hündin eine Infusion und harntreibende Medikamente verabreicht.

Da Mela in den nächsten zwölf Stunden trotz Behandlung keinen Harn mehr absetzt, sich ihr Allgemeinbefinden eher verschlechtert und die Nierenwerte weiter ansteigen, wird ein akutes Nierenversagen diagnostiziert. Dieses kann bei Mela nur durch eine Hämodialyse am Tierspital Bern erfolgreich behandelt werden. Während fast zwei Wochen wird die Hündin dort intensiv betreut und kann danach entlassen werden. Einige Zeit wird sie noch vermehrt trinken, und ihre Nierenwerte müssen regelmässig durch Blutuntersuchungen kontrolliert werden. Die Prognose auf eine völlige Heilung sind für sie aber gut.

Den meisten Hundebesitzern ist nicht bekannt, dass Weintrauben? frisch oder getrocknet ?für ihren vierbeinigen Begleiter stark giftig sind und zu tödlichem Nierenversagen führen können. Beeren der Weinrebe und vor allem deren Schalen enthalten Oxalat, Flavonoide, Resveratrol und weitere Inhaltsstoffe, die im Körper metabolisiert (um- und abgebaut) werden. Welche Substanz für den Hund - sonst für keine andere Haustierart - toxisch ist und die Nieren angreift, ist noch nicht geklärt. Bei einem 10 Kilogramm schweren Hund lösen 100 bis 200 Gramm frische Weinbeeren oder Rosinen eine Vergiftung aus. Warum nicht alle Hunde gleich empfindlich sind, ist ebenso wenig bekannt wie der Giftstoff.

 
 



 
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