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INTERVIEW
 
Mittwoch, 27. Januar 2010
«Schweiz ist ganz vorne mit dabei»
Nanotechnologie Grösse und Anzahl Beschäftigte der Branche hierzulande noch unklar
Heinz Müller hat an der ETH Zürich Biochemie studiert und dort auch promoviert. Nach einem Forschungsaufenthalt in den USA führte er bis 2002 eine Forschungsgruppe an der medizinischen Fakultät der Uni Basel, wo er bis heute als Professor für klinische Biochemie in der Ausbildung tätig ist. Seit 2002 ist er Patentexperte am Eidgenössischen Institut für Geistiges Eigentum in Bern. Nanotechnologie ist bei all diesen Tätigkeiten von grosser Bedeutung. (zl)
Die wachstumsträchtige Nanotechnologie ist in aller Munde. Für den Experten am Institut für geistiges Eigentum, Professor Heinz Müller, ist die Schweiz in einer hervorragenden Ausgangslage.
Interview Thomas Schär
 

Heinz Müller, könnte sich die Nanotechnologie zu einer der Schlüsseltechnologien fürs 21. Jahrhundert entwickeln?

Auf jeden Fall, zum Teil sind wir heute schon so weit, zum Teil ist die Nanotechnologie daran, sich in eben diese Richtung zu entwickeln. Zum gleichen Schluss ist auch eine OECD-Studie im vergangenen Jahr gekommen. Auch innerhalb der EU laufen entsprechende Bestrebungen und Abklärungen.

Hat die Schweiz die Chancen, die in dieser Technologie stecken, rechtzeitig und genügend erkannt?

Wir sind vielleicht nicht ganz so schnell wie die Amerikaner. Aber in der Schweiz haben wir den Vorteil, dass wir frühzeitig begonnen haben, uns mit der Mikrotechnologie zu befassen, die sich ja aus der Uhrenindustrie heraus entwickelt hat, wo mit sehr kleinen Teilen und der Feinmechanik gearbeitet wird. Von daher war die Schweiz gut aufgestellt, um in das weite Feld der Nanotechnologie einzutreten. Und ich bin sehr stark der Überzeugung, dass wir ganz weit vorne dabei sind, was die Forschung, aber auch die industrielle Verwendung der Nanotechnologie betrifft.

Warum ist es so wichtig für die Schweizer Industrie, aber auch für die hiesige Forschung, in diesem Bereich vorne dabei zu sein und darin zu investieren?

Beides ist für die Schweiz von hoher Bedeutung. Bei der Nanotechnologie handelt es sich um ein Hightech-Gebiet wie irgendein anderes Hightech-Gebiet auch. Unser Land muss in solchen industriellen Hightech-Anwendungen mit dabei sein, alleine schon, um die hierzulande hohe Wertschöpfung und den Lebensstandard zu erhalten und rechtfertigen zu können, aber auch zur Erhaltung der Arbeitsplätze. Wir verfügen über sehr gut ausgebildete Leute und ein sehr attraktives Umfeld, mit Hochschulen und Universitäten, die im internationalen Vergleich sehr gut dastehen. Das schreit förmlich danach, solche Branchen zu fördern, etwa durch nationale Forschungsprogramme oder durch die Förderagentur für Innovation des Bundes KTI, wie dies der Fall ist.

Gibt es überhaupt schon so etwas wie eine Schweizer Nanotech-Branche, nachdem letzte Woche der erste «Swiss Nanotech Report» veröffentlicht worden ist?

Mit dem «Swiss Nanotech Report» erscheint erstmals ein Bericht über die neuesten Entwicklungen der Schweizer Nanotech-Industrie. Weltweit gibt es ja bereits relativ viele Nanotechnologie-Anwendungen. Das Gebiet besteht, und es ist rasant am Wachsen. Deswegen wird das sogenannte Swiss Nanotech Report Steering Committee auch in Zukunft regelmässig Veröffentlichungen zu diesem Thema machen, um effektiv sagen zu können, welchen Wertschöpfungsbeitrag diese Industrie an die Schweizer Wirtschaft liefert.

Wie viel Beschäftigte zählt denn die Nanotech-Industrie heute in der Schweiz? Handelt es sich nicht immer noch um eine Nische?

Ich denke, die Nanotech-Industrie ist bereits ein Wirtschaftsfaktor für die Schweiz. Allerdings fehlen uns die Zahlen für genaue Angaben. Wir hatten zusammen mit der KOF ETH eine Studie gestartet, um uns einen Überblick über die Branche zu verschaffen. Das Ganze erwies sich aber als weitaus schwieriger, als ursprünglich angenommen. Denn die Nanotechnologie als interdisziplinäre Technologie wird häufig in die herkömmlichen Industrien integriert. Wir hoffen jedoch, dass wir in unserem nächsten Report in einem Jahr dann mit ersten Zahlen aufwarten können.

Wo sehen Sie derzeit die grössten Risiken bei der Weiterentwicklung der Nanotechnologie?

Das ist ein wichtiger Aspekt. Wir haben bereits bei der Gentechnologie gesehen, dass bei der Diskussion über diese Thematik in der Bevölkerung gewisse Ängste bestehen. Das wollen wir heute bei der Einführung dieser Technologie möglichst vermeiden. Es gibt zweifellos gesundheitliche Risiken beim Umgang mit Nanotechnologie, die wir in den Griff bekommen müssen. Aber wie gesagt, wir sind in der guten Ausgangslage, aus den Fehlern der Gentech-Debatte gelernt zu haben, und wissen, dass wir nicht nur frühzeitig anfangen müssen zu informieren, sondern auch über die Gesetzgebung vorgehen müssen. Es bestehen diesbezüglich zahlreiche Aktivitäten, und es gibt auch schon gewisse Verordnungen in diesem Bereich, in dem vor allem die Suva sehr stark tätig ist.

 
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